Vorsicht, Heller Hautkrebs

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Den bösartigen Schwarzen Hautkrebs kennen viele vom Hörensagen. Weniger bekannt ist sein heller Verwandter. Er ist stetig auf dem Vormarsch, meist aber gut heilbar.

Anfangs bildet er nur kleine raue Stellen, dann kleine Knötchen, Krüstchen oder rote Flecken, die häufig nicht ernst genommen werden. Mit rund 250.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Heller Hautkrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebsart in Deutschland. „Eine Übersicht aus dem Krebsregister in Schleswig-Holstein zeigt, dass der Helle Hautkrebs besonders im mittleren und höheren Lebensalter gehäuft auftritt“, erklärt Dr. Claas Ulrich, Oberarzt im Hauttumorzentrum der Berliner Charité. Im Geschlechtervergleich liegen die Männer knapp vor den Frauen.

Weiter verbreitet als gedacht

Ärzte gehen von einer hohen Dunkelziffer aus: „Viele Menschen sind Risikopatienten für Hellen Hautkrebs oder sogar schon betroffen und wissen es nicht“, warnt Dr. Ulrich. Die häufigste Form sind mit 80 Prozent aller Fälle die Basalzellkarzinome, die sich sehr langsam entwickeln, aber schließlich in das umliegende Gewebe wuchern können. Der zweithäufigste Typ ist das Plattenepithelkarzinom oder Spinaliom, das häufiger Männer jenseits der 70 trifft. Der anfangs rote, krustige kleine Knoten ist bösartig, bekommt mit der Zeit ein warziges Aussehen und bildet Geschwüre, die nicht heilen wollen. Eine weit verbreitete Art Vorstufe des Hellen Hautkrebs sind Aktinische Keratosen (raue Lichtschwielen), die meist in der zweiten Lebenshälfte auftreten. Sie können sich nach Jahren in ein Plattenepithelkarzinom verwandeln.

Risikofaktor UV-Licht

„Wir sehen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Menge von Sonne, die man abbekommt, und dem Auftreten von Hellem Hautkrebs“, sagt Dr. Ulrich. Jeder Mensch verfügt über ein so genanntes UV-Konto, auf dem von Geburt an UV-Strahlen zu Buche schlagen: Je häufiger und je länger die Sonneneinwirkung war, desto höher ist das Hautkrebsrisiko. Denn das UV-Licht schädigt die Hautzellen wie auch das Immunsystems der Haut. Es kommt zu unkontrollierten Prozessen und somit zu Veränderungen der Beschaffenheit und Farbe der Haut – Heller Hautkrebs entsteht. Normalerweise erholt sich das Immunsystem der Haut leicht. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann dies allerdings zu lange dauern, wodurch das Hautkrebsrisiko steigt.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Das Risiko hängt nicht nur von der Einwirkung der UV-Strahlen ab. Auch überstandene Sonnenbrände, eine genetische Veranlagung, die Stärke des Immunsystems und die Hautbeschaffenheit spielen eine Rolle. Ein erhöhtes Risiko für Hellen Hautkrebs haben Menschen

  • mit Hautkrebs in der eigenen oder Familien-Vorgeschichte;
  • mit heller Haut, weil diese besonders empfindlich ist;
  • im höheren Alter, weil ihr Abwehrsystem dann weniger effektiv arbeitet;
  • die sehr oft und lange Sonnenstrahlen ausgesetzt sind (z.B. Bauern, Bauarbeiter)
  • mit geschwächtem Immunsystem (z. B. durch Immunerkrankungen, Rheuma, Organtransplantationen)

So erhöht sich bei Patienten mit Organtransplantationen das relative Risiko für das Plattenepithelkarzinom um den Faktor 50 bis 60. „Sie sollten mit geeignetem Lichtschutz vorbeugen. Vernünftiges Verhalten und geeignete Schutzmaßnahmen senken das eigene Risiko deutlich“, betont Dr. Ulrich. Speziell für Menschen mit stark erhöhtem Hautkrebsrisiko gibt es medizinische UV-Schutzlotionen in der Apotheke.

Meist gut zu behandeln

Im Gegensatz zum Schwarzen Hautkrebs bildet der Helle Hautkrebs nur in seltenen Fällen Tochtergeschwüre und wächst langsam. Es besteht kein Grund zur Panik. Allerdings sollte der Tumor rasch entfernt werden, um Komplikationen zu vermeiden. An erster Stelle steht immer die chirurgische Entfernung, dies geschieht ambulant unter örtlicher Betäubung. Sie hat den Vorteil, dass der kleine Tumor nachträglich noch genauer untersucht werden kann. Die nicht-chirurgischen Alternativen wie Kälte- oder Strahlentherapie kommen nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei alten, gesundheitlich angegriffenen Patienten oder schwer operierbaren Tumoren in Betracht.

Beim oberflächlichen Hauttumor (Basaliom), der sich häufig am Rumpf zeigt, wurden neue Therapieverfahren erprobt, zum Beispiel mit einer über das Immunsystem wirkenden Creme, auch eine örtliche Chemotherapie ist möglich. Durch UV-Licht verursachte Krebsvorstufen (Aktinische Keratosen) und oberflächliche Hauttumore können auch mit der photodynamischen Therapie behandelt werden. Dabei werden die Tumore mit speziellen Wirkstoffen in Form von Creme, Gel oder Pflaster vorbehandelt und anschließend mit einer speziellen Lichtquelle bestrahlt. Allerdings bezahlen die Krankenkassen die PDT nicht.

So können Sie vorbeugen

Dr. Ulrich empfiehlt monatliche Selbstuntersuchungen: „Dabei sollte man auf raue, krustige oder auch perlenartig-knotig wachsende Hautveränderungen achten.“ Rund 80 Prozent der häufigsten Form des Hellen Hautkrebses, der Basalzellkarzinome, kommen am Kopf oder Hals vor – auf den so genannten Sonnenterrassen. Diese Stellen gilt es besonders im Auge zu behalten. „Weiterhin sollten insbesondere Menschen mit erhöhtem Risiko einmal im Jahr zu einem professionellen Hautkrebs-Check beim Arzt gehen“, rät der Experte. Alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren können ihre Haut alle zwei Jahre kostenlos untersuchen lassen.

Lichtschutz-ABC

Ausweichen: Meiden Sie die Sonne zwischen 11 und 15 Uhr.

Bedecken: Sonnenbrille und die 3-H: Hemd, Hose (lang), Hut

Cremen: Sonnencreme mit starkem UVA/UVB-Filter eine halbe Stunde, bevor man das Haus verlässt, sorgfältig und ausreichend dick auftragen.

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