Heilkräuter gegen Stress

Allgemein Naturheilkunde
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Naturmedizin für hektische Zeiten. Dies ist der neue Weg zu mehr Gelassenheit.

Es gibt Phasen im Leben, in denen unser Terminkalender voll und unsere To-do-Liste lang ist. Wer gerade viel um die Ohren hat und vorübergehend kaum Entspannung findet, der braucht zuverlässige Unterstützung. Synthetische Aufputschmittel, die mehr schaden als nutzen können, sind damit allerdings nicht gemeint. Die Pflanzenheilkunde kennt eine sanfte und trotzdem wirkungsvolle Methode. Die Rede ist von adaptogenen Pflanzen.

Was sind adaptogene Pflanzen?

Die Bezeichnung „adaptogen“ ist lateinisch und bedeutet „anpassen“. Adaptogene sind Pflanzenstoffe, die unsere Anpassungsfähigkeit erhöhen und die uns helfen können, mit Stress besser umzugehen. Bei der Vielzahl adaptogener Pflanzen hat jede ihre eigene „Persönlichkeit“. Die eine wirkt anregend und gibt uns die nötige Energie, die wir brauchen, um unser Arbeitspensum zu schaffen. Die andere hat eine nervenberuhigende und ausgleichende Wirkung. Sie sorgt dafür, dass wir uns schnell von den Anforderungen erholen. Wiederum andere sollen unsere Stimmung erhellen, damit trotz hohem Stresspegel auch die Glücksgefühle eine Chance haben.

Adaptogene Pflanzen sind für all diejenigen gut geeignet, die sich viel vorgenommen haben, die kurz vor einer Prüfung stehen, die mitten in einem großen Umzug stecken oder die sich an einen neuen Job gewöhnen müssen. In kurzzeitigen Belastungssituationen können uns derartige Anti-Stress-Pflanzen ein weitaus „dickeres Fell“ verleihen, als wir es von uns selbst gewöhnt sind. Adaptogene Pflanzen gibt es in Form von Tropfen und Tinkturen, Kapseln und anderen Fertigpräparaten in Ihrer Apotheke. Sie sind gut verträglich, haben kaum Nebenwirkungen und bringen keinen Gewöhnungseffekt. Einen Versuch sind sie sicherlich wert.

Ginseng (Panax ginseng)

Die Wirkung ist anregend auf den Geist. Adaptogene Pflanzenstoffe aus der Ginsengwurzel verbessern die Konzentration und erhöhen die Aufmerksamkeit. Gleichzeitig stärken die Extrakte den ganzen Körper, weil die Abwehrkräfte neuen Antrieb bekommen. Wer in stressigen Zeiten zum Kränkeln neigt, hat mit einem Ginseng-Tonikum die nötige Immunpower. Emotional angespannte Menschen schöpfen mit Ginseng wieder Mut und Zuversicht.

Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus)

Mit ihrer vitalitätssteigernden Wirkung vertreibt die Taigawurzel Müdigkeit und Erschöpfung und erhöht gleichzeitig das Denkvermögen und die Leistungsfähigkeit. Wenn drumherum alles zu viel wird – Lärm, Licht und fremde Leute –, dann verleiht die Taigawurzel einen unsichtbaren Schutzpanzer. Ihre adaptogenen Pflanzenstoffe machen resistent gegenüber unterschiedlichsten Stressfaktoren.

Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Die stimulierenden Stoffe stecken im Wurzelstock. Rosenwurz sorgt für mehr Ausdauer, erhöht die Konzentration und gibt geistige Frische. Mit ihren positiven Wirkungen auf Denk- und Lernfähigkeit wird diese adaptogene Pflanze immer beliebter – bei Studenten, Schreibtischtätern und allen, die ihre Gedanken beisammenhalten müssen. Sogar bei Prüfungsangst sollen sich Präparate mit Rosenwurz bewährt haben. Gut gegen Tagesmüdigkeit, Erschöpfungserscheinungen und stressbedingte Vergesslichkeit.

Indisches Basilikum (Ocimum sanctum)

Die Wirkung ist beruhigend und kraftspendend zugleich. Indisches Basilikum hat adaptogene Stoffe, die Stresshormone regulieren, Ängste lösen und für seelische Ausgeglichenheit sorgen sollen. Im Ayurveda ist diese Pflanze schon sehr lange unter dem Namen „Tulsi“ bekannt und steht in der indischen Lehre für Wohlbefinden und ein langes Leben. Auch bei uns schätzt man Indisches Basilikum für seine stimmungserhellende Wirkung. Es soll sogar den Serotoninspiegel erhöhen und Glücksgefühlen freien Lauf lassen.

Kleines Fettblatt (Bacopa monnieri)

In Indien sagt man „Brahmi“. Dort ist das Kleine Fettblatt nach der Göttin des Lernens benannt, weil seine adaptogenen Inhaltsstoffe Gedächtnis und Wahrnehmung stärken sollen. Inzwischen sind auch hierzulande Fertigpräparate mit Extrakten aus der sukkulenten (wasserspeichernden) Pflanze erhältlich, damit diese die Funktion des Geistes verbessern, die Merkfähigkeit steigern und das Erinnerungsvermögen erhöhen können. Gut geeignet für Senioren, die noch lange fit im Kopf bleiben möchten.

Ashwaganda (Withania somnifera)

Besser bekannt als „Schlafbeere“. Wie der Name bereits verrät, haben die Inhaltsstoffe eine beruhigende Wirkung. Bei nervösen Schlafstörungen kann Ashwaganda Ängste lösen und das Gedankenkarussell anhalten. Die Adaptogene in der „Schlafbeere“ mindern Stressgefühle. Außerdem schützen sie das Immunsystem und geben Energie für neue Aufgaben.

Mehr Balance

Adaptogene Pflanzenstoffe sind eine Antwort auf Stress, aber keine Allheilmittel. Vorübergehend können die pflanzlichen Präparate aus der Apotheke gute Begleiter sein. Sie helfen, bevorstehende Anforderungen zu meistern. Langfristig jedoch macht eine ausgewogene Work-Life-Balance noch glücklicher. Auf jede hektische Zeit sollte immer eine Phase der Entspannung folgen. Sonst macht Stress auf Dauer krank. Die Folgen sind möglicherweise: Schlafstörungen und Depressionen, schlechte Wundheilung und eine schwaches Immunsystem, Verdauungsstörungen und Gewichtszunahme, Erkrankungen von Herz und Kreislauf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt chronischen Stress als die Gesundheitsgefahr Nr. 1 ein.

Auszeiten nehmen

Um körperlich und seelisch gesund zu bleiben, sind regelmäßige Auszeiten von entscheidender Bedeutung. Es muss nicht immer gleich ein dreiwöchiger Urlaub am Strand sein. Schon kleine Ruheinseln im Alltag können Wunder bewirken: ein Waldspaziergang, Yoga-Übungen, Gartenarbeit oder ein interessantes Buch lesen. Jeder entspannt auf seine Weise. Gesund essen, ausreichend viel schlafen und moderate Bewegung an der frischen Luft sind tägliche Anti-Stress-Rituale, die wir brauchen, um die Balance zu halten. Das immerwährende Ziel sollte sein, Stressfaktoren zu reduzieren und sich selbst die nötige Entspannung zu gönnen. Sollte das Leben eine gravierende Wendung nehmen und uns vor eine neue Hürde stellen, helfen vorübergehend adaptogene Pflanzen.

Gelassen bleiben

Die 15 wichtigsten adaptogenen Pflanzen im Überblick. Dazu gibt es über 140 Rezepte für Tees und Tinkturen und andere Köstlichkeiten, um Körper und Seele im Gleichgewicht zu halten. Im Gärtnerteil erfahren Sie, wie Sie Anti-Stress-Kräuter selbst anbauen können, um später Entspannung ernten zu können.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

Bildnachweis: ©Sonja Birkelbach – stock.adobe.com