Magen-Darm-Mythen

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Cola und Salzstangen helfen bei Durchfall, Schnaps fördert die ­Verdauung – um unsere Körpermitte ranken sich viele Gerüchte. Wir haben sie unter die Lupe genommen.  

Mythos 1: Milch lindert Sodbrennen.

Jein. Zwar spült die Flüssigkeit die Speiseröhre frei von der aggressiven Magensäure. Mit einem Glas Wasser erzielen Sie jedoch den gleichen Effekt. Dass die selbst leicht saure Milch Magensäure neutralisiert, ist hin­­gegen ein Ammenmärchen. Bei Sodbrennen hilft sie also nicht nur nicht, im Gegenteil: Wie eine Studie der Universität von Texas (USA) vermuten lässt, kann Milch die Entstehung von Sodbrennen gar begünstigen. Was im Akutfall wirklich hilft, sind Antazida. Diese Arzneimittel neutralisieren überschüssige Magensäure. Auch Heilpflanzen wie Kamille, Süßholzwurzel, Eibischwurzel und Mädesüß können in Form von Arzneitees und Tropfen das Feuer hinterm Brustbein löschen.

Mythos 2: Cola und Salzstangen helfen bei Durchfall.

Falsch! Nur auf den ersten Blick gleichen die vermeintlichen Helfer Flüssigkeits- und Elektrolytverluste aus. Denn durch den überreichlich enthaltenen Zucker, kombiniert mit dem hohen Koffeingehalt, kann sich die Diarrhö sogar verschlimmern. Salzstangen enthalten zwar viel Natrium, was wir benötigen, punkten aber nicht mit weiteren wichtigen Nährstoffen wie Kalium. Besser: Bananen. Sie enthalten den Stuhl andickende Pektine und wirken mit Kalium und Magnesium entkrampfend. 

Mythos 3: Antibiotika können der Darmflora schaden.

Das stimmt. Denn Penicillin und Co. töten Bakterien zuverlässig ab – leider nicht nur die »bösen«. So machen die Arzneimittel auch guten Darmbakterien zu schaffen und bringen das Mikrobiom nicht selten aus der Balance. Wer sein Mikrobiom wieder aufbauen möchte, kann mit Lebensmitteln wie Sauerkraut und Kefir, aber auch mit Arzneihefe aus der Apotheke die mikrobielle Vielfalt im Darm fördern.

Mythos 4: Schnaps fördert die Verdauung.

Im Gegenteil! Der enthaltene Alkohol wirkt vielmehr kontraproduktiv und verlangsamt den Transport des Speisebreis nachweislich. Wer Völlegefühl, Blähungen und andere Verdauungsbeschwerden, insbesondere nach üppigem Essen, vermeiden möchte, sollte auf den »Klaren« oder Kräuterbitter verzichten. Stattdessen setzen Sie besser auf Heilpflanzenkraft, etwa als Verdauungstropfen aus der Apotheke. Auch gut: Fette Speisen gleich mit Bitterstoffen servieren, zum Beispiel einen Endivien-, Chicorée- oder Rucolasalat als Beilage oder Gemüse wie Mangold, Spinat oder Rosenkohl. 

Mythos 5: Nach dem Essen sollst du ruh’n oder tausend Schritte tun.

Zum Teil richtig. Während Ersteres nicht empfehlenswert ist – im Liegen kann es nach der Mahlzeit vermehrt zu Sodbrennen kommen –, gilt Letzteres als absolut sinnvoll. Denn Bewegung fördert gleichzeitig die Aktivität in unserer Mitte und kurbelt so den Verdauungsprozess an. Auch bei Obstipation, wie Mediziner Verstopfung nennen, ist sportliche Betätigung aus diesem Grund als sanfte Gegenmaßnahme hilfreich. Ebenfalls wichtig, wenn es im Darm »rien ne va plus« heißt: viel Wasser trinken! 

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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