Wenn das Herz aus dem Takt gerät - Vom: 14.06.2017

Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Vorhofflimmern ist tückisch, denn es erhöht massiv das Schlaganfallrisiko. Umso wichtiger, die Herzrhythmusstörung konsequent zu behandeln. Lesen Sie, wie Ärzte helfen und was Sie selbst tun können.

Oft erleiden Menschen einen Schlaganfall, weil sie Vorhofflimmern haben – ohne dass sie vorher etwas davon gemerkt hätten. Denn Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung, an der mindestens 1,8 Millionen Bundesbürger leiden, verläuft oftmals stumm, also ohne jegliche Symptome.

Nur bei manchen Betroffenen macht es sich durch körperliche Beschwerden bemerkbar, insbesondere Herzrasen, innere Unruhe, Abgeschlagenheit, Luftnot, Brustschmerzen und Schwindelgefühle. Viele Betroffene missinterpretieren den anfallsweise auftretenden schnellen und unregelmäßigen Herzschlag als Panikattacke. Und so kommt es, dass Vorhofflimmern – trotz deutlicher Warnsignale – nicht selten unbehandelt bleibt. Fatal, denn ohne Therapie und ohne die schützende Wirkung gerinnungshemmender Medikamente droht ein Hirninfarkt – von jährlich rund 200.000 Schlaganfällen in Deutschland gehen mindestens 30.000 auf das Konto von Vorhofflimmern.

Gefahr durch Gerinnsel

Typischerweise geraten bei Vorhofflimmern die Vorhöfe der großen Herzkammern aus dem Takt und ziehen sich unkontrolliert zusammen. Das Herz schlägt chaotisch und rast mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute, hin und wieder sogar noch schneller. Das Blut kann nicht mehr richtig zirkulieren, bleibt teilweise in den Vorhöfen stehen und bildet dort eine Art See, in dem sich leicht Gerinnsel bilden. Wird ein solches Gerinnsel dann mit dem Blutstrom aus dem Herzen gespült und verstopft ein gehirnversorgendes Gefäß, kommt es zum Schlaganfall.

Menschen mit Diabetes haben ein deutlich höheres Risiko für Vorhofflimmern. „Wir raten daher besonders Diabetikern zur regelmäßigen Pulsmessung, um dadurch frühzeitig Auffälligkeiten des Herzschlages wie Vorhofflimmern zu entdecken und sie durch den Arzt abklären zu lassen“, sagt Professor Diethelm Tschöpe vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Das gilt auch für Bluthochdruck-Patienten sowie für Männer und Frauen ab dem 65. Lebensjahr, die ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben.“

Regelmäßig messen

Moderne Blutdruckmessgeräte zeigen Unregelmäßigkeiten des Pulses meist zuverlässig an. Der Apotheker kann hochwertige Geräte empfehlen und die Handhabung erklären. Möglich ist es auch, den Puls selbst zu fühlen. „Ist der Puls unregelmäßig oder liegt er in Ruhe über 100 Schläge pro Minute, sollte man so schnell wie möglich einen Internisten oder Kardiologen aufsuchen, um zu klären, ob Vorhofflimmern dahintersteckt“, erklärt der Kardiologe Professor Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Herzstiftung. Denn schon binnen weniger Stunden können in den Herzvorhöfen gefährliche Blutgerinnsel entstehen.

Steht die Diagnose „Vorhofflimmern“ fest, wird der Arzt Medikamente verschreiben, die den Herzschlag regulieren. Falls sie nicht helfen oder ausgeprägte Nebenwirkungen haben, kommt eventuell eine Katheterablation infrage. Bei diesem minimalinvasiven Eingriff wird Gewebe, das falsche elektrische Impulse im Herzen weiterleitet und dadurch das Vorhofflimmern bedingt, gezielt mit Wärme verödet und ausgeschaltet. Zudem ist meist eine Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten, sogenannten Antikoagulanzien, erforderlich, die ärztlich verordnet werden müssen. Sie erschweren die Bildung von Blutgerinnseln und beugen somit Schlaganfällen vor.

Herzgesund leben

Allein mit Medikamenten ist es allerdings nicht getan. Patienten können durch eine herzgesunde Lebensweise aktiv dazu beitragen, trotz Vorhofflimmern ein nahezu beschwerdefreies Leben zu führen. Wichtig ist es in jedem Fall, auf eine ausgewogene, vollwertige Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse zu achten. Wer Übergewicht hat, sollte es reduzieren.

Bewegung und leichter Ausdauersport sind ebenfalls Balsam fürs Herz. Wie viel Körpertraining der Gesundheit guttut, sollten Herzpatienten mit ihrem Arzt besprechen. Sinnvoll kann es z. B. sein, in der Herzsportgruppe unter Anleitung eines Sporttherapeuten zu trainieren.

Zudem ist es wichtig, dass sich Raucher endgültig von der Zigarette verabschieden. Alkohol sollte man der Gesundheit zuliebe zudem sehr zurückhaltend genießen. Denn Hochprozentiges kann die Wirkung der verordneten Medikamente beeinflussen und zudem selbst Vorhofflimmern auslösen.

Infos für Interessierte

Wie man zu Hause ganz leicht den Puls messen kann, zeigt die kostenfreie Pulskarte der Herzstiftung im Scheckkartenformat. Sie kann hier angefordert werden: www.herzstiftung.de/puls-messen, Telefon: 069/95 51 28 400

Ausführliche Informationen enthält die kostenlose Broschüre „Vorhofflimmern – Frühe Diagnose und Therapie beugt Schlaganfall vor“, die von der Deutschen Seniorenliga erstellt wurde. Sie ist hier erhältlich: DSL e. V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dsl-vorhofflimmern.de, Bestell-Hotline: 01805/00 19 05 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz)

Quelle: https://www.ratgebergesund.de/

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