Algen – Multitalente aus dem Meer

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Die Wasserbewohner wirken unscheinbar, stecken aber voller guter Inhaltsstoffe. In puncto Gesundheit, Kosmetik und Klimaschutz können Algen viel für uns tun.

Die meisten sind grün und winzig. Sie kommen aber auch braun oder rot daher, Einzelne können bis zu 60 Meter lang werden. Manche leben im Meer, andere im Süßwasser – so bunt wie die Welt der Algen ist, so vielfältig sind ihre Fähigkeiten. Wir nehmen sie selten bewusst als das wahr, was sie sind: Echte Allrounder mit tollen Eigenschaften. Ob es 70.000 Arten oder mehr als eine Million von ihnen gibt, ist umstritten. Denn streng genommen sind die sogenannten Blaualgen eigentlich Bakterien. Fest steht jedoch, dass die besonderen Lebewesen enormes Potenzial besitzen: Sie können die Gesundheit erhalten, die Haut pflegen, Erkrankungen lindern und große Mengen CO2 binden. Aber der Reihe nach …

Voller Nährstoffe

Vitamine, Omega-3-Fettsäuren, Mineralstoffe und Spurenelemente – Algen sind prall gefüllt mit wertvollen Sub-stanzen. Sie sind gute Quellen für die Vitamine A, B und K, enthalten reichlich Jod, Calcium, Magnesium und Eisen. Auch als Proteinlieferanten sind sie eine interessante Alternative. In Asien gehört Seafood seit Jahrhunderten traditionell auf den Tisch. Hierzulande dienten Algen lange Zeit nur als Basis für Bindemittel wie Carrageen oder Agar-Agar. Als Rezeptzutat begegnet uns am häufigsten die Nori-Alge, die wir als Umhüllung von gerolltem Sushi kennen. Im Lebensmittelhandel gibt es sie zu Blättern getrocknet. Darüber hinaus erscheinen Sorten wie Arame, Kombu, Wakamé, Hijiki und Dulse immer öfter in Speisekarten und Rezeptideen. Man kann sie dünsten, kochen, braten oder einlegen, sogar als Salat oder Snack genießen. Algen aus freier Natur können Schwermetalle und andere Giftstoffe anreichern, zudem schwanken die Nährstoffgehalte erheblich. Daher sind Produkte aus kontrollierter Zucht und Herstellung vorzuziehen. Hier sind Inhaltsstoffe und Jodgehalt in der Regel konstant und genau angegeben. Achtung: Für Menschen mit Schilddrüsenstörungen kann der hohe Jodgehalt problematisch sein. Bitte vor dem Verzehr den Arzt fragen.

Gut für die Gesundheit

Die Unterwasserschönheiten behaupten sich nicht ohne Grund seit Millionen Jahren auf der Erde. Ihr Überlebenstrick sind Inhaltsstoffe, die Viren, Bakterien und Pilze abwehren. Einer der bekanntesten Wirkstoffe ist Fucoidan, ein Baustoff in den Zellwänden von Braunalgen. Ihm werden schützende Wirkungen auf Nervenzellen sowie immunstärkende Effekte zugesprochen. Hoffnung geben zudem Forschungen zum Einsatz gegen Krebs und multiresistente Keime. Andere Algenbestandteile sollen erhöhte Blutfettwerte senken, Entzündungen eindämmen, Schadstoffe an sich binden sowie Migräne lindern. Studien untersuchen Einflüsse auf das Arteriosklerose- und Alzheimer-Risiko. Auflagen mit dem Geliermittel Alginat unterstützen die Heilprozesse von Wunden. Im medizinischen Bereich sind hauptsächlich kleinste Mikroalgen von Bedeutung, etwa Spirulina, Chlorella und AFA (Aphanizomenon flos-aquae). Sie gibt es auch als Nahrungsergänzungsmittel in der Apotheke.

Schön für die Haut

Ein weiteres Talent der Wasserbewohner: Ihre Antioxidanzien können freie Radikale, also aggressive Sauerstoffmoleküle aus der Umwelt, unschädlich machen. Gegen UV-Strahlung schützen sie ebenfalls. So beugen Algen Zellalterung und Falten vor. Den straffenden Anti-Aging-Effekt nutzt die Beautywelt mit wachsender Begeisterung. Immer mehr Cremes, Gesichtsmasken und Seren setzen auf die Kraft der Algen. 

Nachhaltiger Rohstoff

Für das Klima sind sie unentbehrlich. Die große Oberfläche von Meeresalgen, beispielsweise als ausgedehnte schwimmende Teppiche oder Plankton, bindet enorme Mengen CO2 und produziert viel Sauerstoff. Dabei sind die Klimaschützer sehr bescheiden, allein mit Wasser und Sonnenlicht wachsen sie etwa zehnmal schneller als Pflanzen an Land. Vor Jahrtausenden abgestorben und auf den Grund gesunken, sind sie übrigens der wichtigste Grundstoff von Erdöl und Erdgas. Verschiedenste Forschungsfelder untersuchen das Nutzpotenzial von Algen. Die Multitalente können Schwermetalle und Düngemittel aus dem Abwasser filtern, sind selbst hochwertiger Dünger und ein nachhaltiger, energiereicher Kraftstoff. Aus ihnen lassen sich Materialien herstellen, die üblicherweise aus Erdöl gewonnen werden: Straßenbelag und Kunststoffe zum Beispiel. Zukünftig sollen die Kleinstlebewesen sogar im All als Nahrungsquelle dienen – echte Alleskönner eben.   

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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