Lebenselixier: Bitterstoffe - Vom: 21.06.2017

Lebenselixier: Bitterstoffe

Gesund macht, was nicht schmeckt? Das liegt wohl eher im Auge, besser auf der Zunge, des Betrachters. Während wir bei der Speisenzubereitung gerne mit süß, salzig, sauer und scharf variieren, fällt die Entscheidung für Bitteres eher schwer. Wer jedoch bereit ist, sich wieder mehr darauf einzulassen, profitiert in punkto guter Verdauung, Gewichtskontrolle und Stärkung des Immunsystems.

Geschmackstraining

Unsere Bittergeschmackswahrnehmung ist angeboren. Bereits Babys können Bitterstoffe wahrnehmen. Obwohl nicht generell ein Zusammenhang zwischen Bitterkeit und Giftigkeit besteht, gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Sinn für Bitteres uns vor dem Verzehr giftiger Nahrung bewahren soll. Heimische Bitterstoffe kamen bereits im Mittelalter zur Anwendung, sie finden sich in vielen überlieferten Rezepten der Hildegard von Bingen, besonders zur Heilung von Verdauungsbeschwerden. Zu jener Zeit enthielten Gemüsesorten noch wesentlich mehr an Bitterstoffen. Nach und nach züchtete man diese jedoch heraus, um die Nahrung milder zu machen, die Gewöhnung an den bitteren Geschmack verkümmerte auf diese Weise. Selbst leichte Nuancen werden heute bereits abgelehnt, dabei reagieren Frauen generell noch empfindlicher als Männer. Die gute Nachricht ist aber: Trotz genetisch festgelegter Geschmacksrezeptoren auf der Zunge, kann man sich den Appetit auf Bitteres im Sinne der eigenen Gesundheit wieder antrainieren. Zum Essen dazu Bereits bei der Aufnahme von Bitterstoffen aus Gemüse oder Heilpflanzen entfalten diese bereits in der Mundhöhle ihre Wirkung. Wir bemerken das an der zunehmenden Speichelbildung.

Reflexartig wird auf diese Weise die Produktion von Galle, Magensäure und Bauchspeicheldrüsensaft sowie die Darmaktivität angekurbelt. So macht es bei reichhaltigem Essensangebot Sinn, in das Menü Bitterstoffe in Form von beispielsweise Salaten aufzunehmen, die die Fettverdauung erleichtern. Dazu eignen sich folgende Nahrungsmittel: Radicchio, Chicorée, Rucola, Endiviensalat, Blumenkohl, Artischocken, Zitrusfrüchte (Grapefruits, Orangen, Zitronen), Küchenkräuter (Thymian, Majoran, Liebstöckel, Rosmarin, Estragon, Lorbeerblätter, Sauerampfer, Salbei).

In Glas und Tasse

Verdauungsproblemen lässt sich auch gut mit Pflanzenextrakten aus Enzian oder Löwenzahn sowie mit bitterstoffhaltigen Tees vorbeugen. Empfehlenswert ist es, sie eine halbe Stunde vor der Mahlzeit zu trinken oder einzunehmen. Dabei die Flüssigkeit einige Zeit im Mund belassen, um die Geschmacksknospen auf der Zunge gut zu aktivieren. Bitteres trägt zum Sättigungsgefühl bei, es dämpft den Heiß-hunger auf Süßes. Deshalb eignet sich ein grüner Smoothie zur Einstimmung auf ein Essen oder direkt als eigene Mahlzeit. Dazu wird Wasser, Obst, Salatblätter, Blattgrün (von Möhre oder Radieschen) und Gemüse zu einem samtigen (engl. smooth) Drink gemixt. Hierfür bieten sich oben genannte Obst-, Gemüsesorten und Kräuter, am besten frisch geerntet, an. Zunächst kann man Getränke und Salate vielleicht noch mit etwas Honig mildern und diesen nach und nach weglassen. Auf diese Weise holen wir uns die von der Natur gebotenen Heilstoffe auf unseren Speiseplan zurück.

Fragen Sie in der Apotheke nach verdauungsfördernden Tees oder Teemischungen. Bitterstoffe gibt es auch als Extrakte oder Globuli.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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