Irrtümer über Antibiotika

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Sie können Leben retten, unüberlegt eingenommen aber auch großen Schaden anrichten: Antibiotika sind sensible Arzneimittel, über die viel Verwirrung herrscht. Grund genug, mit Mythen aufzuräumen.

Antibiotika helfen bei hartnäckiger Erkältung!

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK hat gezeigt: Über 70 Prozent der Patienten erwarten, dass der Arzt bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschreibt, wenn sich die Beschwerden nicht von selbst bessern. Und manch ein Mediziner kommt diesem Wunsch auch nach. Völlig ohne Grund, denn Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nie gegen Viren. Sie helfen deshalb nicht bei Erkältung und Grippe – auch nicht, wenn die Infektion hartnäckig ist. Manchmal wird eine Virusinfektion jedoch von einer bakteriellen Infektion begleitet. Dann ist mitunter ein Antibiotikum nötig. Das Problem: Wird die Medizin zu oft oder falsch eingesetzt, werden Bakterien immer schneller unempfindlich (resistent) dagegen. Dann verlieren Antibiotika ihre Wirkung.

Die Medikamente müssen mindestens eine Woche eingenommen werden!

»Ein Antibiotikum sollte auch noch nach dem Verschwinden der Symptome und stets bis zum Ende der Packung eingenommen werden.« Diese Faustregel ist vielen Menschen geläufig. Doch sie ist zu stark vereinfacht und zudem veraltet. Heute wissen Forscher: Häufig reicht auch eine kurze Einnahmezeit, um die Erkrankung erfolgreich zu bekämpfen, mitunter sogar eine einmalige Gabe. »Der Arzt sollte idealerweise eine individuelle Einnahmedauer vorgeben, die gezielt auf die jeweilige Infektion und den zu erwartenden Verlauf abgestimmt ist«, lautet der Expertenrat der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Sind die Beschwerden frühzeitig weg, heißt es: Die weitere Vorgehensweise mit dem Arzt besprechen und das Antibiotikum auf keinen Fall auf eigene Faust vorzeitig absetzen.

Wir Menschen werden ge-gen Antibiotika resistent!

Viele Patienten befürchten, sie könnten eine Antibiotika-Resistenz entwickeln. Ein Missverständnis! Richtig ist: Nur Bakterien können gegen die Medikamente unempfindlich werden. Denn die Keime verfügen über clevere Mechanismen, um die Wirkung von Antibiotika auszuhebeln. Resistenzen sind also kein Problem einzelner Menschen. Vielmehr können sich resistente Bakterien ausbreiten und so für alle zum Risiko werden – auch für diejenigen, die noch nie ein Antibiotikum eingenommen haben.

Resistente Bakterien sind am gefährlichsten!

Resistente Bakterien sind nicht per se gefährlicher als nichtresistente Erreger. Fakt ist beispielsweise, dass zur Behandlung des resistenten Bakteriums MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) immer noch Antibiotika aus mindestens sechs unterschiedlichen Substanzklassen zur Verfügung stehen. Gegen manch einen anderen, nichtresistenten Keim gibt es weniger wirksame Antibiotika.

Zu Antibiotika gibt es keine Alternative!

Vor dem Hintergrund zunehmender Bakterienresistenzen sind mittlerweile alternative Therapieansätze in den Fokus der Forschung gerückt, darunter pflanzliche Medikamente mit antibakteriellen Eigenschaften. Ein bekanntes pflanzliches Antibiotikum ist der Thymian, dessen Inhaltsstoffe das Wachstum von Bakterien, Viren und Pilzen hemmen können. Auch Meerrettich und Kapuzinerkresse besitzen aufgrund der enthaltenen Senföle antibakterielle Eigenschaften. Pflanzliche Antibiotika aus der Apotheke können mitunter bei unkomplizierten Harnwegsinfekten helfen. Die grünen Alternativen haben kaum Nebenwirkungen und eine Resistenzbildung ist nicht zu befürchten.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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