Schlafmythos – Faszination Vollmond
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Der Mond bewegt die Gezeiten, auch die Gemüter? Und wenn er sich in seiner prallen Fülle am Himmel zeigt, behaupten viele Menschen, schlechter schlafen zu können. Alles Einbildung oder was sagt die Wissenschaft dazu?
Seit Jahrtausenden sind wir Menschen fasziniert vom Nachthimmel. Und vor allem der Mond beflügelt unsere Fantasie. Seine dunklen Flecken, die wir von der Erde aus sehen können, erinnern an ein Gesicht – an den sprichwörtlichen »Mann im Mond«. Auch in der Musikwelt ist der Himmelskörper schon vielfach besungen worden. Angefangen bei Beethovens »Mondscheinsonate«, über Mike Oldfields »Moonlight Shadow« bis hin zu Matthias Claudius‘ Gedicht »Der Mond ist aufgegangen«. Offensichtlich fühlen wir uns vom kosmischen Schein kreativ inspiriert. Ob diese mystischen Liedzeilen in schlaflosen Vollmondnächten entstanden sind, wissen wir allerdings nicht. Fakt ist: Viele Menschen klagen darüber, einmal im Monat nachts wach in ihren Betten zu liegen – immer bei Vollmond. Versetzt der Glaube hier Berge oder haben Wissenschaftler inzwischen Beweise für den schlechten Vollmond-Schlaf?
Innere Mond-Uhr – gibt es sie?
Vorweg: Eine eindeutige Antwort darauf gibt es (noch) nicht. Die wohl bekannteste Studie über den Einfluss des Mondes auf den Menschen stammt aus der Schweiz und hat untersucht, ob es sie wirklich gibt: die innere Mond-Uhr, auch »Circalunar« genannt. Bei manchen Tierarten ist bewiesen, dass ihr Verhalten dem Mondrhythmus folgt. Und wir Menschen? Chronobiologen der Universität Basel beobachteten bei ihren Testpersonen, dass diese in einer Vollmondnacht aktiver waren als sonst. Ihre Einschlafphase dauerte fünf Minuten länger, die gesamte Schlummerzeit war 20 Minuten kürzer und die Tiefschlafphase verringerte sich um 30 Prozent. Außerdem soll ihr Melatoninspiegel vermindert gewesen sein. Die Ergebnisse überraschten selbst die Forschenden, die eigentlich lieber einen Volksglauben widerlegen wollten. Nichtsdestotrotz räumen sie bei ihrer eigenen Studie gewisse Schwächen ein. Anhand des Schlafverhaltens von 33 Teilnehmenden lasse sich nämlich längst noch nicht von einem fundierten Fazit sprechen. Für den »Vollmond-Effekt« gibt es vielleicht eine ganz einfache Erklärung?!
Helle Nacht
Dass wenig Melatonin, also von unserem Schlafhormon, im Blut gemessen wurde, kann so zustande kommen: Nur bei Dunkelheit bildet unser Körper den Schlummerbotenstoff. Und Vollmondnächte sind bekanntlich heller als andere Abende. Unser Biorhythmus kann sich also um Nuancen verschieben, sodass wir länger wachliegen, wenn der Erdtrabant wie eine riesige, runde Lampe durchs Fenster leuchtet. Noch dazu spielt uns möglicherweise der eigene Kopf Streiche. Das Wissen um diese bedeutungsvolle Mondphase kann diese selbsterfüllende Prophezeiung auslösen: schlaflos bei Vollmond. Schließlich empfinden sich – Umfragen zufolge – 40 Prozent der Deutschen als »mondfühlig«. Sie sehen in diesem Nachtgestirn einen Schlafräuber und »Stimmungsmacher«. Von Luna, der lateinischen Bezeichnung für unseren Erdbegleiter, stammt übrigens das Wort »Laune«. Die Namensähnlichkeit bezieht sich auf den vermeintlichen (lunaren) Einfluss auf unser Wohlbefinden.
Was hilft?
Simple Lösung: Verdunkeln Sie Ihr Schlafzimmer. Jalousien runter, Vorhänge zu. Wer mag, zieht sich eine Schlafmaske über die Augen. Exemplare mit eingearbeiteten Kühlpads helfen doppelt. Zum einen schirmen sie Licht ab, zum anderen beugen sie Lidschwellungen am nächsten Morgen vor. Ihre Vor-Ort-Apotheke hat noch mehr für Sie: Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel in Form von Mundsprays, Dragees und Gummidrops gelten als sanfte Schlummerhilfen, die die Einschlafdauer verkürzen können. Manche davon sind mit Pflanzenextrakten angereichert. Lavendel sorgt nachweislich für innere Ruhe und ein ausgeglichenes Nervenkostüm – sodann auch in Vollmondnächten und beim häufigsten Auslöser für Schlafstörungen: Stress.
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern – leserservice.sud-verlag.de
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