Blutdrucksenker und Musiktherapeuten auf vier Pfoten - Vom: 24.06.2017

Blutdrucksenker und Musiktherapeuten auf vier Pfoten

Die Zeiten, in denen Hunde vor allem Haus und Hof bewachten und Katzen in allererster Linie die Vorräte vor Nagern schützen sollten, sind längst vorbei – zum Glück. Seit den 1970-er Jahren schauen Experten aus Medizin und Forschung genauer hin, welche Interaktionen die Mensch-Tier-Partnerschaft zu bieten hat. Und das ist Einiges...

von Claudia Scholtyssek

Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach erbrachte, dass es gegenwärtig in unserem Land etwa 30 Millionen (gemeldete) Haustiere gibt. Katzen nehmen dabei auf der Lieblingsskala mit rund 13 Millionen absolut den ersten Platz ein, gefolgt von den Hunden mit rund acht Millionen. Das sah beispielsweise im Jahr 1982 noch ganz anders aus: Hund und Katze lagen Fellnase an Fellnase ganz dicht beieinander, jedoch mit nur lediglich 3,4 und 3,5 Millionen. Was für ein Unterschied! Was hat sich da geändert?

Stress wegstreicheln

Ein genaueres Hinschauen auf die Beziehung zwischen Mensch und Haustier begann vor etwa 50 Jahren, zunächst wohl eher zufällig. Am Rande einer amerikanischen Studie mit Herzinfarktpatienten stellte sich beispielsweise heraus, dass diejenigen, die mit einem Haustier lebten, einen besseren Genesungsverlauf hatten. Aber warum? Als die Forscher bei späteren Auswertungen neben sozialen Aspekten den Fokus auch auf Blutdruck und Kreislauf legten, wurde es konkreter. Während der menschliche Blutdruck beim Vorlesen und Sprechen stieg, sank er beim Stillsitzen. Und dann dieses: Am niedrigsten wurde er beim Streicheln eines Tieres. In den folgenden Jahren belegten weitere präzise Messungen diesen Effekt, der ebenso Stress reduzieren hilft. Heute weiß man, dass schon allein beim Betrachten von Tierbildern in unserem Gehirn bestimmte Nervenzellen in einer Region (rechte Amygdala) aktiv sind, wo Gefühle bewertet und verarbeitet werden. Hier setzen auch Tiergestützte Therapieverfahren zur Linderung bei seelischen, neurologischen Erkrankungen oder Behinderungen an. Servicehunde, die erblindeten oder anfallsleidenden Menschen den Alltag erleichtern, und auch Besuchshunde in Kindergärten, Schulen, Pflege- und Senioreneinrichtungen sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

Gleiche Glückshormone

Wenn auch immer mal wieder Hund und Katze mit außergewöhnlichen Taten im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, sind es doch die ganz normalen Eigenschaften, die uns Menschen das Zusammenleben mit Haustieren liebenswert machen. Egal, mit welcher Laune wir nach Hause kommen, wir werden immer freudig begrüßt - selbst wenn wir nur mal eben den Müll rausbrachten. Was auch immer uns bedrückt, dem Vierbeiner können wir alles erzählen. Nachweislich lässt dann die Spannung unserer Gesichtsmuskeln nach, die Stimme wird weicher. Japanische Wissenschaftler maßen die Hormonausschüttung während eines solchen Miteinanders. Besonders, wenn Bello dabei auch noch den sprichwörtlichen "Hundeblick" aufsetzt, kommt es zur Ausschüttung der Glücks- und Wohlfühlhormone Oxytozin und Serotonin – und zwar bei Mensch und Hund.

Schnurren nicht nur für die Seele

Auch Katzenschnurren wirkt heilsam auf uns, diese bestimmte Frequenz von etwa 25 Hertz entspannt wie eine angenehme Melodie, wirkt als eine Art Musiktherapie. Zudem entstehen dabei Vibrationen, ein Selbstheilungsmechanismus des Tieres, der sich auf den Menschen überträgt. Sie aktivieren die Muskulatur, wodurch Knochendichte und -wuchs gefördert werden. Das hat der Katze wohl auch den Nimbus einer Überlebenskünstlerin eingebracht, die mehr als nur ein Leben hat. Auch komplizierte Brüche heilen beispielsweise leichter als bei einem Hund. Kein Wunder, dass Medizintechniker bereits auf die Idee kamen, einen Schnurr-Apparat mit Kissen zu entwickeln, der zum Einschlafen und auch gegen Osteoporose eingesetzt werden kann. Vibrationstechniken werden ansonsten schon seit längerem zur Stärkung des menschlichen Bewegungsapparates angewendet.

Akzeptanz und viel Gefühl

Immer vorausgesetzt, dass wir den Tieren eine artgerechte Haltung bieten und um eine angemessene Verständigung mit ihnen bemüht sind, machen sie unser Leben reicher. Das Familienmitglied auf vier Pfoten lehrt unsere Kinder ganz automatisch, dass sie für einen Spielgefährten auch eine bestimmte Verantwortung tragen. Für ihn zu sorgen, gibt dem Tag Struktur, was ebenso für ältere oder auch alleinlebende Menschen hilfreich ist. Das Kümmern um einen tierischen Freund vertreibt Einsamkeit und stärkt das Empfinden gebraucht zu werden. Ganz deutlich zeichnet sich ab, dass sich unsere Beziehung zum Haustier stark gewandelt hat – hin zu Akzeptanz, Geborgenheit, Achtung und viel Gefühl, zu einem gegenseitigen Geben und Nehmen.

Wir fühlen uns wohl, wenn es auch unserem Haustier gut geht. Mittel zur Pflege und Gesunderhaltung gibt es in Ihrer Apotheke.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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