Süße Träume

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Warme Milch mit Honig, Schäfchen zählen …Schlummer-Tipps gibt’s ­viele. Manche helfen wirklich, sodass Sie sich wie auf Wolken gebettet ­fühlen, andere dürfen Sie getrost von der Bettkante schubsen. Was hilft wem? 

 Ab ins Bett, Augen zu, Murmeltier-Modus an. „Träum weiter“, bekommen wir da zu hören. Von Ihnen auch? Dann gehören Sie zu den sechs ­Millionen Schlaflosen in Deutschland. Wie aus Krankenkassendaten hervorgeht, ist hierzulande die Zahl der Menschen mit diagnostizierten Schlafstörungen in den vergangenen Jahren von fünf auf sieben Prozent gestiegen – und zwar in allen Altersklassen. Wen wundert’s? Zuerst hat uns die Corona-Krise gebeu­telt, und kaum war vom Ende der Pandemie die Rede, brach der Krieg in der Ukraine aus. Lebenshaltungskosten gehen seitdem durch die Decke.

Noch dazu bereitet uns der Klimawandel mit seinen Auswirkungen auf unsere Zukunft durchgehend Sorgen. Ob „Weltschmerz“ oder persönliche Probleme – beides ziehen wir abends leider nicht mit den Klamotten aus. Kummer im Herzen treibt ein Gedankenkarussell im Kopf an, das vor allem dann zur Höchstform aufdreht, wenn es still um uns herum wird. In der Nacht machen viele von uns dann kaum ein Auge zu. Und das hat Folgen, nicht nur kurzfristig.

Schlaf – unser Schutzprogramm

Selbst wer nur eine Nacht mal nichts weiter getan hat als herdenweise Schafe zu zählen, spürt am nächsten Morgen, dass etwas Entscheidendes fehlt. Müde, unkonzentriert, übellaunig und womöglich mit Kopfschmerzen schleppen wir uns durch den Tag. Manche haben zudem Essattacken, weil Schlafentzug unser Hunger-Hormon reizt. Längerfristig führt Schlafmangel zur Gewichtszunahme und zu allerhand anderen Problemen. Die allnächtliche Mütze Schlaf ist nun mal unser Reparaturprogramm für Körper, Geist und Seele. Während wir friedlich schlummern, laufen etliche Regenerationsprozesse im Hormonhaushalt, im Stoffwechsel, in sämtlichen Organen und im Gehirn ab.

Das Gedächtnis leidet darunter, wenn wir dem Reich der Träume fernbleiben, das Gemüt auch. Demenz und Depressionen sind mögliche Langzeitfolgen von Schlaflosigkeit, ebenso aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine Reihe von Infekten. Immunzellen sind nämlich am aktivsten, wenn wir ruhen. Dann räumen sie in unserem Organismus ordentlich auf. Krankheitserreger, die sich über Tag eingeschlichen haben, werden nachts bestmöglich wieder nach draußen befördert. Nicht umsonst sagt man: „Schlaf ist die beste Medizin.“ Sorglos ein- und durchschlafen – dem Wohlbefinden zuliebe –, wie kann das gelingen? Wir haben Tipps für Sie gesammelt.

Lavendel

Das Schlafkraut par excellence. Etliche Studien belegen die beruhigende und angstlösende Wirkung dieses lilafarbenen Lippenblütlers. Linalool, der Duftstoff, der das blumige Aroma ausmacht, vermittelt erwiesenermaßen ein entspanntes Gefühl und verhilft auf sanfte Weise zum erholsamen Schlaf. Auch bei Stress, Reizbarkeit und depressiver Stimmung ist Lavendel wie Balsam für die Seele. Nicht erst seitdem er 2020 zur Arzneipflanze des Jahres gewählt wurde, ist Lavendel im Apotheken-Sortiment allgegenwärtig. Kapseln zum Einnehmen haben sich bewährt, beliebt sind aber auch Körperöle zum Einmassieren auf die Haut. Kein anderes Schlafkraut hat so viele Anwendungsgebiete wie dieses.

Schlaf-Pflaster

„Mouth Taping“ nennt sich ein neuer Trend aus dem Netz. Viele Influencer*innen und Prominente bewerben ihn bereits und zeigen in den sozialen Medien, wie’s geht: Pflaster kreuzweise auf den Mund kleben und dann ab ins Bett. Durch die sozusagen erzwungene Nasenatmung soll sich der Schlaf spür­bar verbessern. Forschende se­hen darin jedoch keinen ernsthaften Nutzen. Und doch haben die Entdecker*innen des Schlaf-Tapes zumindest in An­sätzen den richtigen Riecher: Durch die Nase zu atmen, ist grundsätzlich gesün­der als durch den Mund, weil mit jedem Luftstrom die vielen Immun­zellen in unserer Nasenschleimhaut aktiviert werden. Sie reagieren auf Staub, Pollen und anderes, was wir einatmen, und bilden Antikörper. Daher: Durch die Nase zu atmen, ist top für die körpereigene Abwehr. Ein Pflaster brauchen wir dafür aber an sich nicht.

Getrennte Betten

An diesem Thema scheiden sich die Geister. Paare, die sich kein gemeinsames Schlafzimmer teilen, das hört man oft, haben sich angeblich nicht mehr viel zu sagen, streiten häufig und legen sowieso kaum noch Wert auf Sex. Alles nur Vorurteile? Unter Umständen ist es sogar gesünder, wenn jede*r eine eigene Schlummerstätte hat. Denken Sie nur an die klassische Szene: Er schnarcht, sie sitzt kerzengerade im Bett. Entnervt verdrehen wir die Augen auch, wenn Schlafrituale einfach nicht zusammenpassen. Brennt nämlich die Leselampe auf der einen Seite noch eine gefühlte Ewigkeit, kommt früher oder später der Fußtritt von der anderen Seite. Noch viel pragmatischere Gründe können für das Einzelbett plädieren, etwa unterschiedliche Ar­beitszeiten. Kommen sich Eule und Lerche nachts nicht in die Quere, können sie tagsüber erst recht das perfekte Dreamteam abgeben. Letztlich ist die Bettkonstellation jedoch Geschmackssache. Wer nicht alleine in Morpheus’ Armen, sondern auch in denen des Partners oder der Partnerin liegen mag, verzichtet lieber auf die „Schlafzimmer-Scheidung“.

Schlummertrunk

Nein, Alkohol ist nicht gemeint. Hochprozentiges macht zwar müde, stört aber die Schlafqualität erheblich – und schädigt die Gesundheit sowieso. Greifen wir doch lieber zu einem traditionellen Schlummertrunk, den viele von uns noch aus der Kindheit kennen: Heiße Milch mit Honig, übrigens ein Tipp aus der ayurvedischen Heilkunst, soll dafür sorgen, dass die Aminosäure Tryptophan ins Gehirn gelangt. Den Effekt spüren wir sofort: Das warme Getränk wirkt entspannend, hilft beim Stressabbau und letztlich auch beim Einschlafen. Sogar die Deutsche Stiftung Schlaf empfiehlt die heiße Honigmilch.

Gute-Nacht-Spray

Seit einiger Zeit machen Melatonin-Einschlaf-Sprays Furore. Sie enthalten in der Regel ein Milligramm Melatonin. Der Wirkstoff ist unserem gleichnamigen, natürlichen Schlafhormon nachempfunden. Oft wird er inzwischen ergänzt durch nachweislich entspannend wirkende Schlummerkräuter. Zusammen mit Passionsblume, Baldrian oder Hopfen gelten Melatonin-Sprays, -Tropfen oder auch -Dragees als sanfte Müdemacher – besonders hilfreich bei Jetlag oder Schichtarbeit. 

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern – leserservice.sud-verlag.de

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