Gibt es eine TV-Demenz?

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Macht Fernsehen vergesslich? Eine neue Studie gibt zu denken.

»Abschalten«, raten Neurologen neuerdings. Sie haben erkannt, dass zu viel Fernsehen geistige Fähigkeiten rauben kann. Möglicherweise haben wir es mit einem neuen Krankheitsbild zu tun: mit der Fernseh-bedingten Demenz. Betroffen sind Menschen ab 50.

Neue Studie

Kommunikationswissenschaftler warnen schon lange: zu viel Fernsehen kann dumm machen. Britische Mediziner haben es jetzt schwarz auf weiß: Wer täglich mehr als 3,5 Stunden fernsieht, schadet seinem Gedächtnis. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie mit rund 3.500 Teilnehmern. Zu Beginn der Untersuchung hatten sie alle das 50. Lebensjahr überschritten und wiesen keine Anzeichen für eine Demenz auf. Nach sechs Jahren nahmen die Wissenschaftler die kognitiven Leistungen ihrer Probanden unter die Lupe und befragten sie nach ihrem Fernsehverhalten. Das Ergebnis klingt alarmierend.

Das Ergebnis

Das sprachliche Gedächtnis leidet offenbar sehr unter dem stundenlangen TV-Konsum. Testpersonen, die die kritische Schwelle von 3,5 Stunden pro Tag vor der Flimmerkiste überschritten, hatten deutliche Schwierigkeiten, mündlich vorgetragene Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und sich später zu erinnern. Sie konnten Gesprächen im realen Leben nicht mehr richtig folgen, Anweisungen nicht mehr verstehen und nicht mehr befolgen. Verbal ausgesprochene Einladungen haben sie schnell wieder vergessen. 

Besorgniserregend

Forscher erklären sich diese Art von Gedächtnisabbau so: Beim Fernsehschauen prasseln kontinuierlich viele Reize (sehen und hören) auf das Gehirn ein, die in der Menge kaum verarbeitet werden können. Professor Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hält die Studienergebnisse für besorgniserregend. »Verschiedene Untersuchungen stellen die These auf, dass viel Fernsehen das Risiko, an Demenz zu erkranken, fördern könnte. Alzheimer-Patienten weisen jedoch auch weitere kognitive Defizite jenseits des verbalen Gedächtnisses auf«, sagt er. Er befürchtet, eine eigenständige Fernseh-bedingte Demenz könne es tatsächlich geben. »Ältere Menschen«, rät der Neurologe, »sollten von zu viel Fernsehschauen lieber absehen.« Bewegung im Alltag, soziale Kontakte pflegen und aktives Gedächtnistraining sind günstige Faktoren, um lange geistig fit zu bleiben.

Mehr Informationen: www.dgn.org

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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