Müde bin ich, finde doch keine Ruh - Vom: 23.10.2017

Müde bin ich, finde doch keine Ruh

Essen, Trinken und Schlafen sind unsere Lebenspfeiler. Werden diese elementaren biologischen Funktionen gestört, geht es uns schlecht. Während uns aber Hunger und Durst heftig darauf aufmerksam machen, dass wir unseren Körper unterversorgt ließen, ist das mit einem Mangel an Schlaf nicht ganz so einfach. Hält uns ein wichtiges Projekt bis spät in die Nacht wach, quält uns ein Gedankenkarussell und hindert am Ein- oder Durchschlafen, dann wir das häufig mit erhöhtem Kaffeekonsum am nächsten Morgen ausgeglichen. Doch auf Dauer machen Schlafstörungen krank. Wissenschaftler der Schlafforschung und Schlafmedizin machen deshalb auf erhöhte Risiken aufmerksam.

von Claudia Scholtyssek

Und morgens wie gerädert

Jeder von uns hat schon einmal die Folgen von zu wenig oder immer wieder gestörter Nachtruhe erlebt. Der nächste Tag beginnt zäh, alles - das Waschen, Anziehen, Kaffee kochen – scheint doppelt lange zu dauern. Man kann sich schlecht konzentrieren und bereits am Vormittag wollen einem die Augen zufallen. Schlecht, wenn man sich dann in risikoreicher Situation befindet, etwa im Auto hinter dem Lenkrad. Wohl dem, der sein Schlafdefizit in der nächsten Nacht ausgleichen kann. Etwa 80 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 35 und 65 hierzulande können das jedoch nicht, sie klagen über regelmäßige Schlafprobleme*.

Wichtig für das Gedächtnis

Fortwährender Schlafmangel hat Folgen: „Neben einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und psychischen Störungen deuten neuere Studien auch auf ein erhöhtes Demenzrisiko hin“, so Prof. Dr. Helmut Frohnhofen von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Den Organen fehlt ohne Schlaf die Zeit der Regeneration. Übergewicht und Diabetes treten gehäuft auf. Ebenso werden die kognitiven Leistungen beeinträchtigt, denn der Tiefschlaf spielt bei der Übertragung von Wissen in unser Langzeitgedächtnis eine entscheidende Rolle. Ohne gesunden Schlaf ist auch der Abtransport des schädlichen Proteins Beta-Amyloid gestört, so entstehen Ablagerungen im Gehirn, die eine Demenz begünstigen.

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Der Mensch braucht zwischen sechs und neun Stunden Schlaf. Es gibt dabei die Morgentypen (Lerchen), denen das Aufstehen leicht fällt sowie die Abendtypen, die keine so frühe Nachtruhe brauchen. Ältere Menschen schlafen weniger Stunden als jüngere. Allen aber kommen regelmäßige Schlafzeiten, ein optimal klimatisierter, dunkler Schlafraum, tagsüber ausreichend Bewegung und abends der Verzicht auf große Mahlzeiten, Kaffee und Alkohol zugute. Kurzfristige Schlafprobleme lassen sich mit bewusster Stressreduzierung, Entspannungstechniken und Wirkstoffen aus der Natur wie Lavendel, Melisse oder Passionsblume lindern. Schlafexperten weisen darauf hin, die Störungen jedochn niocht auf die leichte Schulter zu nehmen. Man sollte einen Arzt aufsuchen, wenn die Störung mehr als dreimal wöchentlich über vier Wochen auftritt. In vielen Fällen hilft dann die Kognitive Verhaltenstherapie, die laut Wissenschaftlern mit ihrer Langzeitwirkung einer Therapie mit Medikamenten überlegen ist.

Kognitive Verhaltenstherapie

Sie beinhaltet die Progressive Muskelentpannung, Achtsamkeitsübungen für die geistige Entspannung, Schlaf-Wachrhythmus-Strukturierungen und kognitive Techniken.

Zu den vielfältigen Ursachen von Schlafstörungen werden Sie in der Apotheke beraten. Sie erhalten Tipps für eine gesunde Schlafhygiene und bei Bedarf pflanzliche Arzneimittel.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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