Naturgarten im Herbst

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Laub ist keine Last, sondern eine ­natürliche Isolierung für Beete und wertvoller Rückzugsort für Tiere. Auf Wiesen muss der Rechen ran. Doch unter Sträuchern, zwischen Hecken oder auf Gemüsebeeten wirkt eine rund zehn Zentimeter dicke Laubschicht wie eine wärmende Decke. Tipp: Das Laub leicht anfeuchten und mit Zweigen oder Kompost beschwe­ren – so bleibt es an Ort und Stelle und schützt Bodenorganismen sowie Pflanzenwurzeln vor Frost.

Ein lockerer Haufen aus Laub, Reisig und Schnittgut in einer ­ruhigen Gartenecke ist ein echtes Naturhotel: Igel, Erdkröten, Spitzmäuse und sogar überwinternde Schmetterlinge finden hier ein sicheres Zuhause. Schichten Sie alles locker auf und beschweren Sie den Haufen mit ein paar Ästen. Ein praktischer Nebeneffekt: Im nächsten Frühling verwandelt sich das Ganze dann ganz nebenbei in wertvollen Kompost für Ihre Beete.

Verblühtes ist kein Makel – im Gegenteil! Samenstände und trockene Stängel setzen nicht nur reizvolle Winterakzente, sondern sind auch ökologisch wertvoll. Winterschönheiten wie Wilde Karde, Nachtkerze oder Sonnenhut liefern Vogelfutter bis in den Spätwinter. Die filigranen Silhouetten von vertrockneten Stängeln wie Engelwurz und Gräsern sind wunderschön anzusehen und wichtige Überwinterungsplätze für Insektenlarven. Gehölze, die ihren Fruchtschmuck bei Frost zeigen, sind nicht nur nahrhaft, sondern auch überlebenswichtiger Rückzugsort für Gartenschläfer und Vögel. Der Rückschnitt kann bis ins Frühjahr warten.

Boden umgraben? Nicht nötig. Bedecken Sie freie Flächen stattdessen mit Laub, Rasenschnitt, Bei­kräu­tern oder Pappe in Kombination mit etwas Kompost. Das schützt den Boden vor Erosion, fördert das Bodenleben und unterdrückt Beikräuter. Eine Mulchschicht von rund zehn Zentimetern wirkt dabei besonders effektiv – und spart Arbeit im kommenden Frühjahr.

Kompost ist Gold für Ihren Garten. Als kostenloser, nachhaltiger Dünger stärkt er das Bodenleben, hilft Pflanzen bei der Anpassung an ­Klimaextreme und verhindert die Ausbreitung von Krankheiten. Achten Sie auf das richtige Verhältnis: Feuchtes Grünmaterial, wie Gemüseabfälle oder Schnittgrün, braucht trockenes Strukturmaterial, etwa Laub oder zerkleinertes Astwerk als Ausgleich – so wird daraus wieder gesunder Humus.

Ein Totholzhaufen wird rasch zur lebendigen Begegnungsstätte: Insekten, Blindschleichen, Spechte, Eichhörnchen oder Erdkröten freuen sich über ein Plätzchen in Ihrem Garten. Wer es geordneter mag, kann aus Ästen eine Benjeshecke anlegen oder ein vertikales „Totholzregal“ errichten: Drei Holzstangen im Boden genügen, um dazwischen Äste und Zweige zu stapeln. Fertig ist das Insekten-Ressort.

Schon jetzt an den Frühling denken: Einige Wildbienenarten – wie die Ge­hörnte Mauerbiene oder die Früh­lings-Pelzbiene – schlüpfen besonders früh im Jahr, wenn das Nahrungsangebot noch knapp ist. Früh­blüher wie Krokusse, Schneeglöckchen oder Winterlinge, die Sie jetzt setzen, sind für unsere kleinen, pelzigen Freunde überlebens­wichtig.

Ihr Garten muss im Herbst nicht „aufgeräumt“ wirken – im Gegenteil. Wenn Sie bewusst etwas liegen lassen, schaffen Sie ein ökologisches Refugium, das Wildtieren über den Winter hilft und Ihren Garten im Frühling umso lebendiger und gesünder starten lässt. Und die Zeit, die Sie bei der Gartenarbeit sparen, lässt sich wunderbar für andere schöne Dinge nutzen.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern – leserservice.sud-verlag.de

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