Superkraft Spucke

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Igitt, Spucke … Die meisten Menschen zucken beim Gedanken an Speichel zurück. Eher eklig, finden viele. Doch was im ersten Moment abschreckt, ist in Wahrheit ein kleines Wunderwerk der Natur. Denn Speichel – medizinisch: Saliva – kann weit mehr, als man denkt. Er schützt unsere Zähne, macht das Kauen und Schlucken erst möglich, hilft beim Sprechen – und repariert sogar kleinere Schäden im Zahnschmelz ganz von selbst. Kein Wunder, dass der Tag der Zahngesundheit am 25. September in diesem Jahr unter dem Motto »Superkraft Spucke« steht.

Kaum zu glauben, aber wahr: Rund ein bis eineinhalb Liter Speichel produziert unser Körper – Tag für Tag, ganz ohne dass wir es merken. Zwar besteht er zu 99 Prozent aus Wasser, doch der Rest hat’s in sich: Enzyme, Abwehr-, Mineral- und Schleimstoffe sowie spezielle Puffersubstanzen. Gerade diese Ingredenzien machen den Speichel zu einem echten Multitalent.

Speichel schützt unsere Zähne auf mehreren Ebenen: Er reinigt, neutralisiert schädliche Säuren, stärkt den Zahnschmelz und hilft sogar bei der Abwehr von Krankheitserregern. Eine beeindruckende Leistung – und das ganz automatisch, rund um die Uhr. Jede dieser Aufgaben ist wichtig – und spielt sich ganz unbemerkt in unserem Mund ab:

Reinigung: Speichel ist die natürliche Munddusche: Er spült Essensreste, Bakterien und abgestorbene Zellen weg – noch bevor sie Schaden anrichten können. Das schützt Zähne und Zahnfleisch, ganz ohne Zahnbürste.

Säureneutralisation: Nach dem Essen entstehen Säuren, die den Zahnschmelz angreifen – vor allem durch Zucker. Speichel wirkt als natürlicher Puf­fer und neutralisiert diese Säuren. Das schützt vor Erosionen, also dem schleichenden Abbau des Zahnschmelzes.

Remineralisierung: Wichtige Mineralstoffe wie Calcium und Phosphat im Speichel helfen, kleinste Schäden im Zahnschmelz zu reparieren. Nach einem Säureangriff wird der Zahnschmelz so wieder gestärkt.

Abwehr: Krankheitserreger haben im Speichel starke Gegenspieler: Enzyme wie Lysozym und Abwehrstoffe, etwa Immunglobuline, bekämpfen Bakte­rien – und unterstützen so das Immunsystem direkt im Mund.

So stark Speichel auch ist – er ist nicht unbesiegbar. Eine einseitige Ernährung kann seine Schutzwirkung erheblich schwächen. Besonders bei Kindern zeigt sich das schnell: Häufiges Naschen, süße Getränke und Fertigsnacks sorgen für ein dauerhaft saures Milieu im Mund. In dieser Umgebung hat der Speichel kaum noch eine Chance, den Zahnschmelz zu schützen oder zu reparieren. Auch zu wenig Flüssigkeit kann zum Problem werden. Wer oft vergisst zu trinken, produziert nicht genug Speichel – und verliert damit einen wichtigen Helfer im Kampf gegen Karies und Mund­trockenheit. Deshalb gilt: frisches Obst, Gemüse und Vollkorn statt Zuckerbomben. Viel trinken, aber lieber Wasser als Saft. Und: Kauen hilft! Rohe Gemüsestücke oder zuckerfreier Kaugummi kurbeln den Speichelfluss an – ganz einfach und effektiv.

Funktioniert der Speichel nicht mehr richtig – etwa durch mangelnden Speichelfluss oder veränderte Zusammensetzung – gerät das Gleichgewicht im Mund durcheinander. Säuren bleiben länger aktiv, Keime können sich ungehindert ausbreiten. Die Folge: Der Zahnschmelz wird anfällig für Karies, das Zahnfleisch entzündet sich schneller, unangenehmer Mundgeruch entsteht. Auch Pilze wie Candida albicans fühlen sich in einem gestörten Mundmilieu wohl – besonders, wenn die Abwehrstoffe im Speichel fehlen.

Ein dauerhaft trockener Mund sollte ärztlich abgeklärt werden – oft sind Medikamente, Stress, hormonelle Veränderungen oder Erkrankungen die Ursache. Gegen das unangenehme Gefühl helfen spezielle Sprays, Lutschtabletten oder Gele aus der Apotheke. Auch künstlicher Speichel kann Linderung bringen.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern – leserservice.sud-verlag.de

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