Handschuhe und warmer Tee sind auf einer Holzterrasse.

Frieren – ganz schön frostig

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Wenn wir im Winter vor die Tür gehen und uns ein eisiger Wind um die Nase weht, spüren wir sofort, wie der Körper reagiert: Wir ziehen die Schultern bis zu den Ohren, fangen von Kopf bis Fuß an zu zittern und klappern mit den Zähnen. Dies sind die äußeren Zeichen, dass wir frieren. Im Inneren ist jedoch noch viel mehr los. 

Denn bei eisiger Kälte ist der ganze Körper in Aufruhr. Er schaltet um in eine Art Schutzprogramm. Die Blutgefäße ­verengen sich, um die Kerntemperatur von etwa 37 Grad zu halten. Von einer Unterkühlung sprechen wir übrigens schon bei einem Absinken auf 35 Grad. Dies versucht der Organismus mit aller Kraft zu verhindern, indem er die Muskeln unkontrolliert zucken lässt. Dass wir also zittern wie Espenlaub, hat den Sinn, dass möglichst viel Wärme produziert werden soll. Noch dazu ziehen sich direkt unter der Körperoberfläche die winzigen Muskeln rings um die Haar­follikel zusammen. Dadurch richten sich die feinen Härchen auf, damit ein isolierendes Luftpolster entsteht. Mit anderen Worten: Wir bekommen eine Gänsehaut.

Apropos Haut. In ihren Schichten liegen 30.000 Kälterezeptoren, also spezialisierte Nervenenden, die dem Gehirn melden: »Alarm! Es ist kalt. Unternimm was!« Es zündet daraufhin ein Feuerwerk an Botenstoffen ab. Adrenalin und Cortisol erhöhen den Blutdruck, beschleunigen den Puls und machen uns kurzfristig hellwach. Sehr sinnvoll, denn durch die – kältebedingt – verengten Blutgefäße kommt weniger Sauerstoff im Oberstübchen an. Mit seinem Hormoncocktail steuert es dagegen. Dieses Gerangel kostet uns sehr viel Energie. Das ist der Grund, warum uns Kälte mit der Zeit müde macht, die Konzentration raubt und auf die gute Stimmung drückt. Doch auch dafür hat das Gehirn eine Lösung. Es schüttet Ghrelin und Leptin aus. Dies sind Hungerhormone, die den Appetit fördern. Wenn Sie also im Winter plötzlich unbändige Lust auf Pasta haben, dann wissen Sie jetzt, warum: Es liegt am Frieren. 

Mehr zu essen, reicht allein aber nicht aus, um die Winterkälte besser zu verkraften. Entscheidend ist, was auf den Teller kommt. Deftiges, scharf mit Chili und Ingwer gewürzt, heizt von innen ein. Grundsätzlich ist warm anziehen natürlich ein Muss – und dazu gibt’s einen Trick: den Zwiebellook. Ziehen Sie mehrere dünnere Lagen übereinander an, statt nur einen dicken Wollpullover. So bilden sich Luftkammern, die die Körperwärme einschließen.

Wie ein molliger Mantel wirkt auch eine Wärme­creme aus Ihrer Apotheke. Inhaltsstoffe wie Moorerde oder Latschenkiefer regen die Durchblutung an. Obendrein speichern sie Wärme, die dann in die tieferen Gewebeschichten eindringen kann. Gewöhnen Sie sich außerdem Wechselduschen an. Erst warmes, dann kaltes Wasser – so trainieren Sie Ihre Blutgefäße, damit sie sich an die kühleren Temperaturen da draußen besser anpassen können. Diese sogenannten Kneippschen Güsse mobilisieren Ihr Immunsystem und machen gute Laune. So kommen Sie gesund und glücklich durch die kalte Jahreszeit – dank wärmender Wonne.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern – leserservice.sud-verlag.de

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