Vorhofflimmern – Wenn das Herz stolpert oder rast

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Über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben Vorhofflimmern. Unbemerkt und unbehandelt kann das lebensbedrohlich werden, schlimmstenfalls droht ein Schlaganfall. Wie macht es sich bemerkbar – und was ist dann zu tun?

Bei Vorhofflimmern ist das Herz meist völlig aus dem Takt. Der erste Anfall kann mit heftigen Schlägen bis in den Hals hinauf, Druckgefühl im Brustkorb und einer ungewohnten Luftnot bei leichten Tätigkeiten wie Treppensteigen auftreten. Betroffene verspüren eine plötzliche Unruhe, wenn das Herz völlig unregelmäßig und schnell mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute rast. Die chaotische Herzschlagfolge kann aber auch mit einer normalen Herzfrequenz einhergehen (normal sind 60 bis 100 Schläge pro Minute).

Bei ersten Anzeichen reagieren

„Oft sind Herzstolpern und Herzrasen verbunden mit innerer Unruhe, Angst, einer Neigung zu schwitzen, Atemnot und Leistungsschwäche“, erläutert Professor Dietrich Andresen von der Deutschen Herzstiftung und Kardiologe am Ev. Hubertus-Krankenhaus in Berlin. „Allerdings sind bei Herzpatienten, deren angeschlagenes Herz die Rhythmusstörung schlechter verträgt, Atemnot, Brustschmerzen und Schwindel besonders häufig. Bei diesen Symptomen sollte man sofort den Arzt aufzusuchen!“ Er kann mit einem EKG, Langzeit-EKG oder Ereignis-Rekorder klären, ob das Herzstolpern eine harmlose Unregelmäßigkeit des Herzschlags ist oder ob Vorhofflimmern vorliegt.

Schlimmstenfalls droht ein Schlaganfall

Aufgrund des unregelmäßigen Herzschlags können sich im Herzen in einer Ausbuchtung des Vorhofs, dem sogenannten Herzohr, Blutgerinnsel bilden. Werden diese ausgeschwemmt und gelangen mit dem Blutstrom in den Kopf, verstopfen sie ein Hirngefäß, es kommt zum Schlaganfall. Je größer das verstopfte Gefäß, desto schwerer der Schaden. „Der Schlaganfall ist die größte Gefahr, die vom Vorhofflimmern ausgeht. Ein besonders hohes Risiko haben alte und herzkranke Patienten“, warnt Andresen. „Um sie vor Schlaganfall zu schützen, müssen daher konsequent gerinnungshemmende Medikamente bzw. ‚Blutverdünner‘ gegeben werden.“

Tückisch: Unbemerktes Vorhofflimmern

Bei über der Hälfte aller Patienten tritt Vorhofflimmern ohne Symptome oder Beschwerden auf und bleibt so lange Zeit unbemerkt. Nicht selten werden Patienten mit einer Herzschwäche oder einem Schlaganfall stationär aufgenommen und erfahren dann zum ersten Mal, dass Vorhofflimmern dafür verantwortlich ist. „Schlaganfälle, die durch Vorhofflimmern ausgelöst werden, haben einen besonders schwerwiegenden Verlauf“, warnt Andresen. Deshalb sollte jede Möglichkeit genutzt werden, den unregelmäßigen Herzschlag festzustellen, zum Beispiel, indem man wiederholt den eigenen Puls tastet oder die Anzeige am Blutdruckmessgerät beachtet. Die Deutsche Herzstiftung rät: Besonders Herzkranke und Personen ab 60 sollten bei Routinekontrollen beim Arzt den Herzschlag durch Pulsmessung prüfen lassen.

Die Ursachen behandeln

Steht die Diagnose Vorhofflimmern fest, besprechen Kardiologe und Patient die Therapiemöglichkeiten. Bei seltenen Anfällen, die nur ein- bis dreimal im Monat auftreten und nur wenige Sekunden andauern, kann es zunächst sinnvoll sein, nur die Grunderkrankung zu behandeln, die die Rhythmusstörung verursacht hat. Am häufigsten, nämlich bei 70 Prozent der Patienten, ist das Bluthochdruck. Weitere Ursachen können z. B. die koronare Herzkrankheit (KHK), Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Klappenerkrankungen, Übergewicht, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und das Schlafapnoe-Syndrom sein.

Hilfe durch Katheterablation

Wenn bei Patienten trotz der Behandlung mit Rhythmusmedikamenten (Antiarrhythmika) erhebliche Beschwerden wie Atemnot, Herzrasen und Leistungsschwäche fortbestehen, kommen nicht-medikamentöse Verfahren wie die Katheterablation in Frage. Erfahrene Rhythmologen können bei ungefähr 70 Prozent der Patienten mit einem Eingriff anfallsweises Vorhofflimmern beseitigen. „Die Patienten gewinnen erheblich an Lebensqualität. Allerdings sollten nur dafür ausgewiesene Spezialkliniken die Behandlung durchführen“, betont Prof. Dr. med. Gerhard Hindricks vom Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung und Leiter der Abteilung für Rhythmologie am Herzzentrum Leipzig.

Quelle: www.ratgebergesund.de

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