Ist Schnarchen männlich?

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Jeder Dritte »zersägt« nachts das Schlafzimmer. Besonders Männer. Warum eigentlich und ist Schnarchen wirklich harmlos?

Beim Schnarchen haben Männer die Nase vorn. Jeder Zweite, so eine Studie, gibt nachts solche Geräusche von sich: knattern, rasseln, schnauben. Diese Töne, die dem Mund und Rachen entschlüpfen, können eine Lautstärke von bis zu 80 Dezibel erreichen. Das entspricht etwa dem Lärm eines Presslufthammers. Für die Nerven der Bettnachbarin ist dieser Tumult eine Zerreißprobe, für den Schlafenden selbst sogar eine Gefahr für seine Gesundheit.

Ohrenbetäubend

Schnarchen, der Mediziner sagt Rhonchopathie, kann viele Ursachen haben. Oft sind die Gründe anatomischer Natur. Vereinfacht lässt sich sagen: Schnarchen entsteht in den oberen Atemwegen. Irgendwo zwischen Nase und Hals ist das Gewebe so schlaff, dass es den Luftweg verengt. Mit jedem Atemzug kommt es zur Vibration. In den meisten Fällen ist es das Gaumensegel, das ungehemmt flattert und zusammen mit dem schwingenden Zäpfchen einen Schall erzeugt, der ohrenbetäubend sein kann.

Ruhe im Schlafzimmer

Manchmal ist ein schnöder Schnupfen schuld. Verstopfte Nasen schnaufen nun mal. Vernebelte Geister aber auch. Alkohol entspannt die Atemmuskulatur und zählt zu den häufigsten Schnarchfaktoren, die vermeidbar sind. Auch ein Seitenwechsel kann eine gute Lösung sein. Denn Rückenschläfer können oft nicht anders: Sie schnarchen. Ist Übergewicht dabei, ist es mit der Ruhe im Schlafzimmer meist ganz vorbei. Ein Doppelkinn mit zu viel Unterfettgewebe erhöht den Druck auf die Luftwege. Im Hals wird es eng und es kommt zur nächtlichen Schnappatmung. Da Untersuchungen ergaben, dass mehr als 60 Prozent aller Männer in Deutschland zu viel auf die Waage bringen, liegt es wohl auf der Hand: Schnarchen ist männlich.

Schlummernde Gefahr

Schnarchen ist nicht nur laut und lästig, es kann auch eine schlummernde Gefahr bedeuten. Sind die Luftwege derart verengt, kann es zu Atemaussetzern kommen. Auch wenn der Schlafende von seinem Schnarchen unmittelbar nichts merkt, am nächsten Tag fühlt er sich möglicherweise so: müde, unkonzentriert und übellaunig. Denn die sogenannte Schlafapnoe behindert die Tiefschlafphasen, sodass die Erholung ausbleibt. Nächtliche Atemstillstände können bis zu zwei Minuten andauern. Eine ernste Sache: Schnarchen kann die Ursache von Bluthochdruck sein und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Infarkte und Schlaganfälle erhöhen. Forscher haben festgestellt, dass Schlafapnoe den Hirnstoffwechsel verändert. Daher liegt die Vermutung nahe: Schnarchen kann auch zu Demenz und Depressionen führen. Ruhige Nächte sind daher lebenswichtig.

Schnarch-Stopp

Ein Patentrezept gegen das Schnarchen gibt es nicht. Oft reicht es, Alkohol zu meiden, die Schlafposition zu verändern oder Übergewicht zu reduzieren. Manchmal aber ist das nicht genug. Dann können spezielle Nasenklammern und -sprays aus der Apotheke helfen, die Atemwege freizuhalten. Schnarch-bandagen und -spangen sollen die Mundatmung verhindern und so für den Schnarch-Stopp sorgen. Der Arzt kann eine Protrusionsschiene verschreiben, um den Unterkiefer nach vorne zu verlagern. Ein Zungenschrittmacher ist mit einer Operation verbunden und hat seine Vor- und Nachteile. Sind die Ursachen für Schnarchen und Schlafapnoe ungeklärt, kann eine Nacht im Schlaflabor Licht ins Dunkel bringen.

Übrigens:
Auch Frauen schnarchen – meist aber erst ab 50, wenn sich mit den Wechseljahren der weibliche Hormonhaushalt verändert. Der Östrogenspiegel, der in jungen Jahren für eine straffe Muskulatur gesorgt hat, sinkt. Das klischeehafte Bild vom schnarchenden Mann und der leidgeplagten Frau gilt dann nicht mehr.  

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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