Kräuter für Geist und Seele – Prachtvolle Passionsblume

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In dieser Serie geht’s um »Kopf-Kräuter«. Heilpflanzen, die das Denken anregen, den Schlaf verbessern oder die Stimmung erhellen. Passionsblume ist eine davon.

Passionsblume (Passiflora incarnata) hat auffallend schöne Blüten, auch die Zusammensetzung ihrer Inhaltsstoffe ist außergewöhnlich. Diese Heilpflanze aus dem tropischen Regenwald wirkt mild beruhigend, angstlösend und entspannend – nicht bloß in der Nacht, sondern auch am Tag. Ein klassisches Schlafkraut ist sie daher nicht, oder doch? Im Vergleich zu manch anderen Arzneipflanzen ist die schlaffördernde Wirkung der Passionsblume eher gering. Dennoch macht sie das Schäfchenzählen am Abend unnötig. Ihre Substanzen haben nämlich einen besonderen Einfluss auf Gehirn und Nerven. Sie sorgen sozusagen »auf Umwegen« für erholsame Nächte.

Seelisches Gleichgewicht

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Inhaltsstoffe dieses »Kopf-Krautes« einen ganz bestimmten Botenstoff im Gehirn anregen. Gamma-Aminobuttersäure, kurz GABA genannt, ist für unser seelisches Gleichgewicht verantwortlich. GABA stärkt die Nerven und sorgt für eine ausgeglichene Stimmung. Wenn dieser Neurotransmitter aktiviert ist, können wir mit den Herausforderungen des Alltags gelassen umgehen und finden so abends leichter ins Reich der Träume. GABA gilt als körpereigenes Beruhigungsmittel, das den Blutdruck reguliert und die Herzfrequenz senkt. Insofern können Präparate mit Extrakten aus dem Passionsblumenkraut auch psychosomatische Beschwerden lindern, wenn nervöse Magen-Darm-Probleme oder stressbedingtes Herzrasen die Nacht zum Tag machen. Sie können in stressigen Zeiten bei Einschlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten eine sanfte Hilfe sein, aber auch bei Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren.

Bei Tag und bei Nacht

Die Passionsblume stößt nur sanft den Schlaf an. Daher ist die Einnahme dieser Pflanzenarzneien auch am Tag möglich. Die Mittel für die Nacht sind meist mit anderen Schlummerkräutern wie Baldrian, Hopfen oder Melisse angereichert. Für das stimmungsaufhellende Johanniskraut gilt die Passionsblume übrigens als eine Art Verstärker. Zusammen bringen diese beiden Heilpflanzen wieder Sonne ins Gemüt. Wie bei allen Phytomedikamenten tritt die gewünschte Wirkung nicht sofort ein. Erst nach einer längeren Einnahmephase kann Passiflora ihre volle Kraft entfalten. Für eine Langzeitanwendung ist sie ideal, weil sie gut verträglich und nebenwirkungsarm ist.

Naturmedizin mit Tradition

Übrigens hat die Passionsblume in der Naturmedizin eine lange Tradition. Die Azteken waren im 16. Jahrhundert die Ersten, die gute Erfahrungen mit ihr gemacht haben. Spanische Ärzte bestätigten ihre beruhigende Wirkung und brachten diese exotische Kletterpflanze nach Europa. Seitdem wird sie bei uns immer beliebter. Gartenbesitzer erfreut sie den ganzen Sommer hindurch mit ihren violett-weißen Blüten, die handtellergroß werden können und die mit ihrem symmetrischen Aufbau einzigartig sind. Als pflanzliches Arzneimittel bei nervöser Unruhe und bei Schlafstörungen wird Passiflora seit etwa 150 Jahren genutzt. Tabletten, Tropfen und Tonika sind heute in einer Vielzahl in Ihrer Apotheke erhältlich – sowohl als Mono-Präparate als auch in Kombination mit anderen Heilpflanzen.  

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

Bildnachweis: ©Phimak – stock.adobe.com