Lust und Verhütung in den Wechseljahren - Vom: 26.07.2017

Lust und Verhütung in den Wechseljahren

von Saskia Fechte

Das Ende der Fruchtbarkeit ist ein allmählicher Veränderungsprozess – in vielerlei Hinsicht.

Cornelia Burgert vom Feministischen Frauen Gesundheits Zentrum e.V. Berlin berät Frauen zum Thema Sex und Verhütung. Die Erfahrung der Diplom-Sozialpädagogin: Mit den Wechseljahren gewinnen neue Aspekte an Bedeutung.

Wie lange können wir noch schwanger werden?

Im Alter zwischen 40 und 50 verschiebt sich der Zyklus. Eisprünge sind seltener, die Fruchtbarkeit nimmt ab. Sie bleibt so lange bestehen, bis ein Jahr lang keine Blutung mehr aufgetreten ist. Dann können selbst Frauen, die absolute Sicherheit wollen, auf Verhütung verzichten.

Welche Verhütungsmethoden sind jetzt ungeeignet?

Wir empfehlen generell, möglichst wenig in das Körpergeschehen einzugreifen, insbesondere in dieser Phase voller Veränderungen. Wer nur noch selten einen Eisprung hat und die Pille nimmt, schießt mit Kanonen auf Spatzen. Verhütungsmethoden wie die Dreimonatsspritze oder Implantate sind indiskutabel, weil man sie bei auftretenden Blutungen und Unverträglichkeiten nicht selbst entfernen und deren Wirkung sofort unterbrechen kann. Raucherinnen sollten sowieso auf hormonelle Methoden verzichten, um Gefäßveränderungen zu vermeiden.

Was sind Alternativen?

Empfehlenswert sind Barrieremethoden: Diaphragma und Portiokappe erfreuen sich wachsender Beliebtheit, auch bei jüngeren Frauen.

Bekommt Sex mit den Wechseljahren eine neue Bedeutung?

Frauen ab 40 erleben häufig eine neue Sicht auf ihre Lebenssituation. Eine veränderte Familiensituation oder zunehmende Selbstreflexion lassen eigene Bedürfnisse an die Oberfläche schwappen. Viele Frauen können oder wollen nicht mehr nur funktionieren, sondern ohne Leistungsdruck ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben führen. Hinzu kommt ein kritischer Blick auf die Partnerschaft: Wie hat die Beziehung sich entwickelt? Begegnen wir uns auf Augenhöhe?

Sinkt mit den Hormonen die Lust?

Die Hormonumstellung mag Einfluss auf die Libido haben, ist aber nicht ausschlaggebend. Es sind neue Belastungen, die uns nun beschäftigen: die schwindende Leistungskraft, heranwachsende Kinder, Sorgen um pflegebedürftige Eltern, die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. Der Freiraum und die Energie, die für ein tolles Liebesleben nötig wären, werden oft woanders gebraucht.

Begegnen Frauen in den Wechseljahren Vorurteile?

Ja, bei Frauen werden Veränderungen anders gedeutet als bei Männern. Vieles wird auf die Psyche und „die Hormone“ geschoben. Betrachten wir die Situation, dass in Berlin jede zweite Ehe scheitert, wird klar: Nicht nur die Hormonumstellung macht dünnhäutig, sondern das Jonglieren zwischen Job, Familie und weiteren Anforderungen. Nicht selten finanzielle Probleme und Zukunftssorgen.

Sie empfehlen, jetzt besonders die Schilddrüse im Blick zu behalten.

Ja, zwischen Schilddrüse und den Sexualhormonen bestehen sehr enge Wechselwirkungen. Einige Ärzte verfolgen schnell die Schiene „Wechseljahre – Psyche – Depression“ und verschreiben Antidepressiva. In unserer Beratung entpuppen sich dann viele Beschwerden als unerkannte Schilddrüsenstörungen. Umgekehrt gibt es bei gesunden Schilddrüsenwerten weniger typische Wechseljahresbeschwerden.

Informationen und Ansprechpartner: www.ffgz.de

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FFGZ Berlin

Wechseljahre – Praktische Begleitung für diese Lebensphase

ISBN 978-3-930766-60-4

8,00 €

Auf 112 Sei­ten in­for­miert die Bro­schü­re zu Ver­än­de­run­gen in die­ser Le­bens­pha­se und gibt zahl­rei­che In­for­ma­tio­nen zum Um­gang mit Be­schwer­den. Der Ratgeber zeigt den ak­tu­el­len Stand zur Hor­mon­the­ra­pie, betrachtet Herz- sowie Kno­chen­ge­sund­heit und bietet einen aus­führ­li­chen Ser­vice­teil. Auch zum Thema Schilddrüse gibt es eine aktuelle Broschüre.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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