Rheuma – Schmerzen lindern, die Entzündung hemmen

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Moderne Medikamente sind enorm wichtig für Rheumapatienten – aber es gibt weitere Möglichkeiten, die Lebensqualität günstig zu beeinflussen. Eine wichtige Säule der Therapie ist Bewegung, eine weitere die Ernährung. Worauf Erkrankte achten sollten.

Viele Menschen mit entzündlichem Rheuma neigen dazu, sich so wenig wie möglich zu bewegen: weil die Gelenke schmerzen, weil sie Angst haben, die Gelenke noch mehr zu schädigen, weil sie befürchten, einen Krankheitsschub auszulösen oder auch, weil sie durch die Erkrankung sehr erschöpft sind. Tatsächlich galt früher eher der Rat, sich zu schonen. Heute ist das anders. „Wenn Rheumapatienten sich zu wenig bewegen, bleibt die Behandlung unter ihrem Potenzial“, sagt AOK-Ärztin Dr. Astrid Maroß. „Körperliche Aktivität verbessert auch bei Rheumapatientinnen und -patienten die Gesundheit und hilft, die kranken Gelenke beweglich zu halten.“

Mehr Ausdauer, mehr Lebensfreude

Studien haben gezeigt, dass die Lebensqualität steigt, wenn Rheumatiker zwei- bis dreimal die Woche Ausdauertraining betreiben. Sie sind in ihrem Alltag weniger eingeschränkt, die Schmerzen gehen zurück. Andere Studien haben Kräftigungsübungen mit leichten Gewichten oder Geräten untersucht: Auch dadurch haben sich die Beeinträchtigungen durch die Erkrankung verringert. „Das legt nahe, dass Sport entzündungsfördernde Botenstoffe im Körper hemmen kann“, so Dr. Maroß. Allgemein zeigen die Forschungsergebnisse, dass körperliche Aktivität die Fitness, Kraft und Beweglichkeit bei Rheumapatienten verbessern und die rheumabedingte Erschöpfung lindern kann. Als zusätzlicher Effekt wirkt sich körperliche Aktivität positiv auf Herz und Kreislauf aus, was für Rheumakranke besonders wichtig ist, weil sie ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben.

Bewegung stärkt die Knochen

Und noch eins kommt hinzu: Bewegung beugt einer Osteoporose vor, im Volksmund Knochenschwund genannt – ebenfalls ein Risiko bei rheumatischen Erkrankungen. Geeignet sind Sportarten, die die Gelenke schonen und nicht zu mehr Beschwerden führen. Empfohlen werden Schwimmen und Wassergymnastik, vor allem in lauwarmem Wasser, Radfahren, (Nordic) Walking, Tai-Chi, Yoga und das Training an Geräten. Sportarten hingegen, bei denen starke Erschütterungen, Fehlhaltungen und einseitige Belastungen auftreten, kommen nicht infrage: Tennis, Fußball, Handball, Basketball zum Beispiel scheiden eher aus. In jedem Fall gilt: In Zeiten einer akuten Entzündung sollte das Training ruhen. Speziell für Rheumakranke hat die Deutsche Rheuma-Liga zusammen mit Physiotherapeuten das sogenannte Funktionstraining entwickelt. Die speziellen Übungen dienen dazu, die kranken Gelenke in ihren Funktionen beweglich zu halten. Bewegung ohne Belastung lautet dabei das Prinzip.

Einfach besser essen

Auch eine ausgewogene Kost, die Entzündungsschüben vorbeugt, kann die Behandlung von Rheuma gut ergänzen. Wer seine Ernährung umstellt und damit langfristig sein Gewicht reduziert, entlastet seine Gelenke zusätzlich. Rheumapatienten sollten Lebensmittel mit viel Arachidonsäure vermeiden, denn größere Mengen davon fördern Entzündungen. Arachidonsäure ist in den meisten tierischen Nahrungsmitteln enthalten wie Fleisch, Wurst, Milch, Käse, Sahne und Eiern. Mit maximal zwei kleinen Fleischportionen in der Woche ist die empfohlene Höchstmenge von 350 Milligramm Arachidonsäure pro Woche bereits erreicht.

Entzündungshemmend dagegen wirken zum einen Lebensmittel mit der Fettsäure des Fischöls – also fetter Seefisch wie Hering, Lachs und Makrele. Zum anderen haben Lebensmittel mit Linolsäure einen antientzündlichen Effekt. Linolsäure ist vor allem in pflanzlichen Ölen wie Lein-, Raps-, Weizenkeim-, Soja- und Walnussöl zu finden. Pflanzliche Lebensmittel – also Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Getreide, Kräuter und Gewürze – enthalten keine Arachidonsäure, dafür aber viele antioxidative Substanzen, die ebenfalls Entzündungen eindämmen können.

Rheumatoide Arthritis: Was ist das?

Rheuma ist ein Sammelbegriff für mehr als 100 verschiedene Krankheitsformen. Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Rheumaform. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen, darunter doppelt so viele Frauen wie Männer. Bei der rheumatoiden Arthritis (früher auch chronische Polyarthritis genannt) entzündet sich die Gelenkinnenhaut, vermutlich aufgrund einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Die Erkrankung beginnt meist nach dem 50. Lebensjahr. Zunächst sind oft die Gelenke an Fingern und Zehen betroffen, sie schmerzen und schwellen an. Charakteristisch ist die Morgensteife: Beim Aufwachen sind die Gelenke besonders unbeweglich. Im Laufe von Wochen und Monaten können mehr und mehr Gelenke erkranken. Neben Medikamenten, die Schmerzen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten sollen, besteht die Behandlung je nach Krankheitsstadium und -schwere auch aus nicht medikamentösen Verfahren. Kurse zur Schmerzbewältigung, sozialrechtliche Beratung und Selbsthilfegruppen können weitere Bausteine sein.

Quelle: www.ratgebergesund.de

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