Besser hören, besser leben - Vom: 27.02.2017

Besser hören, besser leben

Wie bitte? Viele Menschen verstehen Gesprochenes nur bruchstückhaft. Grund dafür ist sehr oft eine Hörminderung. Moderne Hörsysteme helfen Betroffenen, auf Empfang zu bleiben.

Wann es damit anfing, dass sie im Stimmengewirr ihrer Umwelt immer weniger verstanden hat, kann Brigitte F. heute nicht mehr genau sagen. „Obwohl ich einzelne Worte oder ganze Satzteile nicht mehr mitbekommen habe, wusste ich meistens noch aus dem Zusammenhang, worüber geredet wurde. Deshalb habe ich das Problem verdrängt und vor mir hergeschoben“, erinnert sie sich. Mit der Zeit begannen sich die Missverständnisse jedoch zu häufen und die 57-Jährige empfand das gesellige Beisammensein mit Bekannten und Freunden, Restaurantbesuche und Familienfeiern zunehmend als anstrengend und belastend.

Brigitte F. ist kein Einzelfall: Früher oder später machen sich bei den meisten Menschen Hördefizite bemerkbar. Sie sind insbesondere auf Verschleißerscheinungen an den Haarzellen des Innenohres zurückzuführen. Doch auch den Hörnerv und das Hörzentrum kann der Alterungsprozess beeinträchtigen. Dass die Hörfähigkeit mit den Lebensjahren nachlässt, ist also durchaus normal. Ein Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt sorgt für Klarheit und hilft, Krankheiten und andere Ursachen einer Hörminderung auszuschließen.

Probleme, wenn’s laut ist

Die „Altersschwerhörigkeit“ führt vor allem zu Schwierigkeiten beim Verstehen, wenn durcheinandergeredet wird oder störende Nebengeräusche auftreten. Der subjektive Höreindruck wird jedoch noch als gut empfunden, was dazu führt, dass viele Betroffene die Ursachen für die Missverständnisse nicht beim eigenen Gehör suchen. Vielmehr vermuten sie, ihre Mitmenschen würden undeutlich sprechen oder die störenden Nebengeräusche seien verantwortlich.

Diese Fehleinschätzung birgt jedoch das Risiko, sich mit der Zeit an das schlechter werdende Hören zu gewöhnen. „Wenn weniger gehört wird, verliert das Hörzentrum im Gehirn auch seine Fähigkeiten, die Signale auszuwerten und zu interpretieren“, sagt Hörexperte Burkhard Stropahl von der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH). „Wichtige Informationen über die Herkunft und die Richtung des Gehörten, Zwischentöne und leise Geräusche gehen auf Dauer verloren. Die Betroffenen vergessen regelrecht die Klangvielfalt ihrer Umwelt und verlernen ihre akustische Orientierung.“

Auf zum Hörtest

Diese Erfahrung hat auch Brigitte F. gemacht. Viel zu lange versuchte sie, sich irgendwie mit ihren Hörproblemen zu arrangieren. Das immer häufigere Nachfragen fiel bald den Freunden und der Familie auf. Als sie schließlich auch Telefon, Wecker und Türklingel regelmäßig überhörte, fasste sie den Entschluss, sich Hilfe bei einem Hörgeräteakustiker zu suchen.

„Der Hörtest ist bei Verdacht auf Hörminderungen und als Vorsorgemaßnahme grundsätzlich der notwendig richtige Schritt“, erklärt Burkhard Stropahl. „Denn er liefert objektive Ergebnisse über die persönliche Hörleistung und ist damit eine Grundvoraussetzung für die individuell passende Hörlösung.“

Wieder alles mitbekommen

Moderne Hörgeräte ermöglichen es heute, trotz „schlechter Ohren“ aktiv am Leben teilzunehmen und wieder unbeschwert zu kommunizieren. Ein Hörgerät kann nahezu jeder tragen – und für jeden gibt es das passende. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass die Eingewöhnungsphase oft ein wenig anstrengend ist und Geduld erfordert. Bis das Hörgerät optimal auf den Träger eingestellt ist und dieser sich wieder an die längst vergessene „Geräuschflut“ gewöhnt hat, kann es eine Zeitlang dauern. Doch das Durchhalten lohnt sich. Diese Erfahrung hat auch Brigitte F. gemacht, die schon nach kurzer Eingewöhnung einen großen Teil ihrer früheren Lebensqualität zurückgewann. Heute sagt sie: „Ich hätte das viel früher machen sollen. Denn jetzt bin ich bei den Gesprächen wieder mittendrin und fühle mich rundum wohl, weil ich meinen Mitmenschen viel entspannter begegnen kann und alles verstehe.“

Zahlen & Fakten

In Deutschland hören Schätzungen zufolge über 15 Millionen Menschen nicht mehr einwandfrei. Doch nur rund drei Millionen nutzen moderne Hörsysteme. Die Fördergemeinschaft Gutes Hören rät grundsätzlich zu regelmäßiger Hörprävention. Tipp der Experten: Spätestens ab Mitte 40 sollte man sein Gehör einmal im Jahr fachmännisch überprüfen lassen.

Es brummt, pfeift, rauscht im Ohr? Worauf es beim Tinnitus ankommt, erfahren Sie im Internet unter www.ratgebergesund.de.

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