Senioren-WG im Trend
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Wohin, wenn’s in den eigenen vier Wänden zu mühsam oder zu einsam wird? Senioren-Wohngemeinschaften boomen derzeit als Alternative zum Heim. Vielleicht auch etwas für Sie?
Im Alter selbstbestimmt leben, gut versorgt sein und das alles lieber gemeinsam statt einsam – so wünschen es sich die meisten. Daher werden alternative Wohnformen wie Senioren-Wohngemeinschaften immer beliebter. Schauen Sie mal, welche WG-Modelle es gibt und wo Vor- und Nachteile liegen.
Der Klassiker
Sie sind gerne unter Menschen, gesundheitlich haben Sie (altersgemäß) alles im Griff? Dann kann eine Senioren-WG infrage kommen. Ja, so ähnlich wie eine Studenten-WG: Jeder hat sein Zimmer, man teilt sich Miete und Nebenkosten, Bad, Küche und Wohnzimmer, Aufgaben wie Kochen, Putzen und Einkaufen sowie gegebenenfalls Kosten für eine Haushaltshilfe. In der Regel wird das Ganze privat organisiert. Bewohner kennen sich bereits oder sie suchen und finden sich über Anzeigen. Stimmt die Chemie, wird eine (barrierefreie) Wohnung gemietet. Wichtig: Aufgaben verteilen und klare Absprachen treffen. Sonst kommt es schnell zu Stress, wie früher in der Studenten-WG … Auch sollte geklärt sein, was im Pflegefall passiert. Ist die WG bereit, Betroffene zu unterstützen?
Mehrgenerationenhaus
Das klassische WG-Modell finden Sie prima, wollen aber auch unter Kindern und jüngeren Menschen sein? Dann ist ein Mehrgenerationenhaus eine Option. Hier leben meist drei Generationen unter einem Dach, in eigenen Zimmern, in Gemeinschafträumen und mit den üblichen WG-Aufgaben. Diese erledigt jeder nach Fähigkeit und Möglichkeit. Um hier Konflikte zu vermeiden, nutzen einige ein Punktesystem. Beispiel: Senioren, die Kinder hüten oder Hausaufgaben betreuen, erhalten dafür Punkte. Diese können sie bei jüngeren Mitbewohnern einlösen, etwa für einen Großeinkauf im Supermarkt. Ansonsten gilt wie bei jeder WG: Kompromisse, etwa bei Kinderlärm, müssen Sie eingehen. Eine gemeinsam erstellte Hausordnung ist hilfreich!
Pflege-WG
Sie haben einen Pflegegrad, wollen aber nicht in ein herkömmliches Heim? Dann kann eine Pflege-WG für Sie passend sein. Es gibt private und kommunale Anbieter. Sie können eine Pflege-WG auch selbst gründen, mit anderen Senioren und/oder Angehörigen. Ab Pflegegrad 1 zahlt die Pflegekasse einen Wohngruppenzuschlag (derzeit 224 Euro monatlich). Bedingung: Mindestens drei WG-Mitglieder haben einen Pflegegrad, für die Betreuung tagsüber wird eine Fachkraft, eine sogenannte Präsenzkraft, engagiert. Auf Antrag bewilligt die Pflegekasse einen Gründungszuschuss von derzeit 2.613 Euro pro pflegebedürftige Person. Auch Umbaumaßnahmen für barrierefreies Wohnen werden auf Antrag bezuschusst. Die Pflegeleistungen übernimmt ein ambulanter Dienst. Fazit: Eine tolle Sache, aber viel Papierkram.
Sonderfall Demenz
Auch für Menschen mit Demenz gibt es Wohngemeinschaften, in denen sie ein Zimmer mit eigenen Möbeln in einem vertrauten Umfeld haben. Hier unterscheidet man zwischen Anbieter- und selbstverantworteter WG. Im ersten Fall kümmert sich der Anbieter, etwa ein Pflegedienstleister, um Wohnung, Essen, Betreuung und Pflege. In einer selbstverantworteten Demenz-WG übernehmen Angehörige und/oder gesetzliche Betreuer die Organisation und sind oft auch in der Betreuung aktiv. Eine erfüllende, aber sehr anspruchsvolle Rund-um-die-Uhr-Aufgabe.
Hier erhalten Sie mehr Infos und Beratung
> Vor Ort im Pflegestützpunkt, bei einem ambulanten Pflegedienst oder Sozialdienst.
> Nützliche Adressen im Internet zu allen Formen einer Senioren-WG:
https://www.pflege.de/leben-im-alter/wohnen-im-alter/senioren-wg
https://pflegebox.de/ratgeber/wohnen-im-alter/senioren-wg
https://www.biva.de/alternative-wohnformen
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern – leserservice.sud-verlag.de
Bildnachweis: ©Charlize D/peopleimages.com – stock.adobe.com