Déjà-vu – Alles so vertraut

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»Und täglich grüßt das Murmeltier« – dieser Kultfilm treibt auf die Spitze, was viele von uns tatsächlich hin und wieder erleben: ein Déjà-vu. Wie kommt es dazu und welche Bedeutung hat es für uns?

Das Wort Déjà-vu kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt so viel wie »schon mal gesehen«. Eine Wahrnehmung – sei es ein Duft, ein Gesprächsfetzen oder ein Ort – kommt uns seltsam bekannt vor, als hätten wir genau diese Situation schon einmal erlebt. Unheimlich erscheint das – jedenfalls für einen kurzen Moment. Meist ist der Spuk so schnell vorbei, wie er gekommen ist. Ein Déjà-vu ist nämlich ein flüchtiges Phänomen, bei dem uns das Gehirn einen Streich spielt. Aber wofür ist das gut? Wissenschaftler sind den Ursachen noch nicht zu 100 Prozent auf die Spur gekommen. Ihre Erklärungsansätze gehen teilweise weit auseinander.

Erinnerung – wahr oder falsch? 

Manche Hirnforscher halten das Déjà-vu für eine Art Fehlschaltung im Oberstübchen, vergleichbar mit einer optischen Täuschung. Sinneseindrücke, die wir heute wahrnehmen, ordnet das Gehirn fälschlicherweise einer alten Erinnerung zu und gaukelt uns so ein irriges Gefühl von Vertrautheit vor. Wir glauben, einen Hauch Vergangenheit mitten in der Gegenwart zu spüren. Was mystisch klingt, kann noch einen anderen simplen Hintergrund haben: Wir können nicht alle Ereignisse unseres Lebens durchgehend präsent haben. Daher ist durchaus möglich, dass ein aktuelles Erlebnis einen verborgenen »Schatz« tief in unserem Gedächtnisspeicher anstößt und Bilder von früher wachrüttelt, an die wir jahrzehntelang keine Gedanken verschwendet haben. Eine dritte Hypothese sagt, bei einem Déjà-vu handele es sich um einen Schutzmechanismus, der aktiv wird, wenn wir uns in einer schwierigen Lebensphase befinden. Im Fall einer Trennung oder eines Abschieds von einem geliebten Menschen können alte Gefühle hochkommen, die aus einer Zeit stammen, in der wir etwas Ähnliches durchgemacht haben wie jetzt. Ein derartiges selbst kreiertes Déja-vu kann dazu dienen, uns die Situation zu erleichtern, weil wir spüren: Wir werden damit klarkommen. Schließlich haben wir es schon einmal geschafft.

Täuschend echt

Untersuchungen haben gezeigt, dass Déjà-vus keine Seltenheit sind. Angeblich macht jeder Zweite mindestens einmal im Leben diese Erfahrung, die sich täuschend echt anfühlt. Wer ab und zu mal ein Déjà-vu hat, braucht sich in der Regel keine Sorgen um sein Wohl zu machen. Ein neurologisches Problem steckt unter Umständen erst dahinter, wenn solche Erinnerungstäuschungen gehäuft vorkommen. Menschen mit Epilepsie zum Beispiel berichten oft über Déjà-vus als Vorboten eines epileptischen Anfalls. Auslöser ist eine Störung im Gehirn, bei der interessanterweise jene Hirnregion betroffen ist, die für das Wiedererkennen zuständig ist: der Hippocampus im limbischen System. Er speichert Informationen und ruft gleichzeitig das Gefühl der Vertrautheit auf.

Ausgelöst durch Stress oder durch Demenz?

Das Gegenteil von Déjà-vu heißt übrigens »Jamais-vu« und bedeutet »noch nie gesehen«. Es beschreibt die Unfähigkeit, sich zu erinnern, obwohl es sich um eine alltägliche Angelegenheit handelt. Auslöser können Stress, Schlafmangel oder auch Drogen sein. Tauchen derartige Gedächtnislücken vermehrt und ohne naheliegende Erklärung auf, könnte eine Demenz in einem frühen Stadium dahinterstecken – muss aber nicht. Um eine Erkrankung auszuschließen, sollte ein Arzt weitere Tests durchführen. Sollten häufige Jamais-vus – oder auch Déjà-vus – Angst machen, liegt das Problem vermutlich ganz woanders – etwa in der Seele. Ein Therapeut kann weiterhelfen. 

Dé jà-vu – und dann?

Um mit einem Déjà-vu gut umzugehen, können Sie Folgendes tun:

  • Machen Sie sich klar, dass ein Déjà-vu eine Sinnestäuschung ist. Sie entspricht nicht der Realität.
  • Kramen Sie in Ihrem Gedächtnis. Ist eine frühe Erinnerung aufgeflammt, die eine plausible Erklärung für das Gefühl der Vertrautheit sein könnte?
  • Wenn Sie sich keinen Reim darauf machen können, haken Sie die Sache ab. Sie haben eine interessante Wahrnehmung gehabt – eine Art Gimmick Ihres Gehirns.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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