Wenn Rheuma aufs Ohr schlägt

Allgemein HNO-Arzt
mailenmailen druckendruckenvorlesen vorlesen

Schäden am Innenohr, Schwerhörigkeit und plötzlicher Hörverlust gehören zu den denkbaren Folgen
entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Wissenschaftler erforschen die Zusammenhänge. 

Es gibt mehrere Hundert verschiedene rheumatische Erkrankungen. Einige davon können unseren Ohren zusetzen. So etwa der systemische Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte). Die entzündlich-rheumatische Autoimmunkrankheit attackiert verschiedene Organe – darunter das Innenohr.

Übeltäter: Antikörper

„Wissenschaftler haben Antikörper und Immunkomplexe im Innenohr nachgewiesen, die Durchblutungsstörungen verursachen oder die Sinneszellen direkt schädigen“, erklärt Professor Hendrik Schulze-Koops, leitender Rheumatologe am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). In schweren Fällen komme es zu einer plötzlichen Schwerhörigkeit auf einem Ohr. Auch die seltene entzündlich-rheumatische Granulomatose mit Polyangiitis, bei der überall im Körper Gefäßentzündungen auftreten, kann auf die Ohren gehen. „Hörstörungen sind bei dieser Erkrankung sehr häufig“, so Schulze-Koops.

Entzündung mit Folgen 

Weniger gut erforscht ist bisher, ob klassisches Gelenkrheuma, im Fachjargon rheumatoide Arthritis (RA) genannt, das Gehör angreift. „Viele Studien deuten jedoch darauf hin, dass Menschen mit RA häufiger als andere unter Hörstörungen leiden“, berichtet der Rheumatologe. „Man kann davon ausgehen, dass die Entzündung bei der RA das Nervensystem schädigt – und dies auch das Hören beeinträchtigt.“ Allen  Rheumakranken rät Professor Schulze-Koops, ihre Ohren regelmäßig checken zu lassen. „Eine Verschlechterung der Hörleistung kann darauf hinweisen, dass die Behandlung der Erkrankung nicht optimal ist und die Dosis der Medikamente überprüft werden muss“, sagt der Experte.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

Bildnachweis: ©Prostock-studio – stock.adobe.com