Grenzkontrolle im Kopf - Vom: 28.06.2017

Grenzkontrolle im Kopf

Dem Gehirn als zentrales Steuerorgan steht ein eigenes Milieu zu, damit es seine lebenswichtigen Aufgaben ungestört ausführen kann.

»Die sogenannte Blut-Hirn-Schranke schützt unser Gehirn vor Erregern und Unrat«, erklärt Dr. med. Anne-Sophie Biesalski von der Universität Witten-Herdecke.

»Ähnlich einem Filter bildet sie eine Barriere zwischen Blutstrom und dem Nervengewebe des Gehirns.«

Zellen machen dicht

Die Blutgefäße zum Gehirn besitzen an ihren Innenwänden Kontrollzellen, die sehr eng beieinanderliegen. Nur winzige Spalte lassen bestimmte oder sehr kleine Moleküle passieren. So bleiben die Versorgung mit Nährstoffen und der Abtransport von Stoffwechselprodukten gewährleistet. Ausgewählte Transport- und Signalstoffe können den Filter kurzfristig für nützliche Stoffe durchlässig machen. Fremdstoffe, Krankheitserreger und Gifte kommen dagegen nicht durch.

Krankheiten verringern Schutz

Krebserkrankungen, Multiple Sklerose und Diabetes mellitus können die Schutzfunktion desto mehr schwindet die Barrierefunktion. Dann gelangen toxische Stoffe durch die Zellkanäle, die Entzündungen auslösen und Komplikationen verursachen können.

Medikamente müssen mogeln

»Bei der Behandlung mancher Krankheiten ist die Blut-Hirn-Schranke aber ein Hindernis«, so Dr. Biesalski.

»Arzneimittel, die ihre Wirkung im Gehirn entfalten sollen, können die Blut-Hirn-Schranke nicht ohne Weiteres überwinden, etwa Wirkstoffe gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer.«

Manche Medikamente verwenden Transportmoleküle oder Tricks, um an den Kontrollzellen vorbeizukommen. Fettlösliche Substanzen können dank unterschiedlicher Lösungskonzentrationen durch die Zellwand hindurch diffundieren. Eine der großen Herausforderungen für die moderne Medizin ist es, Medikamente gegen Alzheimer und neurologische Erkrankungen gezielt an der Blut-Hirn-Schranke vorbeizuschleusen, ohne gleichzeitig Schadstoffen den Weg zu öffnen.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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