Achtsamkeit: Schluss mit der Selbstoptimierung
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Schlanker, schöner, fitter, leistungsfähiger … Besser werden zu wollen, ist an sich ein guter Zug. Doch die Selbstoptimierung hat ihre Grenzen – und sie kann sogar gefährlich werden. Wir erklären warum und stellen bessere Alternativen vor.
Dass wir uns von Zeit zu Zeit verändern und verbessern möchten, ist an sich ein guter Gedanke. Noch dazu ist Selbstoptimierung im Trend und (fast) jeder von uns feilt gerne an seiner Performance – an der privaten oder beruflichen, oft auch an beiden. Angeheizt wird der Hype unter anderem von Influencern, die zeigen wollen, wie wir »ganz easy« schöner, fitter, gesünder und erfolgreicher werden. Inzwischen warnen Psychologen vor diesem Selbstoptimierungswahn, denn die Grenze zum Perfektionismus ist schnell überschritten. Und der schadet uns mehr, als er nutzt.
Leistungsdruck und Verunsicherung
Britische Psychologen haben festgestellt: Seit 1989 steigt der Drang zur Optimierung bei jungen Menschen stetig an. Verantwortlich sind zunehmender Leistungsdruck und Konkurrenzdenken. Hinzu kommen allgemeine Verunsicherung und oftmals auch unrealistische Erwartungen. Überbehütende Helikopter-Eltern spielen ebenfalls eine Rolle. Die gut gemeinte Absicht, Kinder vor sämtlichen Einflüssen von außen schützen zu wollen und die Kleinen stets zum Besten zu fördern, lässt kaum Raum, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Die Folgen: Viele, vor allem junge Menschen, sind nie mit sich selbst zufrieden.
Wenn die Challenge zwanghaft wird
Selbstoptimierung ist eine Endlos-Challenge und womöglich schnappt früher oder später die Perfektionismus-Falle zu. Dann ist der Punkt erreicht, an dem wir nicht weiterkommen und merken: »Ich schaff das nicht!« Sich kurz mal den Traumbody eines vermeintlichen Vorbildes anzutrainieren, nur noch »clean« zu essen oder im Job die Top-Karriere hinzulegen, ist tatsächlich unrealistisch. Oft stellt sich ein Gefühl von Versagen und Unzulänglichkeit ein, das in Frustration oder gar eine Depression münden kann. Manche machen verbissen weiter, riskieren dabei einen Burn-out oder Zwangsstörungen. Daher folgen wir doch lieber dem Gegentrend: mehr Selfcare und weg von der Selbstoptimierung! Hier unsere Tipps:
Mut zur Lücke!
Cool bleiben, wenn du nicht alles von der To-do-Liste geschafft hast! Hinterfrage nicht dich selbst, sondern deine Aufgaben. Müssen tatsächlich alle E-Mails beantwortet, das Fitnessziel täglich erreicht oder die Wohnung gesaugt sein?
Mehr Achtsamkeit
Feiere die kleinen Momente deines Tages – die Tasse Tee am Nachmittag, das herrliche Abendrot am Himmel oder einfach nur den Duft des Duschgels. Diese Beiträge zur Selbstfürsorge wirken dem Optimierungsstress entgegen.
Glücks-Tagebuch
Notiere abends, was dich heute froh und glücklich gemacht hat – die spontane Kurznachricht einer Freundin, der Spaziergang im Park, die Schneeflocken am Fenster … Das steigert dein persönliches Wohlbefinden und schützt vor dem Streben nach ständiger Verbesserung.
Nobody is perfect!
Lasse dich nicht von mega-erfolgreichen Vorbildern und deren Zielen blenden. So manches ist Fake und viele Influencer schummeln sich ihr Six-Pack oder den makellosen Teint mit geschönten Fotos und Videos zurecht.
Weniger Kontrolle
Vermeide ständiges Selftracking mit Fitness-Apps, Kalorien-Checkern, Schrittzählern oder Pulsmessern. Damit kommst du deinem Ziel nämlich nicht unbedingt näher. Im Gegenteil: Leistungsdruck und Kontrollzwang erhöhen die Gefahr ständiger Enttäuschung und vermitteln das Gefühl, nie gut genug zu sein.
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern – leserservice.sud-verlag.de
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