Wie wirken Totimpfstoffe?

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Für viele Menschen stellt die Spritze mit abgetöteten Erregern die große Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie dar. Was diese Vakzine können – und was nicht.

Früher wurden immunisierende Substanzen lediglich in Tot- und Lebendimpfstoffe unterschieden. Im Kampf gegen COVID-19 kommt jedoch seit mehr als einem Jahr eine neue Generation von Vakzinen zum Einsatz; die sogenannten Vektor- und erstmalig mRNA-Impfstoffe. Sie beruhen auf unterschiedlichen Prinzipien; ihre Gemeinsamkeit ist, dass sie auf Gentechnik basieren. Beide enthalten weder lebende noch abgetötete Viren oder Teile davon, sondern lediglich einen Teil des Virus-Erbguts. Unser Körper muss daraus die entsprechenden Antigene, auf die er reagieren soll, zunächst selbst herstellen. Das ist bei Totimpfstoffen anders: Hierbei werden abgetötete oder inaktivierte Viren oder Bakterien verabreicht, die der Körper als Feind erkennt. Er bildet Antikörper, die die Erreger im Infektionsfall unschädlich machen. 

Tot oder nicht tot?

Im Gegensatz zu den innovativen genbasierten Vakzinen wird eine solche Art der Impfung seit vielen Jahrzehnten im Kampf gegen Krankheiten wie Tollwut, Hepatitis B, Keuchhusten und Tetanus angewendet. Auf diese langjährige Bewährung setzen hierzulande Millionen Menschen, die den Piks mit den mRNA-Wirkstoffen von BioNTech und Moderna sowie die Vektor-Vakzine von AstraZeneca und Johnson & Johnson bislang ablehnen. Sie hoffen unter anderem auf das kürzlich zugelassene Präparat von Novavax, bei dem es sich streng genommen aber gar nicht um einen Tot-, sondern um einen proteinbasierten Impfstoff handelt. Während etwa das Vakzin von Valneva Coronaviren enthält, die zunächst in einer Zellkultur vermehrt und anschließend abgetötet und verarbeitet wurden, stecken in der Novavax-Spritze künstlich in Insektenzellen hergestellte Spike-Proteine des Erregers. Was die beiden Impfarten eint: Sie benötigen ein zusätzliches Adjuvans. Dies sind künstlich hergestellte Wirkverstärker, die die Immunantwort intensivieren. Adjuvanzien senken jedoch häufig die Verträglichkeit von Impfwirkstoffen, was von Nachteil sein kann. Vorteilhaft ist hingegen, dass das Immunsystem ohne Verzögerung direkt nach der Impfung damit beginnt, Antikörper zu bilden.

Hoffnung für arme Länder

Ob der COVID-19-Schutz der nach etabliertem System aufgebauten Impfstoffe ebenso gut ist wie der von mRNA- und Vektor-Vakzinen, werden weitere künftige Studien zeigen. Gemäß bisherigen Erfahrungen mit proteinbasierten und Totimpfstoffen kann ihr Wirkerfolg jedoch schlechter ausfallen. Ein ganz großes Plus dieser Substanzen ist vor allem für ärmere und Entwicklungsländer von immenser Bedeutung: das unkompliziertere Handling. Sie sind generell unempfindlicher und lassen sich, im Gegensatz zu den extrem temperatursensiblen mRNA-Impfstoffen, auch ganz einfach im Kühlschrank lagern. Noch robuster ist der Totimpfstoff Covaxin des indischen Herstellers Bharat Biotech: Es kann vor der Injektion bis zu sieben Tage bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Bisher ist seine Marktzulassung in der EU aber nicht absehbar.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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