Gesunde Mitte - Vom: 19.12.2018

Gesunde Mitte

Fit und vital oder schlapp und kränklich? Wie es uns geht, hängt nicht zuletzt vom turbulenten Treiben in unserem Darm ab. Billionen Mikroorganismen sind in unserer Körpermitte beheimatet – und auf gesundes Futter angewiesen.

Unser Darm ist ein faszinierendes Organ und ein unermüdlicher Schwerstarbeiter. Im Lauf eines Lebens reisen rund 30 Tonnen Nahrung und 50.000 Liter Flüssigkeit durch den Verdauungstrakt. Bis zu acht Meter lang ist der Darm – und er beherbergt eine unvorstellbare Vielzahl an Mikroorganismen. Rund 100 Billionen Bakterien bevölkern die Körpermitte, hinzu kommen Viren, Pilze und andere Winzlinge. Normalerweise lebt der Mensch mit diesen Untermietern in friedlicher Symbiose. Das heißt: Er profitiert von der Anwesenheit der nützlichen Mikroorganismen, die unter anderem krank machende Keime in Schach halten, und stellt ihnen seinerseits Lebensraum und Nahrung zur Verfügung.

Als Mikrobiom oder auch Mikrobiota bezeichnen Experten das mikrobielle Ökosystem in unserem Verdauungstrakt, umgangssprachlich ist von Darmflora die Rede. Diesen Begriff haben die meisten Menschen vermutlich schon gehört. Kein Wunder, denn rund um den Globus beschäftigen sich Wissenschaftler intensiv mit der Erforschung des beeindruckenden Mikrokosmos und seiner Bedeutung für unsere Gesundheit.

Nützliche Untermieter

Obwohl die Mikrobiom-Forschung noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es bereits viele richtungsweisende Erkenntnisse. Fest steht beispielsweise, dass die im Darm beheimatete Bakteriengemeinschaft wichtige Aufgaben erfüllt: Sie verwertet Nahrungsbestandteile, produziert Vitamine, reguliert das Immunsystem, macht Giftstoffe und Krankheitserreger unschädlich.

Das Zusammenleben von Mensch und Darmmikroben funktioniert oft reibungslos, doch mitunter bereitet die Darmflora auch erhebliche Probleme. Zahlreiche Studien der letzten Jahre deuten darauf hin, dass eine veränderte Zusammensetzung des Mikrobioms, sprich eine Fehlbesiedlung, krank machen kann.

Störung mit Folgen

Störungen der Darmflora, Experten sprechen von Dysbiose, sind vermutlich eng verknüpft mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie mit dem Reizdarmsyndrom. Typisch für diese Funktionsstörung des Darms sind wiederkehrende Verdauungsbeschwerden ohne organische Ursache. Dazu gehören krampfartige Oberbauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung, die häufig im Wechsel auftreten.

Erstaunlich: Nicht nur im Darm selbst scheint eine ungünstige Zusammensetzung des Mikrobioms Unfrieden zu stiften, sondern auch fernab des Verdauungsorgans. Krankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit, Multiple Sklerose und sogar psychische Störungen wie Depressionen werden mit einer Fehlbesiedlung in Verbindung gebracht. Bewiesen ist vieles bisher allerdings noch nicht.

Mehr Ballaststoffe

Unterschiedliche Faktoren können zu einem Ungleichgewicht im Darm führen: ungünstige Essgewohnheiten mit viel Zucker und tierischen Fetten, aber wenig Ballaststoffen. Auf der gesunden Seite ist, wer sich – nicht nur dem Darm zuliebe – für eine ausgewogene und vollwertige Kost entscheidet.

Hochwertige pflanzliche Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide liefern neben wertvollen Vitaminen und Mineralien auch die wichtigen Ballaststoffe – und somit gesundes Futter für die nützlichen Darmbakterien. Geballte Ballaststoff-Power steckt zum Beispiel in Flohsamen, Leinsamen, Weizenkleie und Akazienfasern. Natürliche Verdauungshelfer und wertvolle Hinweise rund um die richtige Einnahme gibt es in der Apotheke.

Neben ungesundem Essen können auch bestimmte Medikamente die Darmflora aus der Balance bringen, allen voran Antibiotika. Da diese Arzneimittel ihre Aktivitäten nicht nur gegen krank machende Bakterien richten, sondern auch die nützlichen Darmbewohner angreifen, kann eine Antibiotika-Therapie das Mikrobiom erheblich verändern, die Darmschleimhaut in Mitleidenschaft ziehen und Durchfälle auslösen.

Natürliche Helfer

Um die Darmflora zu unterstützen, zu stabilisieren oder nach einer Antibiotika-Behandlung wieder ins Gleichgewicht zu bringen, kommen Probiotika zum Einsatz. Diese lebenden Mikroorganismen können die Ansiedlung „guter“ Darmkeime fördern. Probiotika aus der Apotheke enthalten nützliche Milchsäurebakterien (Laktobazillen), Bifidobakterien und medizinische Hefepilze. Manche Präparate liefern, zusätzlich zu hilfreichen Mikroorganismen in hoher Konzentration, ausgesuchte Ballaststoffe zur Förderung der gesunden Verdauung.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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