Majestätisches – Mädesüß

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In dieser Serie geht’s um »Kopf-Kräuter«. Heilpflanzen, die das Denken anregen, den Schlaf verbessern oder die Stimmung erhellen. Mädesüß ist eine davon.  

Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria) hat mit süßen Mädchen nicht viel zu tun. Den Namen hat sich dieses Rosengewächs vermutlich dank seines mandelartigen Duftes verdient. In den vanillefarbenen Blüten stecken viele ätherische Öle, die nicht nur betörend duften, sondern auch wirken – zum Beispiel gegen Kopfweh.

Süße Medizin

Kaum eine andere Heilpflanze hat sich den Ruf als »süße Medizin« so sehr verdient wie diese. Mädesüß gilt als das pflanzliche Schmerzmittel par excellence. Alle Pflanzenteile, vor allem aber die cremeweißen Blüten, enthalten von Natur aus Salicylaldehyd. Diese chemische Verbindung kann unser Körper in die heilkräftige Salicylsäure umwandeln. Mit seinen schmerzlindernden, entzündungshemmenden und fiebersenkenden Eigenschaften gilt dieser Wirkstoff als Vorbild für ein Präparat, das heute an Popularität nur schwer zu übertreffen ist. Der Handelsname dieses Medikamentes erinnert an die historische Bezeichnung des Mädesüß: Spierstaude oder Spiraea. Inzwischen wird Acetylsalicylsäure (ASS) synthetisch hergestellt und spielt in der Schmerztherapie eine bedeutende Rolle. Die Schlüsselfunktion dafür hatte das Mädesüß. Es lieferte einst den Stoff, aus dem die berühmte Kopfschmerztablette ist.

Sanfte Schmerzpflanze

Vor vielen hundert Jahren bereits wussten Naturärzte und Botaniker um die Heilkraft des Mädesüß und empfahlen Einreibungen mit dem Pflanzensaft, um Koliken zu lindern. Heute wird das Schmerzkraut mit den honigsüßen Blüten bei Erkältungskrankheiten eingesetzt, meist in Form von Arzneitee, den es in der Apotheke zu kaufen gibt. Der Aufguss hat eine schweißtreibende, aber auch harnfördernde Wirkung. Daher kann er auch bei leichten Infektionen der Blase eine sanfte Hilfe sein. Alternativmediziner verwenden die Urtinktur aus den Wurzeln des Mädesüß zur begleitenden Behandlung von rheumatischen Gelenk- und Muskelbeschwerden. Auch bei Gicht sollen Homöopathika aus der Spierstaude einen Versuch wert sein. Nebenwirkungen sind keine bekannt. Nur wer überempfindlich auf den Wirkstoff reagiert, sollte auf die liebliche Mädesüß-Medizin verzichten. 

Wiesenkönigin

Dass Mädesüß als Heilpflanze beinahe in Vergessenheit geraten ist, ist verwunderlich. Mit seiner stattlichen Größe von bis zu zwei Metern überragt es nämlich die meisten anderen Wildkräuter und ist kaum zu übersehen. Seine imposante Erscheinung hat ihm den ehrenvollen Beinamen »Wiesenkönigin« gebracht. An sumpfartigen Flussufern und auf Feldern mit feuchtem Boden gedeiht die pflanzliche Hoheit am besten. Dank seiner feinen Wurzelknollen kam Mädesüß zu seiner botanischen Bezeichnung Filipendula, was übersetzt »pendelnder Faden« heißt. Im Lauf des Sommers schießt sein kantiger Stängel in die Höhe, bildet weitverzweigte, gefiederte und ulmenartige Blätter. Die Krone bilden üppig-flauschige Doldentrauben mit vielen kleinen, gelblich-weißen Blüten, die sich im Herbst zu spiralförmigen Nüsschen mit winzigen Samen zusammenziehen. Bienen lieben den honigsüßen Blütenduft der Wiesenkönigin. Und in der Pflanzenheilkunde ist Mädesüß die Majestät unter den schmerzstillenden Arzneikräutern.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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