Rote Karte für die Allergie - Vom: 04.04.2016

Rote Karte für die Allergie

Millionen Menschen vermiest Heuschnupfendie warme Jahreszeit und viele fragen sich: Wie kommt es überhaupt dazu? Und was hilft gegen die Pollenallergie? Wir beantworten wichtige Fragen.

Was passiert bei einer Allergie im Körper?

Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf an sich harmlose Substanzen. Pollenallergiker beispielsweise entwickeln die typischen Heuschnupfen-Symptome, wenn das Abwehrsystem bestimmte Blütenpollen als unerwünscht und möglicherweise schädlich einstuft. Im Körper werden dann Antikörper gegen diese Eindringlinge gebildet, die wiederum Botenstoffe (Histamine) freisetzen, welche die Beschwerden auslösen. So kommt es zu den typischen Beschwerden wie Niesreiz, laufender Nase und tränenden, juckenden Augen.

Wie wird Heuschnupfen diagnostiziert?

Wer unter Beschwerden wie anhaltendem Schnupfen und tränenden Augen leidet, sollte sich von einem Allergologen untersuchen lassen. Verschiedene Untersuchungen können Aufschluss darüber geben, ob tatsächlich eine Allergie vorliegt und welche Substanzen für die Beschwerden verantwortlich sind. Eine häufig eingesetzte Diagnose-Methode ist der Haut-Prick-Test. Hierzu werden mögliche allergieauslösende Substanzen auf der Innenseite des Unterarms aufgetragen. Bildet sich nach kurzer Zeit eine Quaddel oder Rötung, ist das ein Hinweis auf eine allergische Reaktion.

Muss ein einfacher Heuschnupfen überhaupt behandelt werden?

Auf jeden Fall, denn wenn eine Pollenallergie gar nicht oder unzureichend behandelt wird, kann sich die Allergie ausweiten. Kommt es zu einem so genannten Etagenwechsel, verlagern sich die allergischen Symptome von Augen und Nase auf die tiefer gelegenen Bronchien und führen zu allergischem Asthma. Das ist eine ernsthafte, chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege mit Husten und Atemnot.

Was hilft gegen die typischen Beschwerden einer Pollenallergie?

Linderung verspricht eine Behandlung mit antiallergischen Medikamenten. Viele dieser Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Es gibt sowohl Tabletten zum Einnehmen, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Cetirizin und Loratadin, als auch Augentropfen und Nasensprays für die lokale Anwendung. Bewährte Wirkstoffe neben den genannten sind zum Beispiel Cromoglicinsäure, Lodoxamid, Azelastin, Levocabastin und Ketotifen. Stark wirksam sind Cortison-haltige, in der Regel verschreibungspflichtige Heuschnupfensprays. Der behandelnde Arzt und der Apotheker wissen, welche Arzneimittel für welche Patienten am besten geeignet sind und was bei der Anwendung zu berücksichtigen ist.

Welche ursächlichen Therapien kommen infrage?

Die einzige Möglichkeit, eine Pollenallergie ursächlich zu behandeln, ist eine spezifische Immuntherapie (SIT) bzw. Hyposensibilisierung. Ziel der Behandlung ist es, das überempfindliche Immunsystem durch Konfrontation mit der allergieauslösenden Substanz ganz allmählich an eben diese Substanz zu gewöhnen. Mit der Zeit reagiert die körpereigene Abwehr dann nicht mehr mit allergischen Reaktionen. Im Idealfall führt die SIT zu einer vollständigen Heilung. Mittlerweile gibt es mehrere Varianten der Behandlung, etwa mit Spritzen, Tabletten und Tropfen. Nur der Arzt kann entscheiden, welche Form die geeignete ist.

Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten?

Die Homöopathie setzt eine Reihe von Arzneimitteln zur Vorbeugung und zur Behandlung allergischer Beschwerden ein, zum Beispiel Galphimia glauca (kleiner Goldregen), Adhatoda vasica (Indisches Lungenkraut), Luffa operculata (Kürbisschwämmchen) und Euphrasia (Augentrost).

Müssen Pollenallergiker auch aufpassen, was sie essen?

Viele Menschen mit Heuschnupfen sind gleichzeitig allergisch gegen bestimmte Nahrungsmittel. Bei einer solchen Kreuzallergie reagiert der Körper auf Eiweiße, die in sehr ähnlicher Struktur sowohl im Blütenstaub als auch in Obst, Gemüse, Nüssen und Gewürzen vorkommen. Zwei Beispiele: Menschen, die auf die Pollen früh blühender Bäume und Sträucher allergisch sind, können oft auch Nüsse und bestimmte Obstsorten wie Äpfel nicht vertragen. Und Beifußpollen-Allergiker reagieren oft auf Sellerie und andere Gemüse und Gewürze allergisch. Die Folgen reichen von Juckreiz im Mund und Durchfall bis hin zum lebensgefährlichen allergischen Schock.

Wie lässt sich die Pollenbelastung im Alltag verringern?

Heuschnupfen-Patienten können die allergieauslösenden Pollen kaum meiden, da sie sich überall in der Luft befinden. Sie können die Belastung jedoch spürbar mindern, wenn sie einige Regeln beachten. Zum Beispiel die Wohnung richtig lüften – in der Stadt nur morgens zwischen sechs und acht Uhr, auf dem Land abends zwischen 19 und 24 Uhr, dann ist die Pollenbelastung jeweils am geringsten. Tägliches Staubsaugen mit einem guten Filter hilft, Pollen von Teppich und Möbeln zu entfernen. Regelmäßige Nasenspülungen und allabendliches Haare waschen können ebenfalls nützlich sein. Außerdem sollten Allergiker die am Tag getragene Kleidung nicht mit ins Schlafzimmer nehmen. Tagesaktuelle Pollenwarnungen gibt der Deutsche Wetterdienst heraus.

Können Allergiker verhindern, dass auch ihr Kind eine Pollenallergie bekommt?

Kinder von Eltern mit Heuschnupfen haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls eine Allergie zu entwickeln. Das möchten Familien natürlich vermeiden. Grundsätzlich gilt: Um einer Allergie vorzubeugen, sollten sich schwangere und stillende Frauen vollwertig und gesund ernähren, eine spezielle Diät zur Allergievorbeugung bringt hingegen keinen Nutzen. Absolut wichtig: Auf keinen Fall in der Schwangerschaft und Stillzeit rauchen! Ihr Kind sollte unbedingt in einer komplett rauchfreien Umgebung aufwachsen. Zudem hilfreich: Das Neugeborene vier Monate lang voll stillen. Ist das nicht möglich, sollten allergiegefährdete Babys mit hypoallergener Säuglingsmilch (HA-Nahrung) gefüttert werden. Allergiegefährdete Kinder sollten zudem möglichst in einem Haushalt ohne Katzen aufwachsen.

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