Draußen spielen - Trainingslager fürs Leben - Vom: 28.07.2017

Draußen spielen - Trainingslager fürs Leben

von Saskia Fechte

Kinder, die viel draußen spielen, sind gesünder, leistungsfähiger und motorisch geschickter als Stubenhocker. Ein hohes Maß an Spielfreude ist verknüpft mit einer positiven kognitiven Entwicklung und seelischem Wohlergehen.

Was macht Spielen aus?

Körperliche Bewegung wird verbunden mit dem Verhandeln von Regeln, Rollenspielen sowie dem Versuch, mit Alltagsdingen oder Naturmaterial zu bauen. Wesentlich ist: Spiel ist immer eine freiwillige Tätigkeit, hat einen offenen Ausgang und dient keinem Endzweck. Begleitet von Lust und Freude hat es viel mit Freiheit zu tun.

Dr. Christiane Richard-Elsner beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Kindheit und ist im ABA Fachverband* für das Draußenspiel zuständig. Im Beirat des „Bündnis Recht auf Spiel“ setzt sie sich dafür ein, dass Kinder frei draußen spielen können. In diesem Monat erscheint ihr Fachbuch „Draußen spielen“ bei Beltz Juventa.

Laut UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht auf Spiel. Warum ist es so wichtig?

Spielen heißt, sich selbst, die Dinge, die Natur und die Menschen in seiner Umgebung zu entdecken. Kinder machen Erfahrungen im Spiel. Sie spüren sich, ihre Grenzen und Möglichkeiten. Sie werden selbstständig, selbstbewusst und kreativ.

Wer sich als Kind gern bewegt, profitiert sein ganzes Leben in puncto Gesundheit und Fitness. Besonders durch freies Draußenspielen?

Ja, denn das Kindergehirn ist ausgerichtet auf spontanes Entdecken und, ganz wichtig, auf Bewegung. Bewegung im Spiel geschieht nebenbei, ergibt sich aus dem, was die Kinder gerade vorhaben. Im Gegensatz zum Sport bewegen sich Kinder im Spiel – bei ausreichend Platz und Entdeckungsmöglichkeiten – so, wie es ihnen gerade gut tut: Haben sie vorher viel gesessen, toben sie. Waren sie vorher krank oder stecken im Wachstumsschub, spielen sie eher ruhig.

Was brauchen Kinder zum Spielen?

Aktionsmöglichkeiten! Das Wichtigste, was Erwachsene tun können: gute Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Am besten Orte, die viel Platz für Bewegung, viele Spielmöglichkeiten bieten, vor allem Räume in der Natur. Wer seinen Kindern etwas Gutes tun will, bringt ihnen viele Spiele bei. Und wenn Kinder nach Hause kommen, brauchen sie offene Ohren für die vielen Erlebnisse – und eine Waschmaschine.

Erinnerungen an Kinderspiele machen glücklich. Warum?

Spielen heißt, ganz bei sich, völlig im Einklang mit dem zu sein, was man gerade tut: ein Zustand höchster Konzentration. Zunehmend rückt dieser Zustand auch bei Erwachsenen in den Fokus: Flow genannt, aber dies Phänomen ist schon lange bekannt beim Spiel von Kindern. Dieser Zustand macht glücklich. Deshalb prägt er sich besonders stark ein.

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, sollten so viel wie möglich draußen aktiv sein. Komplexe Bewegungsabläufe wie Klettern oder Ballspiele fördern die motorische Entwicklung. Selbstständige Bewegungserfahrung hilft, sich im eigenen Tempo an Fertigkeiten heranzutasten. Diese werden zunehmend sicherer, kontrollierter, zielgerichteter und komplexer. Das stärkt das Selbstvertrauen und ein positives Selbstkonzept.

Mehr Infos unter:

www.draussenkinder.info

www.kinderspiele-welt.de

*Dach- und Fachverband für Abenteuer- und Bauspielplätze, offene Kinderbauernhöfe und Jugendfarmen, Spielmobile, Spielplatzpaten, offene Jugendzentren sowie kinderfreundliche Stadtplanung; gegründet 1971 mit Sitz in Dortmund.

Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern

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