Spritze bei Migräne? - Vom: 15.01.2019

Spritze bei Migräne?

Sie gilt als medizinische Revolution.
Aber ist die Spritze wirklich so gut?
In den USA ist die Migräne-Spritze bereits ein Bestseller. Jetzt gibt es sie auch bei uns. Das neue Medikament basiert auf Antikörpern und soll vor Kopfschmerz-Attacken bewahren.

Per Knopfdruck

Außergewöhnlich ist vor allem die Anwendung. Bislang gab es klassische Arznei zur Akuttherapie. Möglichst schnell soll sie von den pochenden, pulsierenden Schmerzen befreien. Mit dem neuen Wirkstoff Erenumab ist es anders: Man schluckt ihn nicht, man spritzt ihn alle paar Wochen per Knopfdruck unter die Haut. Der Autoinjektor funktioniert ähnlich wie der Insulin-Pen für Diabetiker. Selbst für Ungeübte ist das neue Mittel leicht zu handhaben und soll sogar fast nebenwirkungsfrei sein. Wenn es so einfach ist, warum gibt es die Migräne-Spritze dann nicht für jeden?

Kein Allheilmittel

»Das neue Medikament ist zur Vorbeugung der Migräne geeignet«, sagt Dr. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG). Vor allem Patienten, die unter schwerer Migräne mit 15 bis 20 Schmerztagen pro Monat leiden, sollen von der neuen Therapie profitieren. »Die Spritze heilt nicht. Aber die Zahl der Migränetage zu senken«, so Förderreuther, »ist ein großer Segen für Betroffene.« Fachleute sprechen von einer »Revolution in der Migränetherapie«. Der Wirkstoff Erenumab wirkt nämlich genau dort, wo die Migräne entsteht: im tiefsten Innern im Gehirn, dem Hirnstamm. Hier blockiert er jenen Botenstoff, der den massiven Kopfschmerz auslöst. Migräne-Attacken können auf diese Weise verhindert oder eingedämmt werden.

Nur auf Rezept

Patienten mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten jedoch vorsichtig sein. Auch in der Schwangerschaft ist von der Migräne-Spritze abzuraten. Eine ärztliche Verordnung ist ohnehin Pflicht. »Die Kosten tragen die Krankenkassen nur bei Erwachsenen mit chronischer Migräne«, so Thorsten Jakob, der Pressesprecher der Barmer. Wie es Patienten langfristig mit der Migräne-Spritze geht, wird sich erst in Zukunft zeigen.
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern
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