Schlaganfall – (k)eine Frage des Alters - Vom: 29.10.2016

Schlaganfall – (k)eine Frage des Alters

Als der beliebte Jazz- und Popsänger Roger Cicero im Frühjahr überraschend verstarb, konnten viele es kaum glauben. Mit nur 45 Jahren ein Schlaganfall? Doch das ist gar nicht so selten.

Sicher, einen Hirnschlag oder Schlaganfall – das ist dasselbe – bekommen vorwiegend ältere Menschen, rund drei Viertel sind über 70 Jahre. Was viele aber nicht wissen: Fünf bis zehn Prozent der Hirnschläge treffen Jüngere unter 50 Jahren. Jährlich bekommen sogar 300 Kinder einen Schlag, meldet die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe. Wie bei Erwachsenen wird ein kindlicher Schlaganfall durch Durchblutungsstörungen im Gehirn hervorgerufen: Hirnversorgende Gefäße (Arterien) sind verstopft, reißen oder platzen. Dadurch werden die Gehirnzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, wichtige Funktionen des Gehirns fallen „schlagartig“ aus und Zellen beginnen abzusterben.

Beunruhigende Entwicklung

Nach den Ergebnissen der Studie „Global Burden of Desease“ 2014 mehren sich die Schlaganfälle bei Patienten im mittleren Alter auf der ganzen Welt. In den USA hat sich die Zahl der Hirnschläge bei den 20- bis 55-Jährigen in nur zwölf Jahren fast verdoppelt. Für Deutschland reicht die Datenlage bisher nicht aus, um eine Aussage zu treffen. Doch glauben Experten an einen ähnlichen Trend bei uns. Sie machen unseren Lebensstil dafür verantwortlich: zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung und in der Folge mehr Bluthochdruck und Diabetes. Das sind zwei wesentliche Risikofaktoren für den Schlaganfall. Bei Kindern können Blutgerinnungsstörungen sowie Herz- und Gefäßerkrankungen, manchmal auch eine Infektion einen Hirnschlag auslösen.

Es gibt keine speziellen Ursachen für einen Hirnschlag bei den unter 50-Jährigen. Allerdings gibt es Auffälligkeiten: Zum Beispiel leiden viele Betroffene – 20 bis 50 Prozent der jüngeren Patienten – unter Bluthochdruck. Etwa 20 Prozent haben erhöhte Blutfettwerte. Auch Diabetes, Herzrhythmusstörungen und Migräneattacken erhöhen das Risiko. Anders als bei älteren Betroffenen wird der Schlaganfall bei der Hälfte der unter 50-Jährigen durch eine Blutung im Gehirn ausgelöst.

Gute Prognose für die Reha

Die Begleiterscheinungen und Folgen eines Schlaganfalls unterscheiden sich nicht nach Altersgruppen. Auch jüngere Patienten leiden unter halbseitigen Lähmungen, müssen wieder Gehen und Stehen lernen. Sie kämpfen mit Sprechstörungen und weiteren Problemen. Doch gehen sie anders als Ältere davon aus, dass sie bald schon wieder selbstständig zurechtkommen (müssen). Beruf, Partnerschaft und Sport sind starke Antriebe. Außerdem kommen sie in einem besseren Ausgangszustand in die neurologische Frührehabilitation. Das aktive Training kann bei ihnen früher beginnen als bei Älteren. Zudem fällt es den Jüngeren oft leichter, bestimmte Fähigkeiten wie Gehen oder Sprechen wieder zu erlernen. Bei jungen Patienten treten Verbesserungen dieser Fertigkeiten auch noch lange nach dem Schlaganfall auf.

Nicht zögern, 112 rufen!

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall – jede Minute kann über Leben oder Tod entscheiden. Deshalb gilt: Bei Alarmsignalen wie plötzlichen Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen, heftigem Schwindel und Kopfschmerz sofort die 112 anrufen.

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