Diabetes: Risiko Schaufensterkrankheit

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Diabetes: Risiko Schaufensterkrankheit

Schmerzen in den Beinen sind ein Alarmsignal und weisen auf gefährliche Durchblutungsstörungen hin. Diabetiker sind besonders häufig von der berüchtigten „Schaufensterkrankheit“ betroffen. 

Eine halbe Stunde spazieren gehen? Einen Einkaufsbummel machen? Für viele Menschen ist das kaum möglich, denn beim Gehen bekommen sie prompt heftige Schmerzen in den Beinen. Die krampfartigen Beschwerden zwingen Betroffene zum Stehenbleiben – so lange, bis die Schmerzen wieder nachlassen. Mit der Zeit wird die Wegstrecke immer kürzer, die ohne Zwangspausen bewältigt werden kann.

Hinweis auf Durchblutungsstörungen

Diese Symptome sind typisch für eine ernsthafte und gefährliche Erkrankung: Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), vielen besser als Schaufensterkrankheit bekannt. Dabei handelt es sich um Durchblutungsstörungen in den Beinen, ausgelöst durch Ablagerungen in den Blutgefäßen. Weil das Blut schlechter durch die verengten Beinarterien fließen kann, wird das Gewebe nur unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Folge: Es schmerzt, sobald die Beine beim Gehen belastet werden. Dem häufigen Innehalten beim Einkauf oder anderen Erledigungen verdankt die Erkrankung dann auch ihren volkstümlichen Namen.

Im fortgeschrittenen Stadium treten die Schmerzen auch im Ruhezustand auf. Wird dann nichts unternommen, bilden sich durch die mangelhafte Durchblutung leicht Geschwüre an den Füßen oder Beinen. Kommt es zu Wundbrand und absterbenden Gewebebereichen, kann eine Amputation nötig werden. Das Amputationsrisiko ist bei Diabetikern erheblich höher als bei anderen PAVK-Patienten.

Gefahr für Herz und Hirn

Und nicht nur das: Die Schmerzen in den Beinen sind lediglich der spürbare Teil des Problems. Schon im frühen Stadium der Verschlusskrankheit wird bei sehr vielen Betroffenen auch eine weitgehende Verkalkung jener Arterien festgestellt, die Herz und Hirn versorgen. Deswegen gilt die PAVK heute als direkter Vorbote von Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die Schaufensterkrankheit entsteht nicht aus heiterem Himmel. Zu den Hauptrisikofaktoren gehört – neben dem Rauchen – auch Diabetes. Bei Diabetikern treten arteriosklerotisch bedingte Verschlusskrankheiten wesentlich häufiger auf als bei der übrigen Bevölkerung. Bei den meisten Menschen mit Diabetes kommen gleich mehrere der Risikofaktoren zusammen. Sie haben durch die Stoffwechselerkrankung bereits eine hohe Anfälligkeit für Gefäßschädigungen. Diabetes und Gefäßerkrankungen beeinflussen sich gegenseitig negativ.

Gleich zum Arzt

Durch eine möglichst frühzeitige Diagnose lassen sich die Risiken in Schach halten. Deshalb gilt: Auch bei leichten Missempfindungen in den Beinen sofort zum Arzt gehen! Ob eine ernsthafte Durchblutungsstörung vorliegt, kann häufig schon der Hausarzt feststellen. Nach einem Anamnese-Gespräch erfolgt die körperliche Untersuchung. Blasse, kühle Gliedmaßen, Geschwüre oder eine übermäßige Verhornung der Füße können Hinweise auf die Erkrankung geben.

Durch diabetesbedingte Empfindungsstörungen in den Beinen und Füßen (diabetische Neuropathie) spüren Diabetiker weniger Schmerzen, die das typische Alarmsignal der Schaufensterkrankheit sind. Bei jeder Fußverletzung muss deshalb auch die Durchblutung überprüft werden. Durch eine Ultraschalluntersuchung lässt sich eine PAVK meist zuverlässig diagnostizieren.

Steht die Diagnose fest, muss die hochriskante Gefäßerkrankung konsequent behandelt werden. Die Durchblutungsstörungen lassen sich durch eine möglichst optimale Blutzuckereinstellung, durch regelmäßiges Geh- und Gefäßtraining und durch Medikamente, die der Arzt verschreibt, verbessern. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine Aufdehnung der Gefäße durch einen Ballon oder das Einbringen einer Gefäßstütze (Stent) erforderlich sein.

Das Laufen trainieren  

Ein regelmäßiges Geh- und Gefäßtraining unter ärztlicher Kontrolle verbessert die Sauerstoffversorgung in der Muskulatur und im Gewebe. Wer das Gehtraining konsequent durchführt, steigert nachweislich seine Gehleistung. Außerdem bilden sich wieder neue, kleine Blutgefäße im Gewebe. Es gibt spezielle Gefäßsportgruppen und auch Diabetikersportgruppen, in denen Patienten in Gesellschaft und unter fachkundiger Anleitung trainieren können.

Mindern Sie Ihr Risiko

  • Optimal eingestellt: Eine optimale Blutzuckereinstellung minimiert das Risiko für Diabetes-Folgeschäden, zu denen auch Arterienverkalkung gehört. Wichtig: Der Langzeitwert (HbA1c) sollte unter sieben Prozent liegen!
  • Nikotinstopp: Raucher haben ein um ein Vielfaches erhöhtes PAVK-Risiko. Zudem erhöht Rauchen die Blutfette und treibt den Blutdruck in die Höhe.
  • Werte im Blick: Zu hohe Blutfett- und Blutdruckwerte müssen konsequent gesenkt werden.
  • Runter mit den Kilos: Übergewicht verschärft die gesamte Problematik! Eine vollwertige, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung und viel Bewegung helfen bei der Gewichtsreduktion.
  • In Bewegung bleiben: Ob Treppensteigen, mit dem Hund Gassi gehen oder zu Fuß zum Supermarkt laufen: Um die Gefäße gesund zu halten, zählt jeder Schritt. Gut für Menschen mit Diabetes ist zudem moderater Ausdauersport. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wieviel Training und welche Sportarten für Sie geeignet sind.

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