Parkinson – So bleiben Sie im Takt

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Beweglichkeit ist für Menschen mit Parkinson eine Herausforderung. Damit das Laufen leichterfällt, gibt es hilfreiche Strategien.

Michael J. Fox ist ein sehr bekanntes Beispiel aus den USA. In Deutschland leiden aktuell rund 400.000 Menschen ab etwa 60 Jahren an der gleichen Erkrankung wie er: Parkinson, früher sagte man Schüttellähmung, betrifft das gesamte Nervensystem. Die Ursache ist ein Mangel an Dopamin. Wenn dieser Botenstoff, der für den inneren Antrieb verantwortlich ist, so eklatant im Gehirn fehlt, kommt es zu den typischen Symptomen.

Gehen im Gleichgewicht

Zittern, Steifigkeit der Muskulatur und verlangsamte Bewegungen sind charakteristisch. Zu den häufigsten motorischen Auffälligkeiten zählen auch die Gangstörungen. 93 Prozent aller Parkinson-Patienten taumeln oder trippeln, schlurfen oder stolpern. Starthemmungen beim Loslaufen und Treten auf der Stelle sind ebenso hinderlich wie »Festkleben am Fußboden«, auch »Freezing« genannt. Bei derartigen Gangblockaden, unter anderem bedingt durch Gleichgewichtsstörungen, sind Unfälle vorprogrammiert

Vor Stürzen schützen

Tatsächlich haben Menschen mit Parkinson ein doppelt so hohes Sturzrisiko wie ihre gesunden Altersgenossen. Viele, die diese Erfahrung bereits gemacht haben, geraten in eine Art Teufelskreis: Die Angst, erneut zu fallen, führt oft zum Vermeidungsverhalten. Weniger Bewegung bedeutet auf lange Sicht aber meist das Gegenteil von dem, was die Betroffenen erreichen möchten. Die körperliche Leistungsfähigkeit lässt nämlich noch mehr nach, das Reaktionsvermögen sinkt und die Gefahr zu stürzen ist höher denn je. Der soziale Rückzug ist eine Begleiterscheinung dieser Inaktivität, die für den Krankheitsverlauf nicht förderlich ist, weil die Lebensqualität enorm leiden kann. Umso wichtiger ist, dass Parkinson-Patienten trotz ihrer Einschränkungen mobil bleiben. Aber wie?

Techniken und Taktgeber

Inzwischen weiß man, dass Medikamente allein kaum genügen, um die Gangstörungen in den Griff zu bekommen. Vielmehr haben übende Behandlungsmethoden an Bedeutung gewonnen. Physiotherapie bildet die Basis und wird ergänzt durch Gleichgewichtstraining und Maßnahmen zur Sturzprävention. Um noch mehr Sicherheit im Alltag zu bekommen, haben Forscher der niederländischen Universität Nijmegen den Fokus auf ganz bestimmte Lerntechniken gelegt, die sie im Rahmen einer Studie mehr als 4.000 Parkinson-Patienten nun an die Hand gaben. Sieben verschiedene Kategorien für leichteres Laufen hat die Studienautorin Anouk Tosserams formuliert und dabei bedacht: »Es gibt keine Einheitslösung. Unterschiedliche Kontexte erfordern unterschiedliche Strategien – und manche Personen sprechen besser auf eine Strategie an als andere.« Daher möchte sie alle diese Kompensationsmöglichkeiten vermitteln, »damit jeder Betroffene die für ihn am besten geeignete Methode findet«, sagt sie.             

7 Lauf-Strategien bei Parkinson

Auf den inneren Takt hören:

Gehen und zählen – Zahl für Zahl und Schritt für Schritt.

An den äußeren Takt halten: 

Gehen und hören – Ein Metronom gibt den Rhythmus vor, nach dem Sie sich vorwärtsbewegen.

Loslassen:

Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation oder Yoga stärken die Konzentration. 

Visualisieren:

Beobachten und nachahmen. Suchen Sie sich ein motorisches Vorbild, prägen Sie sich die Gangart ein und imitieren Sie den Lauf. 

Anders gehen:

Versuchen Sie alternative Bewegungsmuster, indem Sie hüpfen, springen oder rückwärtslaufen.

Balance bewahren: 

Statt eng um die Ecke gehen, lieber weite Kurven laufen.

Mobil bleiben: 

Radfahren schult die Koordination, sofern Sie sich sicher genug dafür fühlen.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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