Gendermedizin: Frauenherzen ticken anders
drucken
vorlesen
Ein Herzinfarkt ist eine reine Männerkrankheit? Was für ein Trugschluss. Auch Frauen können betroffen sein. Das Tückische daran ist: Die Symptome zeigen sich oft ganz anders. Und es gibt noch mehr Geschlechterunterschiede …
Ein starker, stechender Schmerz in der Brust – so stellen wir uns ein klares Anzeichen für einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt) vor. Auf Männer trifft dieses Bild in den meisten Fällen zu. Bei Frauen sieht die Sache ganz anders aus – was häufig dazu führt, dass dieser medizinische Notfall nicht oder zu spät erkannt wird – sowohl von den Patientinnen selbst als auch von Ärzten.
Langes Warten
300.000 Menschen erleiden hierzulande jährlich einen Herzinfarkt. Zwar sind Männer statistisch gesehen häufiger betroffen als Frauen, doch sie haben deutlich bessere Chancen auf Genesung. Das liegt zum einen an der verzögerten Behandlung. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung und der Technischen Universität München vergehen bei Frauen mit Symptomen eines Herzinfarktes 4,5 Stunden, ehe sie in die Notaufnahme kommen. Männer hingegen werden im Schnitt eine Stunde früher medizinisch versorgt.
Andere Symptome
Denn wer denkt bei Rücken- oder Bauchschmerzen schon an einen Herzinfarkt? Bei Frauen äußert sich akute Verschluss zum Herzen nun mal nicht durch den klassischen Stich in der Brust, der bis in den linken Arm ausstrahlt. Andere Symptome stehen im Vordergrund: plötzliches Ziehen zwischen den Schulterblättern, Schwindel, Übelkeit oder auch eine unerklärliche Schwäche bis zu extremer Erschöpfung. Viele Frauen gehen zunächst von einer harmlosen Magenverstimmung oder einem Knacks im Kreuz aus. Hinzukommt, dass sie – vor allem im höheren Alter – allein leben und niemand da ist, der den Rettungsdienst ruft. Noch ein Knackpunkt: Sie möchten niemandem zur Last fallen und auf keinen Fall wegen einer solchen »Lappalie« für Aufsehen sorgen. Doch Experten raten: Treten Beschwerden in einem bisher nicht gekannten Ausmaß auf, lieber einmal mehr den Notruf wählen als zu wenig.
Risiko Wechseljahre
Frauen sind bei einem Herzinfarkt älter als Männer. Ab 65, also jenseits der Wechseljahre, hat ein bedeutender Schutz nachgelassen: Östrogen. Das weibliche Hormon reguliert nun mal nicht bloß den Zyklus, es beeinflusst auch eine Vielzahl an Stoffwechselprozessen, reguliert die Blutgerinnung, wirkt erweiternd auf die Blutgefäße. Lange Jahre bewahrt es vor Arterienverschlüssen durch Fett und Kalk. Östrogen puffert vor der Menopause sozusagen das Herz vor solchen Schäden ab. Danach lässt diese körpereigene »Versicherung« nach. Das Risiko für einen Herzinfarkt steigt bei Frauen mit dem Alter also deutlich.
Herzgesundes Leben
Daher sollten Frauen – am besten ab 50 mit Eintritt in die Wechseljahre – entsprechend vorsorgen: regelmäßig den Blutdruck kontrollieren und beim Gesundheits-Check die Cholesterinwerte prüfen lassen. Außerdem füllt ein gesunder Alltag das Frauenherz mit Leben: Ausdauersport fördert die Durchblutung und trainiert die Arterien, vegetarische Ernährung mit bunter Pflanzenvielfalt gilt als herzgesunde Kost. Salz, Alkohol und Tabak hingegen sind »Gift« fürs Herz. Um den Lebensmotor zu stärken, können Sie auf die Kraft der Natur setzen: Weißdorn-Präparate aus Ihrer Apotheke unterstützen die Pumpkraft und halten die Blutgefäße elastisch. Vor der Einnahme fragen Sie Ihren Arzt.
Apropos Arzt: Scheuen Sie sich nicht, gezielt »versteckte« Frauenherzprobleme anzusprechen. Die Kardiologie ist auf den Mann fokussiert. Viele Studien wurden an männlichen Patienten durchgeführt, die auf weibliche nicht zutreffen. Die Gendermedizin ist dabei nachzubessern, aber erst auf dem Weg …
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern – leserservice.sud-verlag.de
Bildnachweis: ©Kaluya Stock – stock.adobe.com