Die Gefühle bleiben erhalten - Vom: 06.12.2017

Die Gefühle bleiben erhalten

Die tägliche Pflege eines Demenzerkranken ist eine große Herausforderung. Demenzkranke leiden an Gedächtnisverlust. Doch manche Pflegende erleben bei ihren erkrankten Angehörigen auch unerklärliche Wesensveränderungen.

von Olaf Eybe

Die Kranken werden oft als schwierig, misstrauisch und mitunter als unerträglich erlebt. Warum ist das so und wie kann der Pflegende damit umgehen? Antworten kennt Anna Leib-Gerstner. Die Soziologin und Krankenpflegerin leitet die Fachberatung Pflege/Pflegeservice im Bereich Pflege des medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK): „Auffälliges Verhalten ist oft nur die natürliche Reaktion auf eine für den Betroffenen nicht nachvollziehbare Situation. Die kranken Menschen reagieren sehr sensibel, wenn sie sich unsicher fühlen und Alltagssituationen nicht mehr nach ihrem herkömmlichen Verständnis einordnen können.“ Aus ihrer beruflichen Erfahrung weiß die MDK-Mitarbeiterin, wie wichtig es ist, den hilfe- und pflegebedürftigen Menschen respektvoll und wertschätzend zu begegnen. „Die Kranken nehmen ihre Umwelt sehr sensibel über Körpersprache und atmosphärische Stimmungen wahr“, erklärt sie.

Körperpflege als Bedrohung

An Demenz erkrankte Personen erfassen ihre Lebenssituation nur mehr eingeschränkt mit dem Verstand. So kann es dann zu Missverständnissen kommen. Ein Beispiel: Eine Demenzkranke wird zum Waschen entkleidet. Sie erkennt die pflegende Person nicht mehr und kann nicht verstehen, warum sie ausgezogen wird. In dieser Situation fühlt sich die Kranke ausgeliefert und setzt sich folgerichtig zur Wehr. Für die Angehörigen heißt die Pflege eines dementen Menschen, jeden Tag aufs Neue solche Herausforderungen zu meistern und ständig zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung des Erkrankten und der Fürsorgepflicht abzuwägen. „Zum Glück wissen Angehörige in der Regel, welche Maßnahmen beruhigend wirken. Hilfreich sind zum Beispiel einfache Sätze zu allen Handlungen. Sie erklären, was gerade gemacht wird. „Es ist bemerkenswert mit welchem Einfallsreichtum Pflegende anspruchsvolle Situationen bravourös lösen.

Auf die eigene Gesundheit achten

Gerade für pflegende Angehörige ist es sehr wichtig, sich von Zeit zu Zeit eine Auszeit zu gönnen. Die Beachtung der Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen ist wichtig für die Stabilität der Pflegesituation. „Jeder Pflegebedürftige und dessen Pflegepersonen haben einen gesetzlichen Anspruch auf Pflegeberatung durch ihre Pflegekasse. Hier werden sie eingehend zu allen Entlastungsmöglichkeiten informiert“, betont Anna Leib-Gerstner. Das kann zum Beispiel ein ambulanter Pflegedienst sein, eine Tagespflege, eine Kurzzeitpflege oder ein Besuchsdienst.

In der Auszeit können Heilpflanzen helfen, Entspannung zu finden. Lassen Sie sich zu Auswahl und Anwendung geeigneter Präparate in der Apotheke beraten!

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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