Seufzen – Der Besondere Atemzug

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Ob vor Sehnsucht oder im Stress – es gibt viele Momente, in denen Seufzen der Seele Luft macht. Und nicht nur das: Dieser hörbare Hauch rettet uns sogar das Leben – jeden Tag.

Wir alle tun es – ständig. Alle fünf Minuten und somit zwölf Mal in der Stunde stoßen wir einen tiefen Seufzer aus und merken es noch nicht einmal. Welcher Sinn verbirgt sich hinter dieser unbewussten Lautäußerung? 

Seufzen beginnt im Kopf

Seufzen ist eine Sonderform der Atmung und geht so: zweimal kurz ein- und einmal lange ausatmen. Genauso wie der gleichmäßige Atem ist auch das Seufzen ein automatischer Vorgang, der vom autonomen Nervensystem gesteuert wird. Wir atmen also, ohne dass wir uns daran erinnern müssen. Für das Seufzen gilt das Gleiche, es wird jedoch von ganz bestimmten Neuronen im Gehirn aktiviert. 

Seufzerknöpfchen

Wissenschaftler sprechen von sogenannten »Seufzerknöpfchen«, die von Zeit zu Zeit das stetige Ein und Aus in ein lang gedehntes Schnaufen verwandeln. Sie tun das, damit wir nicht ersticken. Denn wenn wir im Alltag zu flach atmen, bei Stress hyperventilieren oder wenn uns vor Angst die Luft wegbleibt, dann gelangt zu wenig Sauerstoff in die Lunge. Man sagt: Die Lungenbläschen kollabieren. Damit sie sich wieder füllen, greift das Seufz-Zentrum im Hirnstamm beherzt ein und sendet das Signal zum Seufzen. Weil dieser doppelte Atemzug alle fünf Minuten das Überleben sichert, spricht man vom »physiologischen Seufzen«. Dass sich mit dem vergrößerten Lungenvolumen die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit verbessert, ist ein angenehmer Nebeneffekt. 

Seufzen für die Seele

Seufzen ist jedoch viel mehr als Atmen. Dieser hörbare Hauch ist ein Teil unserer Kommunikation, eine nonverbale Botschaft, die auf der ganzen Welt verstanden wird. Viele untermalen ihr Aufatmen mit einem »Ah« oder »Oh«, einem »Puh« oder »Uff«, obwohl Seufzen an sich keine Worte braucht. Es spricht für sich selbst und drückt dabei eine riesige Palette an Emotionen aus. Wenn wir gestresst sind, uns erschöpft fühlen oder Sorgen haben, dann seufzen wir. Aber auch vor Erleichterung, vor Sehnsucht oder vor Glück. In solchen Momenten der ganz großen Gefühle scheint sich unsere Seele Luft machen zu wollen – und schickt einen befreienden und zugleich sinnlichen Seufzer. Dass das Gehirn dieses stoßweise Ein- und lange Ausatmen als Entlastung empfindet, konnten nun norwegische Forscher der Universität Oslo nachweisen. Studien zufolge bestehe nämlich eine enge Verbindung zwischen den Neuronen, die für die Atmung zuständig sind, und der Hirnregion, die Angst und Erregung verarbeitet. So erklärt sich, warum uns vor Schreck der Atem stockt und wir bei Schmerz die Luft anhalten. Ein emotionaler Seufzer ist ein Reflex, um diese Anspannung loszulassen. In bewegenden Augenblicken entscheiden wir uns also unbewusst dazu, eine Art Resetknopf zu drücken, indem wir seufzen. Einfacher und natürlicher kann ein Anti-Stressmittel nicht sein. 

Übrigens seufzen wir auffallend häufig, wenn wir intensiv nachdenken und hoch konzentriert sind. Bei geistigen Tätigkeiten brauchen wir von Zeit zu Zeit einen Neustart. Der besondere Atemzug zwischendurch ordnet die Gedanken und lenkt den Fokus wieder in die richtige Richtung. Er hilft, Pläne zu schmieden und zu guten Überlegungen zu kommen. Seufzen ist wie Durchlüften im Oberstübchen. Gleichzeitig bringt es die nötige Entspannung für Geist und Seele – seufz!                

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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