Seelische Gesundheit – Mit Musik durch schwere Zeiten

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Ob poetische Pop-Ballade oder rockige Gitarrenriffs. Jeder hat persönliche Lieblingslieder, die an gewissen Tagen einfach guttun. Welcher Corona-Song hat Sie durch die Pandemie begleitet?

Wir kennen das: Die ersten Töne dringen ins Ohr, der Refrain beginnt und schon wippt der Fuß im Takt – wie von ganz allein. Musik holt uns ab und zieht uns mit, Musik dringt mitten ins Herz und spricht uns aus der Seele. Dass sie Glücksgefühle auslösen kann, ist längst bewiesen. Therapeuten sprechen sogar von »heilsamen Klängen«, weil gewisse Akkorde die Herz- und Atemfrequenz regulieren, den Blutdruck senken und Stresshormone reduzieren können. In Pandemiezeiten, vor allem im ersten Lockdown im Frühjahr 2020, haben offenbar viele Menschen Musik als wirksames Instrument genutzt, um ihren Emotionen wie Ängsten und Sorgen ein Ventil zu geben. Ein internationales Forscherteam wollte mehr darüber erfahren. 

Songs für die Seele

Rund 5.000 Menschen aus drei Kontinenten haben an der Studie teilgenommen. Mehr als die Hälfte von ihnen gab an, in der Musik eine seelische Stütze gefunden zu haben. »Bemerkenswert ist, dass nicht die Musik selbst als Bewältigungshilfe dient, sondern das musikbezogene Verhalten, also die Art und Weise, wie Menschen ihren Umgang mit Musik in der Krise verändert haben«, erklärt Melanie Wald-Fuhrmann, Direktorin am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik. »Musikhören und Musikmachen bieten dabei unterschiedliche Bewältigungspotenziale«, sagt die Musikwissenschaftlerin.

Singen verbindet

Sie beobachtete, dass Menschen, die in der sozialen Isolation unter starkem inneren Druck und unter Einsamkeitsgefühlen gelitten haben, sich Musik bewusst anhörten und darin Trost suchten. Andere hingegen, die trotz dieser Ausnahmesituation insgesamt positiv gestimmt waren, griffen selbst zur Gitarre oder zum Mikrofon. Musikmachen habe für sie eine bedeutsame soziale Komponente, es vermittele ihnen ein Gefühl der Zugehörigkeit, heißt es. Tatsächlich konnte man Derartiges in Italien erleben. Dort verabredeten sich die Menschen zum Singen auf dem Balkon. Jeder bei sich zu Hause stimmte in einen landesweiten Chor ein und schmetterte »Abbracciame«, was übersetzt so viel heißt wie »Umarme mich«. Auch bei uns fanden spontan Online-Konzerte und Streaming-Events aus Musiker-Wohnzimmern statt. Jeder konnte sie am Bildschirm live miterleben, um sich als Teil einer starken Gemeinschaft zu erleben, die über die Musik miteinander verbunden ist.  

Corona-Musik gibt Kraft 

Die Pandemie hat außerdem ein neuartiges Genre geboren: Corona-Musik. Gemeint sind musikalische Reaktionen auf eine krisenhafte Zeit, die von Abstandhalten, Kontaktbegrenzungen und Maskentragen geprägt ist. Neue Lieder sind entstanden, ältere Songtexte wurden umgedichtet. Corona-Musik, so die Erkenntnis aus diesem Forschungsprojekt, bietet vielen Menschen die Gelegenheit, auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren und diese gemeinsam – kontaktlos – durchzustehen. Die Resilienz jedes Einzelnen werde dadurch gestärkt, ebenso wie die psychische Widerstandskraft einer gesamten Gesellschaft. Was Musik also in Krisenzeiten für uns leistet, macht sie durchaus »systemrelevant«. 

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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