Masern kennen keine Grenzen - Vom: 04.08.2017

Masern kennen keine Grenzen

Nicht nur Deutschland verzeichnet in diesem Jahr erneut viele Masern-Ausbrüche. Auch aus Italien, Belgien, Österreich, und Rumänien werden hohe Fallzahlen gemeldet. Stark betroffen ist auch der westafrikanische Staat Guinea. Professor Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, rät Reisewilligen daher, vor Reiseantritt auf einen ausreichenden Masern-Impfschutz zu achten.

Warum ist es ohne Impfschutz so gefährlich, sich auf Reisen mit Masern zu infizieren?

Prof. Dr. Tomas Jelinek:

Masern sind sehr ansteckend. Die Übertragung erfolgt durch das Einatmen winzig kleiner Tröpfchen aus der Atemluft bereits Infizierter Personen. Zudem ist es in Ländern ohne ausreichende Durchimpfungsrate sehr schwierig, Masernausbrüche unter Kontrolle zu halten.

Gibt es Reiseziele, die aufgrund ihrer Gegebenheiten besonders empfänglich für gehäufte Masernausbrüche sind?

Prof. Dr. Jelinek:

Nein. Es liegt wie gesagt vor allem an der Impfquote der Bevölkerung. So lässt sich beispielsweise sagen, dass die Durchimpfungsrate für die Länder des amerikanischen Kontinents sehr gut ist. Das betrifft sowohl Nordamerika, als auch die Länder Mittel- und Südamerikas. So hat etwa Kolumbien sogar eine Zeit lang für Einreisende einen Impfnachweis gegen Masern verlangt. Auch in vielen Ländern Südostasiens ist die Bevölkerung sehr gut durchgeimpft, so dass auch hier die Gefahr, sich auf Reisen mit Masern zu infizieren, vergleichsweise gering ist. In Afrika und großen Teilen Asiens, in denen die Bevölkerung weitaus weniger durchgeimpft ist, ist die Gefahr natürlich größer. Und man darf auch nicht vergessen, dass es in Europa und auch in Deutschland derzeit sehr viele Fälle von Masernerkrankungen gibt.

Wie lange dauert die Inkubationszeit? Können Infizierte nach ihrer Rückkehr weitere Personen anstecken, bevor sich die ersten Symptome bei ihnen selber zeigen?

Prof. Dr. Jelinek:

Die Inkubationszeit ist bei Masern sehr kurz. Haben Sie sich infiziert, können Sie schon nach drei bis vier Tagen die ersten Symptome an sich feststellen. Ansteckend für Andere können Sie bis zu zwei Wochen lang bleiben. Und natürlich können Sie in dieser Zeit auch weitere Personen anstecken.

Masern gelten ja als typische Kinderkrankheit. Kann ich mich denn auch als Erwachsener noch impfen lassen, wenn ich als Kind keine Masern hatte?

Prof. Dr. Jelinek:

Ja, absolut. Die irrtümliche Bezeichnung „Kinderkrankheit“ stammt noch aus früheren Zeiten, als die Bevölkerung noch nicht so gut durchgeimpft und das Virus permanent unterwegs war.

Da die Durchimpfungsraten für Masern gegenwärtig leider auch nicht mehr so optimal sind, sind die Masern auch längst keine Kinderkrankheit mehr.

(das Interview führte Karsten Kulms)

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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