Es lebe der Reißverschluss - Vom: 04.07.2018

Es lebe der Reißverschluss

Teil 3: Angst vor Knöpfen

„Eklig, diese scheußlichen runden Dinger mit den Löchern in der Mitte. Schon das Wort widert mich an: Knöpfe …“

von Stefanie Deckers

Die Angst vor Knöpfen klingt ungewöhnlich, ist aber kein Grund, sich zu schämen. Merkwürdiger geht immer. Phobien sind rational nicht erklärbare Ängste, die sich auf Objekte, Tiere oder Situationen beziehen. Spinnenangst ist eine weit verbreitete Phobie, seltener ist die Angst vor Enten, Zahlen oder eben vor Knöpfen.

Pfui, Knöpfe …

„Woher der Knopf-Ekel kommt, weiß ich nicht.“ Roland D. erinnert sich lediglich daran: „Schon als Kind habe ich mich vor den Dingern geekelt. Egal, ob sie aus Glas, Holz, Perlmutt oder Plastik gemacht sind. Was haben Knöpfe an Kleidung eigentlich zu suchen?“ Im Alltag ist das „Problem“ relativ einfach zu umgehen. „Es lebe der Reißverschluss“, ist seine Devise. Schwieriger wird es, wenn eine solche Phobie den sozialen Umgang beeinträchtigt. Wenn kein Gespräch möglich ist, weil das Gegenüber ein Hemd mit Knopfleiste trägt. Oder wenn Betroffene das Haus nicht mehr verlassen können.

Mehr als nur Ekel

„Eine Phobie ist mehr als ein bisschen Ekel“, weiß die Ärztin und systemische Familientherapeutin Dr. Julia Berg. „Panikartige Anfälle werden ausgelöst mit massiven körperlichen Reaktionen: Herzrasen, Schwindel und Zittern. Dann ist eine Therapie immer sinnvoll.“ Bei einer Phobie empfiehlt sie immer zuerst eine Ursachenforschung. „Wenn wir wissen, woher die Angst stammt, können wir damit verbundene Emotion, Kognition und Verhalten viel besser verstehen. Die Auslöser bestimmen die weitere therapeutische Vorgehensweise.“

Bei Phobien sehen die therapeutischen Leitlinien eine klassische Expositionstherapie vor. „Wer sich seiner Angst stellt, verliert sie“, sagt die Therapeutin.

„Patienten machen die Erfahrung, dass vom Objekt ihrer Angst keine Gefahr ausgeht. Die Gewöhnung löst schließlich die Angstreaktion ab.“

Für Roland D. sind Knöpfe keine Bedrohung (mehr). Er spricht offen über seine Aversion gegenüber diesen „scheußlichen runden Dingern“ und hat ein Internetportal eröffnet, das Betroffenen eine Möglichkeit zum Austausch gibt. Auch das ist eine Form der Therapie …

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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