Das Gehirn

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Mit dem Alter kommt der geistige Verfall? Das muss nicht sein! Denn obwohl unsere Denkzentrale im Lauf des Zeit ein wenig schrumpft, bleibt sie flexibel und lernfähig.

Es wiegt etwa 1.300 Gramm, ist faustgroß und sieht aus wie eine überdimensionale Walnuss. Doch die unspektakuläre Optik trügt: Das Gehirn ist das komplexeste Organ des Menschen. Es steuert nahezu alle unsere Körperfunktionen, ermöglicht das Denken und das emotionale Empfinden. Das faszinierende Supertalent unter der Schädeldecke merkt, lernt, verarbeitet, entscheidet und fühlt – unentwegt, ein Leben lang.

Optimal vernetzt

Grundbausteine des menschlichen Gehirnssind knapp 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen). Sie sind durch etwa 100 Billionen Schalt­stellen (Synapsen) miteinander verbunden. Rein rechnerisch ist ein Neuron also mit 1.000 anderen zu einem gigantischen Netzwerk verknüpft. Mit den Lebensjahren verändert sich das Gehirn – es verliert an Masse, die Anzahl der Hirnzellen nimmt ein wenig ab, ihre Schutzschicht wird dünner und die Nervenbahnen, die Informationen weiterleiten, funktionieren schlechter. In der Folge arbeitet das Oberstübchen im Seniorenalter meist ein wenig langsamer: Die Reaktionszeit wird länger, die Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Der natürliche Alterungsprozess muss allerdings kein Grund zur Sorge sein. Denn unser Hirn ist äußerst flexibel: Arbeitet ein Bereich auf Sparflamme, können andere Areale einspringen und die Aufgaben übernehmen. Fest steht mittlerweile zudem, dass sich lebenslang neue Synapsen bilden können. Was der Kopf dazu braucht? Jede Menge Input, sprich »Futter« für die grauen Zellen. 

Neues beflügelt

Ein Instrument spielen lernen, einen Sprachkurs besuchen, sich ehrenamtlich engagieren oder, oder, oder … Wer neugierig bleibt und sich neuen Herausforderungen stellt, kurbelt die Neuvernetzung zwischen den Nervenzellen an. Studienergebnisse belegen es: Im Dienste der Wissenschaft übten sich Senioren drei Monate lang im Jonglieren. Forscher untersuchten die Gehirne der Studienteilnehmer und stellten im Vorher-Nachher-Vergleich fest: In zwei Hirnarealen hatte ein deutliches Wachstum stattgefunden. Das Gehirn bleibt also ein Leben lang plastisch – es wächst, wenn es gefordert wird, und schrumpft, wenn das Training fehlt. Was dem Oberstübchen zudem guttut? Viel Bewegung an der frischen Luft, und eine gesunde, vollwertige Ernährung. Was ihm hingegen gar nicht schmeckt, sind Alkohol und Zigaretten. Wer regelmäßig raucht oder Hochprozentiges trinkt, muss mit einer schnelleren Gehirnalterung rechnen. Auch das haben Forscher nachgewiesen.

Altersweisheit

Zum Schluss noch eine gute Nachricht für die Generation 60plus: Auch wenn manches etwas länger dauert, nimmt die intellektuelle Leistungsfähigkeit nicht in allen Bereichen ab. Wenn es um Sprachkompetenz, Fachwissen und richtiges Schlussfolgern geht, ist das ältere Oberstübchen sogar im Vorteil. Experten sprechen von »kristalliner Intelligenz«, der Volksmund nennt es Altersweisheit.         

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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