Mastodynie - Vom: 19.06.2017

Mastodynie

Warum spannt und zieht es in den Brüsten?

An manchen Tagen spüren wir es besonders: Es spannt und zieht und schon leichte Berührungen tun weh. Schmerzen in den Brüsten treten immer wieder im Lauf des Lebens auf und haben unterschiedliche Ursachen. Mädchen unter 20 Jahren sind besonders betroffen, aber auch Frauen über 40, wenn sich allmählich die Wechseljahre ankündigen.

Zyklusabhängige Brustschmerzen sind häufig. Der Mediziner nennt sie Mastodynie. Viele Frauen spüren die hormonell- und zyklusbedingten Veränderungen in der Brust. Manchmal schon zum Zeitpunkt des Eisprungs und verstärkt unmittelbar vor der Periode. Das Spannungsgefühl kann beide Brüste betreffen oder nur einseitig spürbar sein. Bis in die Achselhöhle oder den Ellbogen kann dieses Gefühl ausstrahlen. Mit Beginn der Monatsblutung sind die Symptome meist abgeklungen.

Geht das unangenehme Gefühl in den Brüsten mit Bauchkrämpfen, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und anderen Befindlichkeitsstörungen einher, sprechen wir vom prämenstruellen Syndrom. Schon kleinste Abweichungen im Hormonspiegel können die Beschwerden verschlimmern. Stress, seelische Belastungen oder ein ungünstiger Lebensstil bringen das komplexe hormonelle Zusammenspiel schnell ins Wanken.

Während der Periode

Frauen, die auch während der Periode Schmerzen in den Brüsten haben, sollten ihren Hormonspiegel überprüfen lassen. Möglicherweise liegt eine Östrogendominanz vor. Im Zyklusverlauf steigt der Östrogenspiegel an. Das führt zu Wassereinlagerungen im Gewebe. Progesteron wird vom Gelbkörper im Eierstock gebildet und ist sozusagen der Gegenspieler des Hormons Östrogen. Bei einem Mangel kommt es zu den typischen PMS-Symptomen. Schmerzen in den Brüsten sind also auf eine Gelbkörperschwäche zurückzuführen.

Linderung verschaffen kalte Kompressen (Eisbeutel). Auch ein gut sitzender BH gibt Entlastung. Geben Sie in Ihrer Ernährung ungesättigten Fettsäuren den Vorzug, da diese regulierend auf den Hormonhaushalt einwirken. Vermeiden Sie Stress und weitere Faktoren, die die Hormone aus der Balance bringen können.

Nach der Menstruation

In der Regel sind Brustschmerzen nach der Periode seltener. Achtung: Es könnte ein erstes Anzeichen einer Schwangerschaft sein. Ein Schwangerschaftstest aus Ihrer Apotheke gibt erste Gewissheit. Bei Frauen ab 40 treten die Symptome zu Beginn der Wechseljahre auf. Manche Ärzte raten dann zu einer individuellen Hormontherapie, die sich nach der Ursache, dem Hormonstatus und dem Alter der Patientin richtet. Heilpraktiker gehen nach einem ganzheitlichen Konzept vor: Ernährung, der persönliche Lebensstil, mögliche Vorerkrankungen. All das spielt eine Rolle. Akupunktur kann Linderung schaffen. Auch die Natur verspricht eine heilende Wirkung: Mönchspfeffer und Nachtkerzenöl sind die klassischen Mittel bei Frauenleiden. Erhältlich in Ihrer Apotheke.

In der Schwangerschaft

Tatsächlich kann ein Ziehen in der Brust das erste Bauchgefühl für eine Schwangerschaft sein. Die Brüste sind extrem empfindlich und reagieren sensibel auf Berührungen. In der Schwangerschaft produziert der Körper besonders viel Östrogen und Progesteron. Aufgrund des Hormonschubs beginnt der Busen zu wachsen. Die Durchblutung erhöht sich und es werden weitere Milchdrüsen und Fettschichten gebildet. Ein gut stützender, weicher BH ohne Bügel ist jetzt ratsam. Nachts bringt ein leichter Schlaf-BH Erleichterung. Ein Trost: Spätes-tens im letzten Schwangerschaftsdrittel lässt das unangenehme Spannen und Ziehen in den Brüsten nach.

Nach der Geburt

Brustschmerzen in den ersten Wochen nach der Geburt und beim Stillen sind häufig. Oft ist Milchstau die Ursache. Wenn die Muttermilch nicht richtig fließt und die Brust nicht leer getrunken wurde, spüren Mamis das mit geschwollenen, geröteten, druckempfindlichen Stellen in den Brüsten. Auch wenn es schmerzt, sollten Sie unbedingt weiterstillen. Ein Ausstreichen der Brüste mit einer sanften Massage bringt die Milch wieder in Fluss. Mit der richtigen Anlegetechnik können Sie einen Milchstau vermeiden.

Wärme vor dem Stillen verbessert das Ablaufen der Milch. Versuchen Sie es mit einer Rotlichtlampe, warmen Wickeln oder einer heißen Dusche. Nach dem Stillen bringt ein kühlendes Tuch Entspannung. Trinken Sie Stilltee aus Ihrer Apotheke. Sorten mit Anis, Kümmel und Fenchel regen die Milchproduktion an, Pfefferminz- und Salbeitees reduzieren sie. Sprechen Sie bei einem Milchstau auf jeden Fall mit Ihrer Hebamme, um Brustentzündungen zu vermeiden.

In der Stillzeit

Wenn das Baby sehr fest an der Brustwarze saugt, kann es zu feinen Rissen am Warzenhof kommen. Äußere Verletzungen begünstigen das Eindringen von Keimen und Bakterien. Diese Fremdkörper wandern durch die Milchkanäle zur Brustdrüse und verursachen dort die Entzündung. Auch Mütter, die lange Stillpausen einlegen, riskieren einen Milchstau. Bakterien siedeln sich an und es kann zur sehr schmerzhaften Brustentzündung (Mastitis) kommen. Die Brust ist gerötet und fühlt sich heiß an. Meist kommen Fieber und Schüttelfrost hinzu und die Lymphdrüsen sind geschwollen. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Entzündung. Im fortgeschrittenen Stadium verschreibt der Arzt fiebersenkende und entzündungshemmende Mittel. Hat es Mami noch nicht so schlimm erwischt, können Hausmittel helfen: kühlende Wickel und hochwertige Arznei- und Stilltees aus Ihrer Apotheke. Rat weiß auch Ihre Hebamme. Auf jeden Fall weiterstillen.

In den Wechseljahren

Ein Drittel aller Frauen kennt die unangenehmen Begleiterscheinungen: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, dysphorische Stimmung und eben auch Schmerzen in den Brüsten. Die Symptome erinnern an das prämenstruelle Syndrom – nur stärker und lang anhaltender. Das Spannungsgefühl kann beide Brüste betreffen oder einseitig sein. Es taucht vorwiegend in der zweiten Zyklushälfte auf und verstärkt sich zum Zyklusende. In der Menopause bildet sich die Hormonproduktion zurück. Der Progesteronspiegel sinkt kontinuierlich, die Östrogene aber bleiben. Es kommt zu Wassereinlagerungen, die Schmerzen verursachen. Außerdem verändert sich in den Wechseljahren das Brustgewebe. Dieser Umbauprozess löst das Spannungsgefühl aus. Es kann zu gutartigen Zysten kommen. Bleiben Sie vorsorglich in Kontakt mit Ihrem Arzt.

Moderne Hormonpräparate können die Zeit der Wechseljahre erleichtern. Leichten Beschwerden können Sie mit manchen Hausmitteln zu Leibe rücken: Quarkwickel haben eine abschwellende Wirkung. Oder Sie vertrauen der Heilkraft der Natur: Mönchspfeffer (Vitex agnus cas-tus oder Keuschlamm genannt) hat eine hormonähnliche Wirkung und kann die typischen Beschwerden lindern. Nachteil: Es dauert seine Zeit, bis Mönchspfeffer seine Wirksamkeit erzielt.

Die Heilkraft des Mönchspfeffers

Frau Uhlendahl, Mönchspfeffer gilt als klassisches Heilkraut bei gynäkologischen Beschwerden. Wann wird es eingesetzt?

Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) hat ein sehr breites Wirkungsspektrum und wird bei Menstruations- oder Wechseljahresbeschwerden gegeben, bei hormonell bedingten Hautunreinheiten, bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und Stillzeit.

Und eben bei Mastodynie (Brustspannen). Wichtig ist, die Heilpflanze zum richtigen Zeitpunkt – also in der zweiten Zyklushälfte – einzusetzen. Patientinnen ermitteln ihren individuellen Termin am besten über eine genaue Zyklusbeobachtung und Messung der Basaltemperatur. Nur wenn Mönchspfeffer richtig eingenommen wird, kann das Mittel die Beschwerden lindern.

Wirkt Mönchspfeffer wirklich?

Die Eigenschaften des Mönchpfeffers sind seit der Antike bekannt und sehr gut wissenschaftlich untersucht. Mönchspfefferextrakte haben eine dopamin-ähnliche Wirkung. Sie wirken auf die Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die den Hormonhaushalt reguliert. Ausschlaggebend auf die Wirkweise ist die Dosierung. Homöopathische Mengen in Tiefpotenzen können hemmend auf den Dopamin-D2-Rezeptor wirken und das milchbildende Hormon (Prolaktin) fördern. Niedrig dosiert kann Mönchspfeffer die typischen PMS-Beschwerden lindern. Wird Mönchspfeffer höher dosiert, wird Prolaktin reduziert. Das kann am Ende der Stillzeit hilfreich sein. Die Dosierung hängt immer von der individuellen Konstitution der Patientin ab und sollte grundsätzlich mit einem Arzt oder Heilpraktiker abgestimmt sein.

Was empfehlen Sie jüngeren Frauen bei schmerzenden Brüsten?

Wenn keine Schwangerschaft vorliegt, sollte zunächst eine Gelbkörperschwäche ausgeschlossen werden, insbesondere bei Kinderwunsch. Akute Hilfe bei schmerzenden Brüsten bieten kühlende Quark- oder Retterspitzwickel. Dies ändert aber noch nichts an der Ursache des Symptoms. Lassen Sie eine hormonelle Schieflage immer professionell abklären.

Ihr Rat bei Wechseljahresbeschwerden?

Wenn Sie in der Menopause unter Spannungsschmerzen in den Brüs-ten leiden, ist dies meist ein Indiz für eine hormonelle Veränderung. Durch die Östrogendominanz kann bei vielen Patientinnen das milchbildende Hormon Prolaktin ansteigen. Das heißt, es kann Milch aus der Brust austreten. Altersentsprechend steigt in der Menopause auch das Follikel stimulierende Hormon (FSH) an und verursacht die typischen Wechseljahresbeschwerden, z. B. Brustspannen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Heilpraktikerin. Wichtig ist eine gründliche Medikamenten-anamnese, da es viele Arzneimittel gibt, die Prolaktin fördern und somit die Beschwerden verstärken können. Mönchspfeffer wird meistens als Kapsel verabreicht, nicht selten aber auch als Tee, Tablette, Tropfen oder als Früchteextrakt.

Mönchspfeffer ist der Wirkstoff vieler Arzneimittel bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden. Fragen Sie danach in Ihrer Apotheke!

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

Uhrheberrechtliche Hinweise und Impressum
Diesen Artikel: per E-Mail mailen | Ausdrucken drucken | Ausdrucken vorlesen