Medikamente umweltgerecht entsorgen - Vom: 16.02.2019

Medikamente umweltgerecht entsorgen

In Deutschland werden jährlich rund 30.000 Tonnen Medikamente verschrieben oder verkauft. Aber wohin mit überzähligen oder abgelaufenen Arzneimitteln?

Derzeit sind hierzulande etwa 2.300 Medikamentenwirkstoffe zugelassen, von denen die Hälfte als umweltrelevant eingeschätzt wird, weil sie giftig oder schwer abbaubar sind. Dazu zählen Schmerzmittel ebenso wie Blutdrucksenker oder Hormonpräparate. Durch unsachgemäße Entsorgung über die Toilette oder das Waschbecken gelangt eine ganze Reihe von Wirkstoffrückständen in die Umwelt. Da sie chemisch extrem stabil sind, können sie von den meisten Klärwerken nicht oder nur mit sehr großem technischem Aufwand aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Laut dem Umweltbundesamt wurden bis jetzt schon 150 verschiedene Wirkstoffe in deutschen Flüssen und Seen gefunden. Dienen diese Gewässer der Versorgung mit Trinkwasser, können Medikamente als ungewollter und unkontrollierbarer Medikamentenmix wieder in den Körper gelangen.

Mehr Medikamente

Noch wird diesem Problem nur wenig Beachtung geschenkt. Doch das könnte sich bald ändern. Denn laut einer Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft wird die Menge der verbrauchten Medikamente bis 2045 von derzeit 30.000 Tonnen auf 50.000 Tonnen wachsen. Der Grund dafür ist der demografische Wandel: Immer mehr Menschen werden immer älter. Mit zunehmendem Alter steigt der Bedarf an Medikamenten. Dadurch wächst aber auch die Menge an Medikamentenrückständen, die vielen Klärwerken schon heute Probleme bereiten.

Unabsehbare Folgen

Bereits geringe Mengen von Medikamentenrückständen wirken sich auf die Tiere in derart belasteten Gewässern aus. So schädigen beispielsweise Rückstände aus Schmerzmitteln die Leber sowie Nieren und Kiemen von Fischen. Arzneimittel mit hormonähnlicher Wirkung reduzieren die Fortpflanzungsfähigkeit männlicher Fische, was für die betroffenen Bestände existenzbedrohend sein kann. Nicht zuletzt sind auch die Wechselwirkungen verschiedener Wirkstoffe, die sogenannten Cocktaileffekte, in Fischen, aber auch in Amphibien oder Insekten noch gar nicht bekannt.

Immer in den Hausmüll

Um den unabsehbaren Folgen von Arzneimittelrückständen in der Umwelt nachhaltig aus dem Weg zu gehen, gibt es eine ganz einfache Lösung: statt Tropfen, Tabletten, Tinkturen und dergleichen über die Toilette oder das Waschbecken zu entsorgen, gehören sie in die Tonne mit dem Hausmüll. Denn der wird auf der Deponie bei hohen Temperaturen verbrannt, was auch die sichere Vernichtung von Arzneimittelwirkstoffen umfasst. Schadstoffsammelstellen und Recyclinghöfe nehmen ebenfalls nicht mehr benötigte oder abgelaufene Medikamente zur umweltgerechten Entsorgung entgegen.

Beratung in der Apotheke

Obwohl sie entgegen einem hartnäckigen Gerücht nicht dazu verpflichtet sind, nehmen auch viele Apotheken abgelaufene oder überzählige Medikamente auf Anfrage zurück. Weitaus nachhaltiger ist es aber, wenn Sie sich schon beim Kauf eines Medikaments über dessen sachgerechte Entsorgung informieren. In Sachen Umweltschutz hält das Team aus Ihrer Apotheke aber noch weitere Tipps bereit. Wer beispielsweise nach dem Auftragen einer Schmerzsalbe wartet, bis sie in die Haut eingezogen ist, vermeidet beim nächsten Duschbad ein Auswaschen der Wirkstoffe.

Medikamente umweltschonend anwenden und

entsorgen – mit Tipps aus Ihrer Apotheke.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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