Eine Gruppe Senioren spielt Brettspiele.

Gedächtnistraining

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»Bingo!« ruft Sabine M.* und hält trium­phierend ihren Spielschein in die Höhe. Sie hat die passende Zahlenreihe. Jeden Donnerstagnachmittag trifft sich die 74-Jährige zu einer illus­tren Spielerunde mit drei Freundinnen im glei­chen Alter. Gegen Abend gibt’s ein paar Snacks und bei einem Gläschen Wein sitzen die vier Damen noch eine Weile gemütlich beisammen. Den Spiele­treff pla­nen sie alle stets fest ein – ein echtes Highlight der Woche, besonders jetzt in der dunklen, oft so öden Jahreszeit.  

Bingo ist absolut angesagt und längst aus den schummerigen Spielhallen in die gute Stube gezogen. Überhaupt liegen Gesellschaftsspiele im Trend, besonders bei älteren Menschen! Ob beim Kartenspielen, Würfeln, Halma oder eben Bingo, die Zeit vergeht wie im Flug. Das ge­meinsame Erlebnis bringt Spaß, Span­nung und gute Laune. So werden – nicht nur beim Gewinnen – jede Menge Wohl­fühlhormone gebildet und das Allge­mein­befinden verbessert sich. Beim Spiel entstehen neue Kontakte und alte werden gefestigt. Zudem geben regelmäßige Termine dem Alltag sowohl Sinn als auch Struktur. Ein prima Rezept gegen Einsamkeit und Depressionen im Alter! 

Auch die grauen Zellen freuen sich über spielerische Anregungen. Zahlreiche Stu­dien zeigen, dass Lang- und Kurzzeitge­dächtnis trainiert und die Konzentration gefördert werden. Eine Art mentale Gym­­nastik, bei der sich die Nervenzellen im Gehirn immer wieder neu vernet­zen. Dafür müssen es nicht unbedingt hochgradig anspruchsvolle Spiele wie Schach und Bridge sein. Als Fitmacher fürs Gehirn eignen sich grundsätzlich alle Spiele, die strategisches Denken, Ge­dächtnis und Aufmerksamkeit erfordern. Rommé, Rummi­kub, Scrabble, Canasta, Halma, Kniffel, Backgammon, Memory … Sie haben freie Wahl! Sogar Puzzle ha­ben’s in sich: Sie bauen Stress ab und schulen räumliches Denken. Letzteres gilt auch für Videospiele.

Neben den Klassikern stehen Video­spiele bei der Silver-Generation hoch im Kurs. Auch sie bieten neben dem Spaß­faktor reichlich Zusatznutzen. Lang­zeit­studien haben ergeben, dass Spiele von Tetris über Super Mario die graue Sub­stanz im Gehirn messbar vergrößern und die Aufmerk­sam­keit verbes­sern. Neu­ro­wissenschaft­ler der Psychia­trischen Uni­versitätsklinik der Charité Berlin konnten dies anhand von MRT-Untersuchungen nachweisen. Auch für Koordination und Reaktionsgeschwin­digkeit ist das Gaming ein super Training, insbe­sondere E-Sport-Spiele wie Tennis oder Tischten­nis. So bleiben Sie motorisch so­­wie tech­nisch fit und können sich selbst im Alter virtuell in Gruppen vernetzen.

Doch was tun, wenn die Sehkraft nachlässt oder es an der Feinmotorik hapert? Im Fachhandel und Internet gibt‘s Spiele mit großformatigen Karten, Maxi-Bingo-­Scheinen, griffigen Würfeln, Spielfiguren und Puzzleteilen. Auch Spielkonsolen und Zubehör sind mittlerweile senioren­gerecht gestaltet. Ihnen fehlen Mitspieler? Schauen Sie mal im örtlichen Senio­rentreff vorbei! Dort werden Spielenach­mittage veranstaltet, mancherorts auch mit Bingo und/oder Video-Games. Oder fragen Sie im Freundes- und Familienkreis. Oft erweisen sich Enkel als be­geisterte Mitspieler bei Canasta und Co. oder an der Spielkonsole. So können Alt und Jung auch noch etwas voneinan­der lernen.

*Name von der Redaktion geändert

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern – leserservice.sud-verlag.de

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