Gelenke am Limit – Diagnose WhatsAppitis

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… oder auch Handydaumen heißt eine neue Erkrankung, die durch ständiges Tippen auf dem Smartphone verursacht wird. Wie sie genau entsteht und was hilft.

Schnell eine Nachricht oder ein Foto senden, E-Mails abrufen, Termine buchen … Ein Smartphone ist eine praktische Erfindung und wir verwenden es bis zu fünf Stunden täglich. Ein Viertel der 20- bis 40-Jährigen checkt bis zu 100 Mal am Tag das Handy, so eine internationale Studie. »Das bleibt nicht ohne Folgen«, weiß Dr. Haydar Kükrek, Sektionsleiter Handchirurgie und Geschäftsführender Oberarzt  an der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am Klinikum Rechts der Isar Technische Universität München. »Häufiges Tippen auf dem Smartphone kann zu einer Sehnenscheidenentzündung im Daumen, einer sogenannten WhatsAppitis, führen.« 

Arthrose-Risiko steigt

Meist tippen wir mit dem Daumen der Hand, die das Handy hält. Je größer das Display ist, desto weiter muss der Daumen dabei abgespreizt werden. »Eigentlich ist das Daumengelenk gut beweglich, häufige weite Abspreiz-bewegungen überlasten es aber«, erklärt Dr. Kükrek. Anfangs macht sich das durch ein Druckgefühl bemerkbar, später durch einen ziehenden Schmerz, der bis in den Unterarm ausstrahlen kann. »Durch die Fehl- und Überbelastung des Daumens reiben vor allem die Streck- und Beugesehnen aneinander und stoßen auch an den Gewebetunnel, der sie umgibt. Die kontinuierliche Reizung löst eine Entzündung aus, es entstehen Schwellungen und oft ein unangenehmes Wärmegefühl im Daumen.« Bald tut dann jede Bewegung weh. Auf Dauer kann eine WhatsAppitis den Verschleiß des Gelenks fördern und das Risiko für Arthrose steigern.

Mach mal Pause!

Doch so weit muss es gar nicht kommen, wenn wir das Smartphone öfter mal aus der Hand legen und mit dem Zeigefinger oder den Daumen beider Hände tippen. »Auch sollte man die Sprachfunktion nutzen und Audio-Nachrichten schicken«, rät der Experte. »Bei akuten Beschwerden können entzündungshemmende Schmerzmittel und kühlende Salbenverbände aus der Apotheke helfen, außerdem die Ruhigstellung des Gelenks durch eine Schiene oder eine Behandlung mit Kinesio-Tapes.« Kortisoninjektionen sind eine mögliche Option bei sehr starken Schmerzen, sollten aber nur nach strenger Abwägung eingesetzt werden – schließlich greift Kortison die Sehnen auf Dauer an. Grundsätzlich gilt immer: Bei Beschwerden eine Tipp-Pause einlegen! 

Haltung zeigen

Unsere Smartphone-Gewohnheiten strapazieren aber nicht nur den Daumen. »Es kann zu Schmerzen am gesamten Handgelenk kommen. Durch Ausweichbewegungen und Schonhaltungen werden irgendwann auch Ellenbogen und Schultern in Mitleidenschaft gezogen«, so Dr. Kükrek. Darüber hinaus verspannt der Nacken, weil wir meist übers Handy gebeugt sind. Also sollten wir nicht nur ab und zu mal eine Handy-Pause machen, sondern auch Haltung zeigen: Gerade sitzen, das Handy auf Augenhöhe halten und mit beiden Daumen tippen – dann kann nicht so viel schiefgehen.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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