Urlaub für die Bronchien - Vom: 31.07.2018

Urlaub für die Bronchien

Vorfreude ist die schönste Freude – gerade beim Urlaub. Und auch Menschen mit Atemwegserkrankungen sollten sich diese Freude nicht nehmen lassen: Mit ein bisschen Umsicht finden sie gesunde und spannende Reiseziele in aller Welt.

Hochglanzprospekte locken in Urlaubsgebiete von Madrid bis zu den Malediven, von Kanada bis zu den Kapverden. Menschen mit Bronchialerkrankungen sollten jedoch nicht nur nach eigenen Vorlieben entscheiden, sondern einen zweiten, kritischen Blick auf die Region ihrer Wahl werfen. Vergnügen und Erholungswert werden nämlich deutlich gemindert, wenn die Luft nicht zum entspannten Atmen reicht.

Ob COPD oder infektiöse Lungenentzündung, ob allergisches oder nicht allergisches Asthma: Schon die Anreise kann belasten, wenn trockene Luft im Flugzeug die Atemwege austrocknet und Hustenreiz auslöst. Am Urlaubsort beeinflussen Klima und Reizstoffe, die mit der Luft angesegelt kommen, das Krankheitsgeschehen. Und wer will sich schon die schönste Zeit des Jahres durch Atembeschwerden vermiesen lassen? Zu trockener oder zu feuchter Luft, Luftverschmutzung und Pollenflug am Urlaubsziel zu entgehen – das ist planbar. Und wer geschickt plant, kann dabei sogar der Pollen-Hochzeit zu Hause entgehen.

Frische Meeresbrise

Asthmatiker erholen sich am Meer, denn die frische Brise trägt saubere und salzhaltige, feuchte Luft in die Lungen – und dafür keine Pollen. Hat das Asthma allergische Ursachen, hilft ein Blick in den Pollenkalender der Urlaubsregion. Außerdem gilt es am Mittelmeer direkt an Wasser und Wellen zu nächtigen, weil im Land bis in den November hinein Pollen unterwegs sind. An der Nordsee dagegen strömt die Meeresluft tiefer ins Land. Dafür kann dort in den kalten Monaten die allzu frische Luft die Schleimhäute übermäßig reizen. Es ist nicht nur das Durchatmen im Strandkorb, dass Körper und Seele erholt. Spazierengehen, Radeln, Schwimmen lüftet die Lungen zusätzlich durch.

Gebirgsluft trainiert

Asthmatiker fühlen sich auch im Gebirge gut durchlüftet. Denn die Luft ist dort weitgehend frei von allergischen Reizstoffen und pollenarm. Außerdem trainiert der niedrige Sauerstoffgehalt der Bergluft automatisch die Ausdauer – sofern man nicht zu hoch hinaus will. Blutdruck, Puls, Sauerstofftransport verbessern die Frequenz, rote Blutkörperchen werden vermehrt gebildet – die Sauerstoffsättigung im Blut pendelt sich auf ein gutes Maß ein.

Heilsame Stollen

Wo Berge sind, gibt es oft auch ehemalige Bergwerksstollen: Von der nahezu staub- und pollenfreien Atmosphäre dort profitieren nahezu alle Menschen mit Atemwegsproblemen. Besonderen Wert können Radonwärmetherapien in Stollen haben. Das Edelgas Radon tritt ganz natürlich aus dem Gestein aus und wird über Haut und Lunge aufgenommen. Es entspannt die Muskulatur, verringert die Aktivität von Entzündungszellen und Schmerzbotenstoffen und regt den Zellreparaturmechanismus des eigenen Körpers an.

Lieber den Arzt fragen

Doch was dem einen gut tut, kann Menschen mit anderen Krankheitsbildern rund um Bronchien und Lunge das Leben erschweren. Jeder muss also seine individuelle Vorsicht walten lassen. Das Reizklima der Nordsee etwa kann bei COPD-Patienten die Beschwerden verstärken. Atemprobleme kann bei ihnen auch das Hochgebirge auslösen, weil mit der Höhe der Sauerstoffgehalt der Luft stark sinkt. Bevor Sie eine Reise planen, sollten Sie sich deshalb immer mit Ihrem behandelnden Lungenfacharzt oder Hausarzt abstimmen!

Das Gute liegt so nah

Wen es nicht in die Ferne zieht, der ist im Mittelgebirge oder in mittleren Alpenregionen wie Willingen in Hessen, Königsfeld im Schwarzwald oder Gastein im Salzburger Land gut aufgehoben. Denn dort unterstützen Kurangebote die Wirkung der reizarmen Umgebung: Bergwerksstollen, Salzgrotten oder Solebäder haben Heilwirkung. Auch moderates Ausdauertraining wie Wandern stärkt die Lungenfunktion. Über 1.500 Meter gibt es eine nahezu hausstaub- und pollenfreie Atmosphäre – ein Genuss für lädierte Lungen. Allerdings muss jeder für sich ausprobieren, ob er so hoch hinaus kann oder ob der Sauerstoffgehalt dann zu niedrig ist.

Feuchtheiße Regionen und Großstädte belasten die Bronchien generell. Der zusätzliche Stress durch das Klima und durch Feinstaubpartikel, Stickstoffoxide und Kohlenmonoxide in Städten schwächen, weil die roten Blutkörperchen ihre Sauerstofftransportaufgaben schlechter bewältigen. Aber wenn es unbedingt einmal eine smogbelastete Metropole oder ein tropischer Regenwald sein soll, dann bitte nur eine Stippvisite mit passenden Medikamenten im Gepäck. Ihr Arzt und Apotheker beraten Sie fachkompetent. Regelmäßige Entspannungsübungen können den Stress, den die Reiseumgebung in den Bronchien auslöst, mindern. Auch Zeitstress – zu viele Besichtigungen an einem Tag oder zu temporeiches Pendeln zwischen touristisch attraktiven Orten – steigert das Unwohlsein. Wie so oft ist weniger dann mehr

Quelle: www.ratgebergesund.de

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