Bewährte Strategien gegen Narben

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Ob Schnittwunde, Tierbiss oder Operation: Verletzungen hinterlassen Spuren auf der Haut. Dass Narben entstehen, lässt sich bislang nicht verhindern. Wohl aber können wir ihre Optik beeinflussen. Narbenpflege aus der Apotheke hilft dabei.

Narben gehören zum Leben. Sie erzählen Geschichten aus unserer Vergangenheit – sorgen dafür, dass der unsanfte Sturz vom Klettergerüst, der Fahrradunfall und der Kaiserschnitt niemals ganz in Vergessenheit geraten. Normalerweise verblasst mit der Erinnerung an das Erlebte auch die Narbe. Ist das Gewebe kurz nach der Verletzung noch stark gerötet, erhaben und deutlich sichtbar, zeigt sich Jahre später meist nur noch eine schmale, helle Linie auf der Haut.  

Dass Narben überhaupt entstehen, ist ein sinnvoller Schutzmechanismus unseres Körpers: Wird die Haut bis in tiefere Schichten verletzt, kommt prompt ein komplexer Reparaturmechanismus in Gang. Im Verlauf der Wundheilung wird zerstörtes Hautgewebe dabei durch neues Bindegewebe ersetzt, das die Wunde von innen auffüllt.

Neue Haut hat Defizite

Dieses Ersatzgewebe ist zweckmäßig und robust, im Vergleich zur normalen Haut enthält Narbengewebe aber weniger Kollagenfasern, wodurch es ihm an Elastizität und Geschmeidigkeit mangelt. Außerdem muss es ohne Schweiß- und Talgdrüsen auskommen. Pigmentbildende Zellen fehlen dem Narbengewebe genauso wie Haare.  

Das alles wäre für die meisten Menschen sicherlich gut zu verkraften, wäre die Narbe ansonsten dezent und blass. Doch das ist nicht immer der Fall. Auch nach Abschluss der Narbenbildung, die bis zu zwei Jahre dauern kann, ist die Narbe möglicherweise noch tiefrot und fleischig oder sogar wulstig zu erkennen. Auffällige und großflächige Narben können die Psyche belasten und am Selbstwertgefühl nagen. Was Betroffenen dann bleibt, ist eine Narbenkorrektur beim Arzt, der mit Injektionen, Laser, Kälte oder dem Skalpell gegen die Narbe angeht.  

Gute Erstversorgung als Basis

Besser ist es, die Wundheilung und anschließende Narbenbildung von vornherein so günstig zu beeinflussen, dass das Ersatzgewebe optisch möglichst unauffällig bleibt. Um verstärkter Narbenbildung vorzubeugen, kommt es zunächst auf eine gute Wundversorgung an. Ihr Ziel: Infektionen zu verhindern und den Heilungsprozess zu unterstützen. Richtig ist es, verletzte Haut gründlich zu reinigen, zu desinfizieren und abzudecken. Passgenaue Erste-Hilfe-Produkte gibt es in der Apotheke – zum Beispiel spezielle Pflaster, die ideale Wundheilungsbedingungen bieten und das Risiko für unschöne Narben verringern.

Sobald die frische Wunde verschlossen ist, beginnt die eigentliche Narbenpflege. Sanfte Hautmassagen und hochwertige Produkte aus der Apotheke können sich positiv auf die Narbenbildung auswirken, das Gewebe glätten und weicher machen. Zum Einsatz kommen zum Beispiel spezielle Narbenpflaster, die auf die Haut geklebt werden, aber auch feuchtigkeitsspendende Silikongele und Narbencremes, die die Haut schützen und geschmeidiger machen. Bitte lassen Sie sich in der Apotheke beraten, welche Narbenpflege im individuellen Fall geeignet ist.

Was unterstützt die Narbenbildung sonst noch? Experten raten, das neue Gewebe gut vor Sonnenstrahlen zu schützen. Da kratzige Wollpullis und scheuernde Kleidungsstücke den Heilungsprozess stören können, haben sie auf frischen Narben nichts zu suchen. Zudem gilt es, frisches Narbengewebe nicht zu stark zu belasten. Zug und Dehnung, etwa beim Sport oder durch schweres Heben, sollten möglichst vermieden werden.

Hoffnungsvolle Zukunftsmusik

Ob sich Narbenbildung künftig vielleicht ganz verhindern ließe, erforscht die Wissenschaft mittlerweile intensiv – unter anderem am Helmholtz Zentrum München. Hier haben Forscher neue Erkenntnisse über Prozesse gewonnen, die der Vernarbung zugrunde liegen, und sind dem Traum von der spurlosen Wundheilung ein Stück nähergekommen. Im Tiermodell ist es ihnen bereits geglückt, die Narbenbildung durch Transplantation spezieller Bindegewebszellen (Fibroblasten) signifikant zu reduzieren. 

Bis sich die Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen, wird sicherlich noch etwas Zeit vergehen. Doch vielerorts sind Forscher optimistisch, dass es künftig gelingen könnte, makelloses Ersatzgewebe zu schaffen – für ein Leben ohne Narben.  

Quelle: www.ratgebergesund.de

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