Dr. Wittig’s Tipps aus der Praxis - Vom: 16.02.2018

Dr. Wittig’s Tipps aus der Praxis

An dieser Stelle beantwortet Dr. med. vet. Kerstin Wittig aus Moers aktuelle Leserfragen rund um die Haltung und Gesundheit Ihrer vierbeinigen, gefiederten oder geschuppten besten Freunde.

Hartmut B*. aus Voerde:

Werden Tiermedikamente genauso gut überwacht wie Medikamente für Menschen?

Dr. med. vet. Kerstin Wittig:

Tierarzneimittel und Arzneimittel für Menschen unterliegen bei uns den gleichen strengen Zulassungsbestimmungen. Ist ein Tierarzneimittel zur Anwendung am Tier zugelassen, hat es bis dahin schon einen langen Weg der Überprüfung durch die zuständigen Fachbehörden hinter sich. Handelt es sich dabei um einen Impfstoff, unterliegt dessen Zulassung in Deutschland dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), einem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Geht es um die Zulassung pharmazeutischer Tierarzneimittel zur Krankheitsbekämpfung, ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zuständig. Auf EU-Ebene ist diesen beiden Instituten die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) vorgeschaltet, die länderübergreifend für Arzneimittelzulassungen für Mensch und Tier gleichermaßen zuständig ist.

Eine ganz wichtige Aufgabe bei der Überprüfung eines Tierarzneimittels ist nicht nur, die Qualität und Wirksamkeit des Mittels sicherzustellen, sondern auch dessen Sicherheit. Bei der Sicherheitsüberprüfung geht es aber nicht nur darum, ob das Medikament für das Tier selber sicher ist und keine unerwünschten Nebenwirkungen hervorruft, sondern auch darum, dass es vom Tierarzt und vom Tierhalter sicher angewendet werden kann. Darüber hinaus muss es auch unbedenklich für die Umwelt sein. Dabei wird jedes Arzneimittel speziell für diejenige Tierart geprüft, für die es zugelassen werden soll. Steht bei einem Mittel zum Beispiel „Für Hunde“ auf der Packung, darf es auf gar keinen Fall auch bei einer Katze angewendet werden. Denn bestimmte Wirkstoffe werden von Hunden und Katzen unterschiedlich verstoffwechselt. Das ist beispielsweise bei Mitteln zur Parasitenabwehr ganz wichtig: Je nach Wirkstoff kann ein Präparat für Hunde sehr wirksam und für diese Vierbeiner harmlos sein, derselbe Wirkstoff kann bei Katzen aber zum Tod führen.

Der Grund, warum manche Tierarzneimittel leider recht teuer sind, liegt in der langen Dauer der Forschung und Entwicklung eines neuartigen Mittels. So können bis zu dessen endgültiger Zulassung, ähnlich wie bei der Zulassung eines Medikaments für Menschen, bis zu 10 Jahre vergehen. Schätzungen zufolge kostet es den Hersteller bis zur Marktreife eines fertigen Tierarzneimittels etwa 150 Millionen Euro. Hat es die vielen amtlichen Prüfungen und Tests bestanden, und ist es dann endlich auf dem Markt, wird seine Herstellung und Sicherheit von den zuständigen Behörden trotzdem fortwährend überwacht.

Das letzte Glied in dieser Kontrollkette ist übrigens Ihr Tierarzt. Denn nur er oder sie darf hierzulande rezeptpflichtige Arzneimittel für Tiere an dessen Besitzer abgeben. Eine Regelung, die auch deshalb sehr sinnvoll ist, weil nicht jedes Tier einer Tierart jedes Medikament gleichermaßen gut verträgt. Da der Tierarzt immer sehr eng mit dem Tierbesitzer, der sein Tier ja am besten kennt, zusammenarbeitet, kann der Veterinär dann auch am besten entscheiden, welcher Wirkstoff und welches Präparat für seinen vierbeinigen oder gefiederten Patienten am wirkungsvollsten und sichersten ist. Und: Auch beim Tierarzt werden die Medikamente regelmäßig durch Apothekenkontrollen kontrolliert! Das wird nicht nur vom Tierarzt durchgeführt, sondern auch von entsprechenden staatlich beauftragten Stellen, wie z.B. dem Veterinäramt. Denn beim Führen einer tierärztlichen „Hausapotheke“ gibt es viele entsprechende Vorschriften, die penibel eingehalten werden müssen.

*Name von der Redaktion geändert.

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