Gemeinsam gegen Einsam - Vom: 01.07.2018

Gemeinsam gegen Einsam

Haustiere bereichern das Leben. Das gilt für Menschen, die alleine leben, ganz besonders. Doch auch die Lebenssituation von Tieren kann sich durch den vertrauten Kontakt zu einem Mensch positiv verändern.

von Karsten Kulms

Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ein Haustier, egal ob Hund, Katze, Kleintier oder Vogel, gibt seinem Besitzer das Gefühl, gebraucht zu werden. Das trifft besonders für Menschen zu, die mit zunehmendem Alter in eine neue Lebensphase eintreten, etwa Personen, die nach aktiven Berufsjahren in Rente gehen oder Eltern, deren Haus nach dem Wegzug der Kinder auf einmal so leer wirkt. Auch Senioren in Altersheimen kann ein Haustier helfen, der Einsamkeit zu entfliehen und im Alltag besser zurecht zu kommen. Denn einer Studie des Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft zufolge leiden diese Menschen vor allem unter Fremdbestimmung, Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit und dem Dauerthema „Krankheit“. Mehr als die Hälfte der in dieser Studie befragten fühlen sich zudem isoliert, und sie vermissen ihr altes Umfeld mit Nachbarn, Freunden und Bekannten. Ein Haustier kann hier ganz erstaunliches leisten. Denn das Zusammenleben von Mensch und Tier steigert die eigene Aktivität, und es fördert den sozialen Kontakt zu anderen Heimbewohnern. Es gibt ja jeden Tag etwas Neues von einem Tier zu berichten, und Haustiere bieten für Mitbewohner einen guten Anlass, sich zwanglos nach dem Tier zu erkundigen und dadurch miteinander ins Gespräch zu kommen.

Heimtiere mit Außenwirkung

Verschiedene Studien haben nachgewiesen, dass es Menschen mit einem Haustier ganz allgemein leichter gemacht wird, mit ihrer Umwelt in Kontakt zu kommen. Denn wer mit seinem Hund die tägliche Gassi-Runde absolviert, wird viel eher angesprochen als jemand, der nur mit einer Einkaufstüte unterwegs ist. Auch die Haltung einer Katze in einem anonymen Mehrfamilienhaus kann die Nachbarn neugierig machen, sich bei seinem Besitzer mal ganz unverfänglich nach dem Tier zu erkundigen.

Partner aus dem Tierheim

Landen Tiere nach dem Verlust ihrer menschlichen Bezugsperson im Tierheim, ergeht es ihnen oft nicht anders als Menschen, die durch einen Schicksalsschlag aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen werden. Auch sie leiden dann häufig unter Verlustängsten und Vereinsamung, und isolieren sich von anderen Artgenossen in ihrem Umfeld. Der meist wenig abwechslungsreiche Alltag im Tierheim tut dann ein Übriges, die sowieso schon beeinträchtigte Tierpsyche noch weiter zu belasten.

Wer also darüber nachdenkt, sich mit einem Haustier aus seiner Einsamkeit zu befreien, sollte bei der Anschaffung auch einen Gang ins Tierheim in Betracht ziehen. Ein unschlagbarere Vorteil: Die Pfleger kennen das Wesen ihrer Schützlinge ganz genau, und können daher sehr gut einschätzen, mit welchem Tier ein zukünftiges Herrchen oder Frauchen zuhause am besten zurechtkommen wird.

Bindung auf Zeit

Ist Ihr Vermieter strikt gegen die Haltung eines Haustiers, oder stellt sich die Wohnheimleitung quer, brauchen Sie auf den Kontakt mit einem Haustier dennoch nicht zu verzichten. Viele Tierheime freuen sich auch, wenn ihre Tiere eine feste Bezugsperson mit täglichem Kontakt finden. Denn der regelmäßige Besuch des Zweibeiners unterbricht die tierische Alltagsroutine und bringt Abwechslung in den Tagesablauf.

Legen Sie sich beispielsweise mit einer täglichen Gassi-Runde einen „Hund auf Zeit“ zu, bekommt das Tier über die reine Versorgung hinaus wertvolle regelmäßige Zuwendung. Und Sie selber können davon sogar gleich dreifach profitieren. Denn zum einen intensiviert sich der Kontakt und Austausch zu den Tierheimmitarbeitern, Sie haben mit „Ihrem“ Hund zudem eine neue Aufgabe, die ihren eigenen Tagesablauf neu strukturiert. Und nicht zu vergessen: Sie kommen Unterwegs auch ganz schnell ins Gespräch mit anderen Hundebesitzern und mit Menschen, die Hunde mögen. Ganz wie von selbst.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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